Forum » AKTE X » Fan Fiction / Gedichte / Geschichten » FIGHT for THE FUTURE – [3/3] "Fight for THIS future" [FF; MSR]

FIGHT for THE FUTURE – [3/3] "Fight for THIS future" [FF; MSR]

  • Es geht erst einmal ganz ruhig weiter... mit ein wenig Familienleben ;)

    Viel Spaß beim 3. Teil!! =)

    ****

    Titel: FIGHT for THE FUTURE – [3] "Fight for THIS future!"
    Rating: PG-13
    Disclaimer: Mulder, Scully & alles, was dazugehört, gehören nicht mir, sondern Chris Carter und 20th Century Fox. Hab sie nur für meine FF geliehen.
    Summary: Mulder und Scully sind zurück. Und das hat gute Gründe. Zum einen wollen sie nicht tatenlos mit ansehen, wie Außerirdische die Welt kolonisieren. Und zum anderen gibt es jemanden, den beide unbedingt wiederhaben wollen. Ihren Sohn William.

    **

    Super-8-Motel,
    Washington D.C.
    Sonntag, 17.05.09 06:24 Uhr


    Das Licht der ersten Sonnenstrahlen fiel durch das Fenster in den kleinen Raum.
    Es war still, doch Scully war bereits wach.
    Vor wenigen Minuten war sie aus ihrem traumlosen Schlaf aufgewacht.
    Doch sie hatte kein Verlangen danach aufzustehen. Denn das Bild, das sich ihr bot, war zu schön, um es auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Überglücklich betrachtete sie die beiden Menschen, die eng aneinandergekuschelt direkt neben ihr im Bett lagen.
    Mulder und William schliefen noch tief und fest.
    Beide lagen mit dem Gesicht ihr zugewandt und Mulder hatte beschützend seinen Arm um William gelegt und ihn an sich gezogen, als wolle er ihn nie wieder loslassen.
    Was allein schon diese Geste bewirken konnte, wusste Scully nur zu gut.
    Von seinen starken Armen gehalten zu werden, beruhigte sie immer und gab ihr ein Gefühl von Sicherheit.
    Etwas, was William nun so dringend brauchte… und was sie und Mulder ihm ohne Einschränkungen geben würden.
    Scully war so erleichtert gewesen, dass William sie und Mulder sofort als seine Eltern angesehen hatte.
    In der Vergangenheit hatte sie sich natürlich öfters Gedanken darüber gemacht, wie es sein würde, nach all den Jahren ihrem Sohn gegenüberzustehen und ihm erklären zu müssen, dass sie seine Mutter sei. Sie hatte sich immer gefragt, wie er reagieren würde. Und meistens hatte sie sich keinen positiven Verlauf des Treffens ausgemalt.
    Wie auch?
    Wie konnte er es ihr verzeihen, dass sie ihn weggeben hatte?
    Wie konnte sie ihm verständlich machen, dass es zu seiner Sicherheit gewesen war?
    Doch diese Bedenken waren unbegründet gewesen…
    Alles war in dem Moment unwichtig geworden, in dem sie ihn und seine überglücklich leuchtenden Augen gesehen hatte.
    Sie hatte erkannt und gespürt, dass es für ihn das Wichtigste gewesen war, sie und Mulder zu finden.
    Seine richtigen Eltern.
    Die beruhigende Gewissheit zu haben, dass sie nicht tot waren, so wie ihm bisher erzählt worden war, überstrahlte alles.
    Das hatte er ihnen auch am Abend zuvor noch erzählt.
    Er hatte ihnen von dem Streit zwischen Eileen und Jacob berichtet. Dass der wütende Jacob Eileen geschlagen hatte - nachdem sie behauptet hatte, dass das auf dem Bild seine richtige Eltern seien…und dass er sie dann nach draußen gebracht hatte.
    Scully hatte Mulder nur kurz angesehen und in seinem Blick erkannt, dass er das gleiche dachte wie sie… Dass Eileen wahrscheinlich tot war.
    Scully strich sich nachdenklich eine Haarsträhne aus dem Gesicht - ohne ihren Blick von Mulder und William abzuwenden. Dann zog sie ihre Decke noch weiter über ihre Schulter.
    Selbst jetzt war sie noch verblüfft über Williams Erzählungen… über seinen Weg von seinem Kinderzimmer in New York zum FBI nach Washington. Doch es zeigte ihr auch, dass er wirklich ein schlaues Kerlchen war.
    Sie schmunzelte.
    Denn sie musste an eine Bemerkung von Monica denken. Über die Ähnlichkeit zwischen William und Mulder und dass es sicherlich nicht nur sein Äußeres betreffen würde.
    Doch auch schon das ähnliche Aussehen der beiden war fast unglaublich. Und Scully hatte es in diesem Moment besonders gut vor Augen – lagen sie doch mit ihren Gesichtern direkt nebeneinander.
    Scully hätte den beiden noch ewig beim Schlafen zuschauen können, doch mittlerweile war die Sonne soweit aufgegangen, dass sie über ihren Kopf hinweg schien und zuerst Mulders Stirn und nun auch seine geschlossenen Augen anstrahlte.
    Und es dauerte nur wenige Minuten bis er seinen Kopf erst kurz zur Seite drehte, sich von den Sonnenstrahlen abwandte, dann aber blinzelnd wieder zu ihr schaute.
    „Schon wach?“ murmelte er leise, hob seinen Kopf und stützte ihn auf seine Hand, um den blendenden Strahlen der Sonne zu entkommen. Ganz langsam und vorsichtig, um William nicht zu wecken.
    „Mmhh…ja“, lächelte Scully.
    Mulder erwiderte ihr glückliches Lächeln. Eine Weile sahen sie sich schweigend an. Jeder konnte in den strahlenden Augen des anderen dessen Gefühle lesen.
    In diesem Moment brauchten sie keine Worte.
    „Wie geht es dir?“ fragte Mulder dann und betrachtete besorgt das kleine Pflaster auf ihrer Stirn.
    „Gut“, flüsterte Scully. „Es könnte mir kaum besser gehen.“
    „Das ist schön.“
    Mulder sah kurz auf William hinab, der weiterhin friedlich schlief, dann wieder zu Scully.
    „Wenn das alles vorbei ist…“, begann er. „… werden wir eine richtige Familie sein. Das verspreche ich dir.“
    „Das sind wir doch schon“, sagte sie sanft.
    Mulder schmunzelte und griff vorsichtig nach dem Ring an ihrer Kette, der locker vor ihrem Hals baumelte.
    „Aber es weiß keiner.“
    „Naja…“, flüsterte sie amüsiert und sah ihm tief in seine haselnussbraunen Augen. „Vielleicht ist es ja an der Zeit, die Geheimniskrämerei sein zu lassen.“
    Mulder machte große Augen. Er war sichtlich überrascht.
    Scully lachte und zwinkerte ihm vieldeutig zu.
    Mulder zog an ihrer Hand, dass sie näherkommen sollte. Und Scully ließ sich darum nicht zweimal bitten.
    Vorsichtig kuschelte sie sich an William. Und Mulder brauchte sich nun nur ein Stück über seinen Sohn zu beugen, um Scully einen liebevollen Kuss auf ihre, zu einem fröhlichen Grinsen geformten Lippen zu geben.
    „Mmhh… Na gut. Ich werde dich das nächste Mal nämlich an diese Aussage erinnern“, versprach er und küsste sie erneut.
    „Das glaube ich dir aufs Wort“, murmelte sie, während sie seinen Kuss ebenso innig erwiderte.
    „Hey…“, meldete sich plötzlich eine noch ziemlich verschlafene, aber dennoch bestimmte Stimme zu Wort. „Was macht ihr da?“ William blinzelte und reckte seinen Kopf nach oben. Zwei tiefblaue und sichtlich neugierige Augen trafen Mulder und Scully.
    Mulder sah ihn belustigt an und wuschelte ihm durch die Haare.
    „Darf ich deiner Mum keinen Guten-Morgen-Kuss geben?“
    William grinste daraufhin frech.
    „Doch.“
    „Na, da bin ich aber erleichtert.“
    Scully lächelte William liebevoll an.
    „Bekomme ich von dir auch einen?“
    Und William nickte sofort, rutschte ein Stück im Bett nach oben und drückte ihr einen dicken Kuss auf die Wange.
    „Danke“, lachte Scully.
    „Bekommt ihr jetzt ein Baby?“ fragte William neugierig und schaute von Scully zu Mulder.
    Und beide starrten ihn ziemlich geschockt an.
    „Was?“ Scully fand als erste wieder Worte.
    „Mein bester Freund Lex hat mir das erklärt“, sagte William ernst. „Er sagte, dass seine Eltern sich immer geküsst hätten, so wie ihr gerade, und deshalb haben sie ein Baby bekommen.“
    „Äh…“ Scully warf Mulder einen ziemlich hilflosen Blick zu, doch der konnte sich sein Lachen kaum mehr verkneifen… und William setzte noch einen drauf.
    „Ich hätte gerne auch eine Schwester“, sagte er und klang dabei sehr überzeugt. „Dann könnte ich ihr großer Bruder sein.“ Mit diesen Worten rutschte er aus dem Bett und sprang an die Tür zum Badezimmer. Bevor er in dem kleinen Raum verschwand, grinste er seine Eltern noch mal breit an.
    Scully setzte sich auf und starrte William ziemlich verdattert hinterher.
    „Nettes Kerlchen, dieser Lex…“, murmelte sie. Von Mulder hörte sie allerdings nur ein leises Lachen. „Du weißt, dass es bei einem Jungen dem Vater zusteht, sich über solche Dinge mit ihm zu unterhalten?“ erwiderte sie und schenkte ihm ein verschmitztes Lächeln.
    Mulder verstummte daraufhin schlagartig, was Scully mit ziemlicher Genugtuung registrierte.
    Doch dann seufzte er - sich seinem Schicksal ergebend - und erwiderte mit einem frechen Unterton in der Stimme:
    „Na, dann schließe ich mich der Meinung meines Sohnes an und hoffe, dass es beim nächsten Mal ein Mädchen wird.“
    Scully warf ihm daraufhin einen ihrer typischen Scully-Blicke zu, samt hochgezogener Augenbraue.
    Einen Moment sahen sie sich an und Mulder befürchtete schon, dass er mit seiner flapsigen Bemerkung zu weit gegangen war…doch als Scully in ein herzhaftes Lachen ausbrach, stimmte er nur zu gerne mit ein. Denn dieses offene und befreite Lachen hatte er schon so lange nicht mehr gehört.

    „So, wir sind fertig“, sagte Scully und verließ hinter William das Bad.
    Mulder saß ebenfalls fertig angezogen auf der Bettkante und wartete.
    „Na endlich“, grinste er.
    William kam sofort zu ihm.
    „Ich habe Hunger, Daddy“, sagte er ernst.
    Mulder schmunzelte.
    „Da habe ich auch schon eine Idee. Ich habe gestern in dem Kiosk neben der Rezeption einen kleinen Bäcker entdeckt. Der hat leckere Schokodonuts.“
    „Mmhh! Toll!“ William leckte sich genüsslich über die Lippen.
    „Schokodonuts, Mulder?“ bemerkte Scully und zog leicht kritisch ihre Augenbrauen nach oben.
    „Äh… ja“, lächelte Mulder. „Schmecken doch gut…“
    „Genau!“ nickte William zustimmend.
    „Wir sollten doch lieber etwas Richtiges frühstücken“, meinte Scully und legte das Handtuch, mit dem sie sich die Hände abgetrocknet hatte, zur Seite.
    „Ohh…“, seufzte William enttäuscht, verschränkte seine Arme und schaute abwartend zu Mulder.
    „Komm schon, Scully… Nur heute…“ Mulder zog erst William zu sich, sodass er neben ihm stand. Dann neigte er leicht seinen Kopf zur Seite und blinzelte Scully an. Und William sah erst auf Mulder, dann zu Scully und blinzelte ebenfalls.
    Scully stöhnte leicht.
    „Jetzt habe ich zwei Männer, die mich mit ihren Blicken um den Finger wickeln können.“
    „Was meint sie damit?“ fragte William und drehte sich zur Seite, sodass er Mulder ansehen konnte.
    Mulder grinste verschwörerisch.
    „Deine Mum meint, dass sie uns, wenn wir sie gaaaanz lieb anschauen, keinen Wunsch abschlagen kann.“ Er zog William so nah an sich heran, dass er mit ihm Kopf an Kopf war und lächelte Scully an.
    „Ah…“ kam es von William und auch er sah nun Scully konzentriert an.
    Und Scully konnte es kaum fassen.
    Dass Mulder diesen lieben und zugleich etwas flehenden Blick nun nach all den Jahren mit Leichtigkeit beherrschte, war ihr nichts Neues. Und natürlich wusste er nur allzu gut, was dieser gewisse Blick von ihm bei ihr auslöste.
    Doch dass William automatisch genau den gleichen Blick aufsetzte, war unglaublich.
    „Oh Gott…“, seufzte sie geschlagen.
    „Juhu!“ rief William fröhlich, während Mulder Scully, die lachend ihren Kopf schüttelte, leicht entschuldigend zuzwinkerte.
    „Aber nur heute“, versuchte sie dann aber doch noch ihre Position zu verteidigen.
    Und William nickte gehorsam.
    „Ja, Mum.“
    „Jetzt müssen wir aber los“, bemerkte Mulder. „Wir müssen dir noch was Neues zum Anziehen kaufen… und Monica und John sollen ja nicht auf uns warten müssen.“
    29. August 2013 13:15:23 CEST
    0
  • 958
    oooooooooooh, ich bin entzückt!!! =) Sooo schön!
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    30. August 2013 17:57:36 CEST
    0
  • Danke! =)
    Freut mich, dass es dir gefallen hat! ;)

    ****

    FBI-Hauptquartier,
    Washington D.C.
    10:04 Uhr

    Kersh war gerade auf dem Weg in das zerstörte Labor, als ihm Luke Sheffield entgegenkam.
    „Guten Morgen, Direktor Kersh“, begrüßte der ihn höflich.
    „Guten Morgen.“
    „Haben Sie gestern noch mit dem Krankenhaus gesprochen?“ fragte Luke nach. Die Sorge um Scully war ihm deutlich anzusehen.
    „Ja, das habe ich“, antwortete Kersh mürrisch. „Sie war nicht mehr dort. Anscheinend ging es ihr bereits gestern wieder so gut, dass sie aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.“
    Luke, dem der seltsame Tonfall des Direktors nicht aufgefallen war, reagierte erleichtert.
    „Was für ein Glück. Wissen Sie, wann sie wiederkommt?“
    „Nein. Dazu müsste ich erst einmal mit ihr sprechen. Doch ich kann sie auf ihrem Handy nicht erreichen.“
    „Ich habe leider die Nummer von Mr. Mulder nicht“, sagte Luke bedauernd. „Sonst könnten Sie es bei ihm versuchen.“ Dann kam ihm eine Idee. „Fragen Sie doch einfach bei Agent Reyes nach. Sie wird die Nummer sicherlich haben. Ich habe sie schon öfters mit Dr. Scully gesehen. Sie scheinen gut befreundet zu sein.“
    Kersh war für einen Moment sprachlos.
    Ungläubig, dass er nicht längst von alleine darauf gekommen war, schloss er kurz die Augen.
    Dann lachte er kaum merklich.
    „Natürlich…“, murmelte er kopfschüttelnd. „Agent Reyes und Agent Doggett.
    Wenige Minuten später stand er im Büro der X-Akten.
    Er konnte sich gar nicht mehr erinnern, wann er überhaupt das letzte Mal diesen Raum betreten hatte. Er wusste nur, dass es schon mehrere Jahre her war.
    Das Büro war verlassen.
    Langsam ging er auf den Schreibtisch zu, schob einzelne Unterlagen zur Seite, blätterte kurz zwei Akten durch und überflog die Fotos, die daneben lagen. Doch alles waren aktuelle Unterlagen zu Ermittlungsfällen. Fotos von Opfern, Tatorten und Spuren. Autopsieberichte, Zeugenaussagen und Ermittlungsberichte von Polizisten. Nichts, was ihm einen Hinweis darauf gegeben hätte, wo die beiden Agenten oder Scully und Mulder sich gerade aufhielten.
    Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich auf den Stuhl sinken und zog die Schubladen des Schreibtisches auf. In diesem Moment klingelte sein Handy.
    „Kersh“, meldete er sich.
    „Hier Carver.“
    „Gibt es irgendetwas Neues von dem Jungen?“ fragte Kersh geradeheraus.
    „Nein. Wir haben bisher weiterhin nur den Hinweis, dass er zu seinen vermeintlich richtigen Eltern wollte. Wobei das nur eine Vermutung ist, dass er wirklich nach Mulder und Scully sucht. Er kennt sie nicht. Allerdings… Die Personen, die sich am ehestens als diese ansehen, sind nun mal Mulder und Scully.“
    „Richtig. Aber wer weiß, was bei Niederman passiert ist. Vielleicht hat der Junge etwas von ihm aufgeschnappt und sich daraus etwas zusammengereimt. Kinder können viel Phantasie haben.“
    „Möglich. Gibt es bei Ihnen neue Erkenntnisse, Kersh?“
    „Nein, das Labor gleicht einem Trümmerfeld und Kline ist immer noch verschwunden. Außerdem gibt es weiterhin keinen Hinweis auf den Verbleib von Mulder und Scully. Nur die Information, dass er sie gestern spätabends aus dem Krankenhaus abgeholt hat.“
    „Ich hege langsam den Verdacht, dass wir die beiden unterschätzt haben.“
    „Ja, diese Befürchtung habe ich langsam auch. Ich sitze gerade im Büro von zwei Agenten, die Scully und Mulder wahrscheinlich behilflich sind – was immer sie auch vorhaben.“
    Carver schwieg einen Moment.
    „Das würde einiges erklären…“, seufzte er dann. „Wie sind die Namen.“
    „Monica Reyes und John Doggett“, antwortete Kersh, während sein suchender Blick weiterhin durch das Büro ging – bis er an Monicas Jacke hängenblieb, die am Garderobenständer hing. Langsam stand er auf.
    „Gut“, erwiderte Carver. „Jede Spur ist wichtig. Ich werde auch die beiden Agenten überwachen lassen.“
    „Machen Sie das.“ Kersh durchsuchte die Taschen von Monicas Jacke. In der ersten fand er nichts, doch als er in die zweite Seitentasche griff, stutzte er und zog ein zusammengefaltetes Papier hervor. „Wenn der Junge bei Scully gewesen sein sollte, muss sie ihn bei jemandem untergebracht haben“, mutmaßte Kersh. „Ich habe extra nachgefragt, doch im Krankenhaus war kein Junge bei ihr gewesen. Auch nicht bei Mulder, als er sie abgeholt hat.“ Kersh faltete den Prospekt auseinander, der ein kleines Super-8-Motel etwas außerhalb von Washington zeigte. Und in der Mitte war handschriftlich eine Zimmernummer notiert worden.
    „Gibt es sonst noch etwas?“ fragte Carver.
    Kersh starrte immer noch auf den Prospekt. Und während sich seine Lippen zu einem triumphierenden Grinsen formten, antwortete er:
    „Nein. Leider nicht.“
    31. August 2013 13:10:46 CEST
    0
  • 262
    Toll du fütterst uns weiter, und gleich wieder so spannend :-D
    1. September 2013 00:11:03 CEST
    0
  • Es geht ein ganzes Stück weiter!!! :D

    ****

    Potomac-Park,
    Washington D.C.
    10:50 Uhr

    Scully drehte sich um und sah Mulder nachdenklich an.
    Er war stehengeblieben, nachdem er den Park durch das Eingangstor betreten hatte.
    Sein Blick ging geradeaus – gedankenverloren betrachtete er den ihm so bekannten Park.
    Die Wege, die er so oft gegangen war.
    Und er wusste… nur wenige Meter entfernt, noch hinter mehreren Bäumen verborgen, befand sich der große rechteckig angelegt See mit dem so bekannten Obelisk.
    Seine Erinnerung ging kurz zurück zu einem Moment, in dem er hier auf einer Bank gesessen hatte - enttäuscht den Zeitungsartikel über das Hantavirus lesend.
    Damals war er fast soweit gewesen, alles hinzuschmeißen.
    Er hatte jeglichen Antrieb verloren gehabt.
    Zu groß waren damals seine Unzufriedenheit und seine Enttäuschung über die Entwicklung der Dinge gewesen.
    Doch Scully hatte ihm klargemacht, dass es wichtig war, dass sie weitermachten.
    Dass sie nicht aufgeben durften. Und natürlich hatte sie Recht gehabt.
    Scully griff nach seiner Hand.
    „Alles okay?“
    Mulder sah nun auf sie hinab und lächelte.
    „Ja. Alles okay.“
    Dann ging sein Blick an ihr vorbei auf den kleinen Jungen, der bereits einige Schritte vorausgelaufen war. William fühlte sich sichtlich wohl in seinen neuen Sachen – einer neuen Jeans, einem weißen T-Shirt und einer braunen dünnen Lederjacke.
    „Lass uns gehen“, sagte Scully leise und zog Mulder mit sich.
    Langsam liefen sie den Weg entlang.
    Als sie die Bäume, die den äußeren Bereich des Parks einrahmten, hinter sich gelassen hatten, kamen sie zu einer großen Wiese. William lief nun neben Mulder und hielt seine Hand. Es war nicht zu übersehen, dass der Junge die Nähe von Mulder und Scully suchte.
    „Wo ist Monica?“ fragte er und schaute zu seinen Eltern auf.
    „Wir treffen uns mit ihr etwas weiter hinten im Park. An der Seite des Sees“, erklärte Mulder. „Da gibt es Tische und Bänke.“ Er sah auf seine Uhr. „Vielleicht sind sie und John schon dort. Es ist kurz vor elf.“
    Sie kamen an einer Gruppe von mehreren Kindern vorbei, die mit ihren Müttern am See standen und die Enten fütterten.
    William war begeistert und lief dazu.
    Scully und Mulder blieben daraufhin stehen und schauten ihm nach.
    „Meinst du, wir können diesen Moment noch mal erleben, ohne dass wir von Kolonisten und dem Syndikat bedroht und gejagt werden?“ murmelte Scully leise, während sie sich an Mulder lehnte und William beobachtete – der hatte von einem Mädchen eine Handvoll Brotreste bekommen und verteilte diese nun nach und nach an die schnatternden Tiere.
    Mulder legte einen Arm um ihre Taille und zog sie an sich.
    „Ja“, sagte er entschlossen.
    Und als Scully spürte, wie er sie mit seiner anderen Hand ebenfalls umfasste, lächelte sie schwach.

    „Sie sehen glücklich aus“, bemerkte John leise. Er saß neben Monica an einem der Holztische direkt am See. Sie waren vor wenigen Minuten eingetroffen und hatten gesehen, wie Mulder, Scully und William zusammen den Weg entlanggekommen und bei den Kindern stehengeblieben waren.
    „Mmhh… ja. Das sind sie in diesem Moment sicherlich auch.“
    „Ein kurzer Moment, der sich ins Gegenteil wendet, wenn sie hier bei uns angekommen sind.“ Johns Stimme war äußerst nachdenklich und auch Monica schaute wie in Trance zu ihren Freunden.
    „Ich denke, das ist charakteristisch für ihr bisheriges Leben, John“, sagte sie dann nach einer Weile. „Nach dem, was Dana mir erzählt hat, gab es für sie bisher immer nur kurze Momente des Glücks.“
    „Immer auf der Jagd… immer auch der Flucht.“ John lehnte sich mit einem tiefen Seufzer zurück. „Und wenn wir ehrlich sind, haben wir bisher nicht die blasseste Ahnung, wie wir das Ganze aufhalten sollen.“
    Monica schwieg und dachte nach.
    „Wir sind aber schon ein ganzes Stück weiter als noch vor einigen Tagen“, sagte sie dann. „Du musst dir doch nur William ansehen. Er ist hier. Und die Informationen, die wir über die Maisfelder haben, sind auch nicht zu verachten.“
    John seufzte laut.
    „Ich kann deinen Optimismus leider nicht teilen, Monica. Dass William hier ist, ist natürlich für Dana und Mulder das Beste, was passieren konnte. Doch wir haben dadurch mindestens das komplette Syndikat im Nacken. Und das mit den Bienen und dem Mais… Es ist gut zu wissen, doch dagegen ausrichten können wir im Moment nichts, ohne unnötig Aufmerksamkeit zu erregen.“ Murmelnd fügte er noch hinzu: „Was zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich unser Todesurteil wäre.“
    Monica sah geradeaus und lies die Worte ihres Partners auf sich wirken.
    Natürlich hatte er zu einem gewissen Teil Recht.
    Es war für alle nun noch gefährlicher, seitdem William bei ihnen war.
    Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn aufspüren würden.
    „Was ist eigentlich mit der CD“, fragte sie dann, ohne weiter auf diese Problematik einzugehen.
    John hob daraufhin eine kleine Tasche auf den Tisch, zog den Reißverschluss auf und nahm einen kleinen Laptop heraus.
    „Keine Ahnung.“ Er schaltete ihn ein. „Ich habe noch nicht nachgesehen. Ich war der Meinung, wir sollten das zusammen tun.“
    Während sie warteten, dass der Computer hochfuhr, waren Mulder, Scully und William weitergelaufen. Nach wenigen Schritten erkannte William Monica und lief lachend auf sie zu.
    „Hallo William!“ rief sie bemüht fröhlich. Und als sie Williams prüfenden Blick bemerkte, meinte sie: „Das ist John, mein Partner. An ihn kannst du dich sicherlich auch noch erinnern, oder?“
    William nickte.
    Währendessen waren auch Mulder und Scully angekommen. Sie begrüßten Monica und John und setzten sich ihnen gegenüber auf die Holzbank.
    „Wie geht es dir?“ erkundigte sich Monica sofort bei Scully. „Wie steht es mit deinen Verletzungen?“
    „Schon viel besser. Nur noch kleine Schrammen, die schnell verheilen werden.“
    Monica lächelte.
    „Schön zu hören.“
    „Ich habe die CD dabei“, bemerkte John, während er die CD ins Laufwerk schob und versuchte, diese zu starten.
    Mulder betrachtete sofort interessiert den noch schwarzen Bildschirm.
    „Dann lass mal sehen.“
    William stand direkt neben ihm. Sein Blick ging zunächst etwas ratlos auf den Laptop, dann abwartend und gespannt auf Mulder.
    Monica beobachtete ihn mit einem leichten Schmunzeln – wie er mit seinen großen blauen Augen Mulder ansah. Er war wirklich ein niedlicher Junge und er himmelte seinen Vater regelrecht an.
    Aber auch Scully war dieses Bild natürlich nicht entgangen. Und das liebevolle Lächeln auf ihren Lippen zeigte Monica überdeutlich, wie tief die Bindung zwischen den Dreien bereits nach den wenigen Stunden war, die sie bisher miteinander hatten verbringen dürfen.
    In diesem Moment bemerkte auch Mulder, dass William ihn ansah. Er deutete lachend neben sich und William setzte sich fröhlich strahlend auf die Bank.
    „Was macht ihr?“
    „Wir müssen uns einige Informationen anschauen“, erklärte Mulder, während John erneut vergebens versuchte, den Inhalt der CD zu öffnen.
    „Passwort?“ fragte er hilflos.
    „Passwort?“ kam es von Monica und Scully gleichzeitig und auch Mulder runzelte die Stirn.
    „Was für ein Passwort?“
    „Keine Ahnung. Es sperrt nur den kompletten Inhalt der CD.“ Wahllos tippte John ein paar Begriffe ein - von *Kolonisation* über *2012* bis hin zu *Heavenhorst*, doch es war immer das Gleiche.
    Falsches Passwort – kein Zugriff.
    „Ohne das Passwort können wir das vergessen“, stöhnte Mulder und stützte verzweifelt den Kopf in seine Hände.
    Neobiota ist auch ein Passwort“, sagte William plötzlich leise in die ratlos schweigende Runde und alle starrten ihn irritiert an. Besonders Scully.
    „WAS?!“ rief sie schockiert. „Woher kennst du dieses Wort?“
    „Ich…Das…“ William sah unsicher zwischen den bestürzten, aber auch ratlosen Gesichtern der Erwachsenen hin und her. Doch anstatt zu antworten, stand er auf und rannte davon, Richtung See.
    „William!“ riefen Mulder und Scully gleichzeitig und Mulder stand sofort auf, um ihm zu folgen.
    „Was hat er denn?“ fragte Monica, während Mulder langsam auf William zuging, der am See stehengeblieben war und auf die Enten starrte.
    „Ich weiß nicht…“, seufzte Scully.
    „Was bedeutet Neobiota?“
    Scullys Blick war immer noch auf Mulder gerichtet, der nun neben William in die Hocke gegangen war und behutsam auf ihn einsprach.
    Neobiota... ist ein sehr selten verwendeter Begriff“, begann sie. „Ich selbst habe diesen Begriff noch nicht oft gehört. Doch wenn William ihn kennt…“ Für einen Moment kniff sie ihre Lippen aufeinander, dann wandte sie ihren Blick von Mulder und ihrem Sohn ab. „Neobiota kommt hauptsächlich im deutschsprachigen Raum vor und bezeichnet eine Art, die durch menschliches Zutun Einzug in ein Gebiet erhält. Normalerweise handelt es sich um Fälle, wie eine durch ein Schiff eingeführte Maus oder ein durch den Postweg eingeschleppter Pilz.“ Scullys Augen waren sehr ernst. „Bei uns bezeichnet man diese eingeschleppten Arten aber mit einem anderen Begriff. Nämlich Invasive Species oder…“ Sie seufzte. „Alien Species.“
    Monica und John sahen sich erschrocken an.
    Alien Species?“
    Scully nickte, dann sah sie wieder zu Mulder, der William anscheinend wieder beruhigt hatte. Denn der Junge lachte, während Mulder ihm, ebenfalls lachend, durch die Haare fuhr. Dann nahm er seine Hand und gemeinsam kamen sie wieder zurück.
    Scully lächelte, doch ihre folgenden Worte waren todernst.
    „Das zugehörige Teilgebiet der Biologie ist die Invasionsbiologie. Und den Vorgang der Einschleppung, Etablierung und Ausbreitung dieser Art im neuen Gebiet bezeichnet man als biologische Invasion.“
    Einen Moment herrschte geschocktes Schweigen.
    Dann schüttelte John den Kopf und murmelte:
    „Das ist erschreckend.“
    Während er langsam den Laptop zu sich zog und Buchstabe für Buchstabe den Begriff *Neobiota* eingab, setzten sich Mulder und William wieder auf die Bank. Doch diesmal rutschte William zwischen Mulder und Scully, die sogleich ihren Arm um ihn legte und ihn besorgt ansah.
    „Alles wieder okay?“
    „Mmh…“ Er nickte.
    „Passt“, sagte John nur und drehte den Laptop wieder rum, sodass alle auf den Bildschirm sehen konnten, während Scully Mulder kurz erklärte, was sich hinter dem Begriff verbarg.
    Es hatte sich ein extra Fenster geöffnet, in dem die Dateien aufgelistet waren, die auf der CD enthalten waren. Mulder und John wechselten einen kurzen Blick. Beiden war das hellgraue Zeichen aufgefallen, das im Hintergrund zu sehen war.
    Das Logo des Waisenhauses Heavenhorst.
    „Neobiota… Das ist es. Ein Wort für alles, was uns bevorsteht“, murmelte Monica. John klickte auf den einzigen Ordner. Es erschienen nur drei Dateien.
    Mulder schluckte. Wenn er das, was er gerade von Scully gehört hatte, mit dem Waisenhaus und – noch schlimmer – mit den Kindern dort in Verbindung brachte…
    Einerseits wollte er den Gedanken nicht zulassen.
    Doch andererseits… was gab es für eine andere Erklärung?
    Die Einführung einer neuer Art – die Alien-Mensch-Hybride - die Kinder.
    Er blickte neben sich auf William.
    Langsam schüttelte er den Kopf und schloss die Augen.
    William war kein Kind aus Heavenhorst, auch wenn er ab und zu dort gewesen war.
    Plötzlich hörte er Stimmen. Die Kinder und deren Mütter waren näher gekommen und nun erneut stehengeblieben, um die Enten zu füttern.
    „William“, sagte Mulder mit einem liebevollen Lächeln auf seinen Sohn. „Möchtest du nicht noch mal zu den Kindern gehen? Sie geben dir bestimmt auch noch mal Brot, damit du die Enten füttern kannst.“
    William nickte fröhlich, stieg über die Bank und rannte zu dem Mädchen, das ihm vorher schon die Brotkrumen gegeben hatte.
    „Ich denke, William braucht nicht zu hören, was wir hier finden“, wandte sich Mulder an Scully.
    Doch John schaute ernst.
    „Aber irgendwann werden wir ihn fragen müssen. Wir müssen wissen, warum er in dem Waisenhaus war. Was er dort gemacht hat. Oder was die mit ihm dort gemacht haben.“
    „Aber nicht jetzt“, sagte Mulder entschieden. „Das Passwort hat er übrigens des Öfteren bei Telefonaten von diesem Jacob aufgeschnappt. Um was es allerdings ging, konnte William mir nicht sagen.“ Dann deutete er auf den Laptop. „Was haben wir?“
    „Es scheinen Videodateien zu sein“, sagte Monica.
    John wählte die erste Datei – eine Videodatei mit dem Namen Neo-1.
    „Ich fange einfach von oben an.“
    Für einen kurzen Moment war der Bildschirm schwarz, doch dann baute sich ein Bild auf. Im Vordergrund war ein Mann zu sehen. Er trug einen weißen Laborkittel und Einweghandschuhe.
    „Das ist Dr. Holstein“, erklärte Mulder. „Der Leiter des Waisenhauses. Ich habe ein Bild von ihm auf der Internetseite des Waisenhauses gesehen.“
    „Dr. Holstein?“ rief Monica erschrocken.
    Mulder, Scully und auch John, der daraufhin das Video stoppte, sahen sie aufgrund ihrer heftigen Reaktion überrascht an.
    „Du kennst den Namen?“
    „Ja… Ich… Wir wissen ja, dass William im Waisenhaus war“, seufzte Monica. „Und als er bei Skinner im Büro war, erwähnte er, dass ein Dr. Holstein Untersuchungen an ihm durchgeführt hat.“ Sie zögerte kurz, bevor sie weitersprach. „Und einige schienen sehr schmerzhaft gewesen zu sein…“
    Scully schloss traurig die Augen, dann nickte sie.
    „Ja. Skinner hat es kurz erwähnt.“
    „Wir müssen unbedingt mit William über alles reden“, wiederholte John nun noch eindringlicher seine Worte. „Er kann uns möglicherweise wertvolle Informationen liefern.“
    Mulders Blick war starr auf den Bildschirm gerichtet.
    „Na gut…“, gab er notgedrungen nach. „Doch wir schauen uns zunächst an, was auf dieser CD ist. Danach können wir ihn immer noch fragen.“
    John nickte.
    „Okay.“ Dann ließ er das Video weiterlaufen.
    3. September 2013 13:39:54 CEST
    0
  • Es war deutlich zu erkennen, dass sich Dr. Holstein in einem Labor befand. Denn im Hintergrund befanden sich Labortische, Vitrinen mit leeren und gefüllten Glasgefäßen und diverse Apparaturen. Monica beugte sich näher an den Bildschirm heran. „Was tut er?“ Dr. Holstein hatte auf dem Tisch neben sich einen größeren, runden Behälter stehen. Diesem wandte er sich nun zu. Er klappte vorsichtig die vier Verschlüsse um, die den Deckel festgepresst hatten. Ein leises Zischen war zu hören, begleitet von einer schwachen hellen Dampfwolke, die aus dem Schlitz hinaufstieg. Scully runzelte die Stirn. „Das sieht wie ein Kühlbehälter aus.“ Vorsichtig griff Dr. Holstein den Deckel und hob ihn sehr behutsam hoch. Offensichtlich wollte er jegliche unnötige Erschütterung vermeiden. Und sofort wurde auch klar warum. Denn am Deckel war eine Halterung angebracht, in der sich - im Kreis angeordnet - mehrere Reagenzgläser befanden. Eines davon entnahm er, versenkte die Halterung wieder in der kalten Atmosphäre und verschloss den Deckel. Dann lief er ein paar Schritte weiter, während ihm die Kamera wie von Geisterhand folgte. Bei einem Mikroskop blieb er stehen, öffnete vorsichtig das Reagenzglas, nahm eine feine Pipette und fuhr in das Glas. „Gleich werden wir sehen, was er in dem Glas hat“, mutmaßte John. Denn auch ihm war der an das Mikroskop angeschlossene Monitor nicht entgangen, der gleich das Bild unter mehrfacher Vergrößerung darstellen würde. „Ich glaube, da gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten“, sagte Mulder tonlos. Und wie um Mulders Ahnung zu bestätigen, sprach nun Dr. Holstein das erste Mal in die Kamera. Und alle konnten genau das auf dem angeschlossenen Vergrößerungsmonitor verfolgen. „Lass mich bitte mal sehen“, sagte Scully und zog den Laptop näher zu sich, sodass sie das Bild genauer begutachten konnte. „Was ist?“ fragte Mulder, doch sie antwortete nicht. „Fünfte Population der Beta-Generation?“ wiederholte Monica irritiert. „Was soll denn das bedeuten?“ „Das klingt danach, dass hier sehr systematisch vorgegangen wird und… dass es bereits sehr Viele gibt“, meinte Mulder. „Diese Zellstruktur“, sagte Scully nachdenklich und deutete auf das Innere der Eizelle. „Seht ihr diese dunklen, fast schwarzen schmalen Bereiche? Das ist nicht normal.“ In diesem Moment zog Dr. Holstein die feine Kanüle, mit der er zuvor die dünne Zellwand durchstoßen hatte, wieder heraus. Der Vorgang war abgeschlossen und er war sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis. „Was meint er mit *Beobachten der Zellteilung*?“ wunderte sich Scully. Doch ihre Frage wurde sogleich beantwortet. „Oh mein Gott“, stieß sie hervor. Und alle schauten gebannt auf den Monitor auf dem man nun deutlich sehen konnte, wie sich die Eizelle zu teilen begann. „Das ist nicht möglich.“ Scully war der Schock deutlich anzusehen. „Das ist ein Vorgang, der normalerweise Stunden dauert.“ Dr. Holstein war für einen kurzen Moment aus dem Bild verschwunden gewesen. Nun war er wieder zurück und hielt erneut ein Reagenzglas in der Hand – diesmal allerdings zur Hälfte gefüllt mit einer pechschwarzen Flüssigkeit. Während sich die Eizelle stetig weiterteilte, gab Dr. Holstein mit Hilfe einer Pipette eine winzige Menge des Virus zu der Zelle in die Schale. Um die Behauptung Dr. Holsteins zu bekräftigen, zoomte die Kamera nun auf den Monitor, wo man deutlich die schwarze Flüssigkeit – das Alienvirus – neben dem bereits entstandenen Zellhaufen erkennen konnte. Und nichts passierte. Dann war das Video aus. Keiner sagte ein Wort. Jeder musste das, was er gerade gesehen hatte, erst einmal verdauen. Denn nun hatten sie den schrecklichen Beweis, dass ihre Theorie stimmte – sogar Scullys Vermutung über den Einsatz des Magnetits zur schnelleren Vermehrung der Zellen. John lehnte sich mit verschränkten Armen an die Bank zurück, Mulder rieb sich über die Augen, Monica schaute unsicher zu ihrem Partner und Scully starrte in Gedanken geradeaus. Sie fand als Erste wieder Worte. „Die Hybride… Die haben sie perfektioniert. Sie sind wirklich vollkommen immun gegen das Virus.“ „Die Wesen, die die Invasion überleben werden“, bemerkte John. „Wer weiß, wie viele es bereits davon gibt!“ „Fünfte Population der Beta-Generation“, sagte Monica nur knapp. „Soll ich das nächste Video starten?“ fragte John und obwohl keiner der drei es sehen wollte, kamen sie nicht drum herum. Denn dass sich hinter der Datei Neo-2 nichts Gutes verbarg, ahnte jeder. John klickte die Datei an und sofort erschien wieder Dr. Holstein. Diesmal allerdings nicht in einem Labor, sondern in einem abgedunkelten Raum. Er stand neben einer Lampe, sodass man nicht sehen konnte, was sich hinter ihm befand. , sprach Dr. Holstein direkt in die Kamera. Dr. Holstein betätigte einen Lichtschalter und sofort wurde der Raum hinter ihm mit dunkelgelben, schwachen Licht erhellt. Nicht viel, doch ausreichend, um etwas zu erkennen. „Stopp“, sagte Mulder. „Halt mal an.“ John drückte auf die Pause-Taste und Mulder beugte sich näher an den Bildschirm. „Seht ihr das im Hintergrund?“ Er deutete auf etwas, das dunkelgrün schillerte. „Es scheint Glas zu sein“, sagte Monica. „Entweder das“, nickte Mulder. „Oder Eis… Es sieht aus wie die Kapsel, aus der ich damals Scully rausgeholt habe.“ Er runzelte die Stirn. „Nur um einiges kleiner.“ „Ich lass weiterlaufen“, sagte John und nun sahen alle, wie Dr. Holstein sich von der Kamera abwandte und in einen breiten Gang hineinlief, der zu beiden Seiten von dunkelgrünen, massiven Gebilden gesäumt war. „Sind das…“ Scully verstummte, denn in diesem Moment blieb Dr. Holstein stehen und die Kamera ging näher an eine der Kapseln heran. Sie war ungefähr einen Meter hoch und einen halben Meter breit. Und nun war deutlich zu erkennen, dass es kein Eis, sondern Glas war. Doch das waren nur nebensächliche Dinge - im Gegensatz zu dem, was man im Inneren erahnen konnte. Das Grauen war jedem deutlich ins Gesicht geschrieben. „Das ist ein Kind“, stöhnte Scully. „Ein Baby!“ Plötzlich gab es in dem Film einen Schnitt. Man konnte nun einen anderen Raum sehen, in dem Dr. Holstein, von drei weiteren Männern in weißen Kitteln und Mundschutz umringt, an einem großen Metalltisch stand. Daneben befand sich ein Wagen, auf dem einer der grünen Behälter befestigt war. Einer der Männer hatte diesen geöffnet und einen Schlauch hineingesteckt, über den nun eine grünlich-weiße Flüssigkeit abgepumpt wurde. Dann griff der zweite Mann mit seinen durch Einweghandschuhe geschützten Händen in die Öffnung und hob vorsichtig etwas heraus. Der dritte Mann hielt bereits ein Handtuch bereit. Scully, Monica, Mulder und John verfolgten mit Schrecken, was sich abspielte. Das kleine zerbrechliche Wesen wurde in das Handtuch gewickelt und vor Dr. Holstein auf den Tisch gelegt. , lächelte dieser, während er das Handtuch aufklappte. Vor ihm lag ein kleiner Säugling - ein Mädchen, das mit wachsamen Augen um sich blickte. „Das ist nicht möglich“, flüsterte Scully und fuhr sich durch die Haare. , sagte Dr. Holstein zufrieden in die Kamera. „Was hat er da?“ Scully, aber auch die anderen hatten es gesehen. Auf dem Tisch neben dem Baby lag eine Spritze - gefüllt mit einer schwarzen Flüssigkeit. „Das Virus“, sagte Mulder. Und in diesem Moment griff Dr. Holstein nach der Spritze. „Er wird doch jetzt nicht etwa…“ Monica riss entsetzt ihre Augen auf - doch musste mit ansehen, wie Dr. Holstein ohne Rücksicht die Nadel in den Bauch des kleinen Mädchens stach, das sofort voller Schmerz zu weinen und zu schreien begann. Während Dr. Holstein ohne Erbarmen oder Mitleid dem Baby den kompletten Inhalt injizierte, wandte sich Scully gequält ab. Das Geschrei des Kindes war kaum zu ertragen. Keiner konnte die Qualen mit ansehen, die das Kind durchlebte, während das Virus versuchte, sich des kleinen Körpers zu bemächtigen. Scullys und Mulders Blicke trafen sich. Einer erschrockener und fassungsloser als der andere. Doch plötzlich verstummte das Weinen. „Seht“, sagte Monica und beide schauten wieder auf den Bildschirm. Das Kind war still, schaute wieder interessiert und neugierig, während Dr. Holstein triumphierend auf es hinabblickte. Der Bildschirm wurde schwarz. Stille. Ganz langsam lehnte sich Mulder an die Bank zurück und verschränkte die Arme. Gedankenverloren beobachtete er William, der immer noch bei dem Kindern am See stand. Der Junge schien viel Spaß zu haben, denn er lachte unbeschwert. Vorsichtig näherte er sich den Tieren und lockte sie mit einem Stückchen Brot an. Doch dann schnappte die Ente schnell zu, klaute sich das Brot und rannte zurück ins Wasser. Und Mulder musste trotz allem, was er vor wenigen Minuten hatte mit ansehen müssen, lächeln. William zuzuschauen vertrieb für einen Moment die schrecklichen Bilder. Doch lange war ihm die Flucht vor der Realität nicht vergönnt. „Mulder?“ Langsam blickter er zu John. „Ja?“ „Die Kinder im Waisenhaus, denen wir begegnet sind. Die Gruppe der Kleinsten von Abigail Connor…“ „Das ist die Beta-Generation, oder?“ vermutete Monica. Mulder nickte. „Ja. Eine andere Erklärung gibt es nicht.“ „Dann sind wirklich alle Kinder in dem Waisenhaus Alien-Mensch-Hybride.“ Monica klang, als könne sie es immer noch nicht ganz glauben. „Wir haben keine Ahnung, was für ein Ausmaß das Ganze hat“, sagte Scully. „Die Kinder dort werden älter und wer weiß, wie viele dieser Geschöpfe bereits in dem Waisenhaus aufgewachsen sind und nun unter uns leben.“ „Und wer sagt, dass es nicht noch mehr Waisenhäuser dieser Art gibt“, bemerkte John. „Es gibt außerdem noch eine dritte Videodatei. Allerdings scheint eine dazwischen zu fehlen, denn diese heißt *Neo-4*.“ Und nachdem keiner etwas dagegen sagte, klickte er diese an und sofort sah er einen Raum, der ihm und auch Mulder noch gut in Erinnerung war. Es war der Gruppenraum der kleinsten Kinder im Waisenhaus Heavenhorst – was ihre Vermutung von eben bestätigte. Und wieder war Dr. Holstein zu sehen, der in die Kamera sprach. Die Kamera schwenkte langsam durch den Raum, erfasste spielende Kinder von zwei bis fünf Jahren. Dann gab es plötzlich einen Schnitt und ein etwas jüngerer Dr. Holstein stand neben einem jungen Mann. Er klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. „Das ist Louis Thomson“, rief Mulder. „Der Chef einer Firma für Gesteinsmahlanlagen. Ich habe sein Bild auf der Seite seiner Firma gesehen.“ , erklang die Stimme von Dr. Holstein im Hintergrund. <…nehmen die Alien-Mensch-Hybride ihren Platz in der Gesellschaft ein. Sie besetzen die für das Projekt Neobiota wichtigen und notwendigen Posten und lenken das Geschehen, wie es der große Plan vorsieht.> Dann war der Film zu Ende. „Ich würde sagen, unsere schlimmsten Befürchtungen sind gerade bestätigt worden“, sagte Mulder leise und sah von Scully auf John und Monica. „Die strategische Platzierung der Bienen und Maisfelder auf der ganzen Welt, um die Infektion der kompletten Menschheit mit einem Schlag einzuleiten. Die ebenso strategische Positionierung und Besetzung wichtiger Posten und Infiltrierung maßgeblicher Ämter. Sie bereiten alles vor, sodass nach der Infizierung alles ohne Probleme weiterlaufen kann. Wer kann mit Sicherheit sagen, wer noch ein richtiger Mensch ist?“ Scully nickte. „Das FBI, die Regierung. Kline war das beste Beispiel dafür.“ „Eines gibt mir allerdings ein Rätsel auf“, sagte John und stützte sich auf den Tisch. „Warum die Bezeichnung *Beta-Generation*?" „Was meinst du?“ fragte Scully. „Na, Beta bezeichnet doch eher etwas, das an zweiter Stelle kommt, oder? Wenn es eine Beta-Generation gibt, muss es dann nicht auch eine Alpha-Generation geben? Und wenn ja, worin unterscheiden sie sich, wenn die Beta-Generation laut Dr. Holstein schon perfekt und immun ist?“ Nachdenkliches Schweigen folgte. Das allerdings gleich darauf von lautem Lachen und Rufen unterbrochen wurde. Die Kinder liefen mit ihren Müttern weiter und verabschiedeten sich von William. Sie winkten ihm zu, während er am Wasser zurückblieb und ihnen nachschaute, wie sie noch ein kurzes Stück am See entlangliefen, dann die Richtung änderten und auf einen Weg abbogen, der zu einem der Ausgänge des Parks führte. Während sich Mulder und Monica wieder Johns Frage widmeten, betrachtete Scully weiterhin ihren Sohn, der in die Hocke gegangen war und kleine Steine aus dem Wasser herausfischte. Als sie sich auch wieder den anderen zuwenden wollte, ging ihr Blick zufällig an William vorbei - über das Wasser, auf die gegenüberliegende Seite des Sees. Und traf dort auf einen Mann, der teilnahmslos vor sich in das Wasser zu starren schien.
    3. September 2013 13:40:30 CEST
    0
  • Ich kann mich immer nur wiederholen....... EINFACH SUPER DEINE FF.................. Bitte mach ganz schnell weiter :-) nichgenugkriegenkann......... :D
    5. September 2013 13:49:43 CEST
    0
  • Geht schon weiter!! :D

    ****

    Ganz instinktiv fühlte Scully Unbehagen.
    Der Mann bewegte sich zwar nicht und schien tief in Gedanken zu sein. Allerdings war er – mit dem tiefschwarzen Anzug, ebenso schwarzer Krawatte, weißem Hemd und dunkler Sonnenbrille - für ihr Empfinden etwas zu auffällig gekleidet.
    „Mulder…“, sagte sie leise und berührte ihn leicht am Arm.
    Mulder sah sie überrascht an. Er hatte den beunruhigten Unterton in ihrer Stimme natürlich sofort gehört.
    „Was ist?“
    „Da ist ein Mann.“ Scully deutete mit einer leichten Kopfbewegung Richtung See. Mulder, aber auch John und Monica folgten ihrem Blick und sahen den Unbekannten.
    „Beobachtet er uns?“
    „Sieht nicht so aus“, meinte Mulder. „Er scheint mehr am Grund des Sees interessiert zu sein, als an dem, was um ihn herum passiert. Außerdem ist uns niemand gefolgt. Und dass Monica und John bei uns sind, weiß auch niemand. Keiner ahnt auch nur, dass wir hier sind.“
    „Meinst du?“ Scully schien nicht überzeugt und behielt als einzige den Mann im Auge, während Mulder, John und Monica diverse Möglichkeiten diskutierten, was es mit der Bezeichnung Beta-Generation auf sich haben könnte.
    Nach einigen Minuten wollte sich Scully den anderen anschließen, doch in diesem Moment bemerkte sie, dass der Mann nicht mehr das Wasser anschaute, sondern langsam ein paar Schritte weiterlief. Aber nicht von ihnen weg, sondern den Weg entlang, der an die schmale Seite des Sees führte - von wo aus er dann auf ihre Seite wechseln konnte.
    Das war für Scully zu viel.
    Ohne etwas zu sagen stand sie auf.
    „Scully?“ Mulder schaute ihr hinterher, wie sie zu William lief - der, als er sie kommen hörte, fröhlich lächelnd zu ihr aufsah.
    „William“, sagte Scully möglichst ruhig und legte einen Arm um ihn.
    „Mum! Schau dir die Steine an, die ich gefunden habe“, sagte er stolz und hielt Scully einen großen, weiß-grauen Stein entgegen.
    „Sehr schön“, lächelte Scully. „Doch ich möchte, dass du jetzt zu uns kommst. Die Steine lass bitte hier. Die müssen hier am See bleiben.“
    „Aber…“ William schaute verständnislos.
    „Bitte William“, sagte Scully, nahm ihm den Stein aus der Hand und legte ihn wieder ins Wasser. Dann stand sie auf, griff seine Hand und zog ihn hoch. William murrte zwar etwas, doch tat, was sie ihm sagte.
    Währenddessen schaute Scully kurz zu dem Mann rüber – und ihre Blicke trafen sich.
    Obwohl er eine Sonnenbrille trug, spürte Scully es.
    Einen Sekundenbruchteil standen beide wie versteinert da und starrten sich an.
    Scully erkannte sofort, dass ihre Befürchtung berechtigt gewesen war. Dass dieser Mann wegen ihnen hier war – und – wegen William! Und der Mann realisierte natürlich ebenso, dass er erkannt worden war. Seine steinerne Miene verfinsterte sich und er rannte los.
    Sofort riss Scully William mit sich.
    „MULDER!“ rief sie verzweifelt, während sie William hinter sich herzog.
    Mulder fuhr erschrocken herum.
    Er sah den Unbekannten, wie er mit eiligen Schritten um den See herumkam – direkt auf Scully und William zu.
    Alarmiert sprang er auf, rannte den kleinen Abhang hinunter - Scully entgegen - und hob William hoch. Der legte sofort haltsuchend die Arme um Mulders Hals.
    Bestürzt schaute sich Scully nach dem Mann um, der immer näher kam.
    „Bring William hier weg! SCHNELL!!“ rief sie eindringlich.
    Während Mulder ohne zu Zögern mit William losrannte, lief Scully zu Monica und John, die bereits alles eingepackt hatten.
    Gemeinsam folgten sie Mulder, der schon einen kleinen Vorsprung rausgeholt hatte. Sie hasteten den Weg entlang, den sie vorher gekommen waren. Scully sah sich immer wieder um. Der Fremde war ihnen dicht auf den Fersen und kam unverkennbar näher.
    „Er holt auf!“ rief sie gehetzt.
    Mittlerweile hatten sie den See hinter sich gelassen und gelangten nun an das großflächige Wiesenstück.
    Scully sah, wie Mulder einige Meter vor ihr um die nächste Ecke bog und fast mit einer joggenden Frau zusammenstieß. Die wirbelte herum und rief ihm verärgert diverse Schimpfwörter hinterher.
    Nur wenige Sekunden später erreichte Scully die Stelle – obwohl Mulder William trug, konnte sie mit ihm nicht mithalten. Sein Vorsprung vergrößerte sich. Doch genau das spornte sie an, ihre ganzen Kraftreserven zu mobilisieren. Sie hörte die Schritte von Monica und John direkt hinter sich. Sie riefen sich etwas zu.
    Plötzlich sah sie aus dem Augenwinkel einen zweiten Mann – ebenfalls in einem schwarzen Anzug – der aus einem seitlichen, schmäleren Weg auf sie zusteuerte.
    „ACHTUNG!“ keuchte Scully. Ihr ging langsam die Puste aus. Doch sie durfte auf keinen Fall stehenbleiben. Verbissen rannte sie weiter und als sie um die nächste Ecke bog, sah sie einige Meter vor sich – der Weg zog sich noch ein ganzes Stück in die länge – Mulder mit William stehen. Anscheinend hatte er kurz gewartet, da sie so weit zurückgefallen waren. William hatte vor Angst weit aufgerissene Augen und reagierte erleichtert, als er Scully sah. Doch als sie um die Ecke kam, kamen natürlich auch sofort John und Monica - und nur noch wenige Meter dahinter die beiden Verfolger.
    Scully drehte sich um - John und Monica konnten dadurch zu ihr aufschließen.
    Mit Schrecken sah sie nun beide Männer, die sie verfolgten – und wie einer beim Rennen eine Waffe zog.
    „John! Monica! Er hat eine Waffe!“
    Der Mann hatte Mulder mit William entdeckt und richtete nun willkürlich seine Waffe auf Monica.
    „STEHENBLEIBEN!“ befahl er schneidend.
    In diesem Moment fuhr John herum. Er hatte ebenfalls seine Waffe gezogen und feuerte sie nun ohne zu Zögern ab. Er traf den Mann in die Schulter, der durch die Wucht des Kugeleinschlags nach hinten geworfen wurde.
    „MULDER, LAAAUF!“ schrie Scully. Mulder zögerte nur eine Millisekunde, dann rannte er weiter - Richtung Ausgang, wo sie ihren Wagen geparkt hatten.
    Der zweite Mann war neben seinem verletzten Kollegen, der sich mühsam wieder aufrappelte, stehengeblieben. Monica nutzte diese Gelegenheit, um ebenfalls ihre Waffe zu ziehen.
    „Keinen Schritt weiter“, befahl sie drohend, während John, mit seiner Waffe im Anschlag, sich neben seine Partnerin stellte.
    „Wir sollten sie fragen, wer sie geschickt hat.“ John reichte Scully, die keine Waffe hatte, den Laptop. Doch bevor Monica ihre Frage an die beiden Verfolger stellen konnte, machte Scully eine schockierende Beobachtung. Die Kugel hatte den Mann nicht in die Schulter getroffen, sondern direkt in die Brust! Am Anfang hatte man es durch den dunklen Anzug nicht sehen können - mittlerweile wurde der dunkelrote Fleck auf dem weißen Hemd aber immer größer. Trotzdem verzog der Mann keine Miene. Und in diesem Moment setzten sich die beiden Männer wieder in Bewegung und kamen bedrohlich auf sie zu.
    „Stehenbleiben!“ rief Monica noch, doch Scully ging panisch dazwischen.
    „Wir müssen hier weg! Es sind Hybride!“
    Monica begriff sofort und starrte einen Moment erschrocken die beiden Männer an. Sie feuerte einen weiteren Schuss ab und traf einen der Angreifer direkt in den Bauch. Doch auch diesmal zeigte der Einschuss keinerlei Wirkung. Der Mann schien ihn nicht einmal gespürt zu haben.
    „LAUFT!“ schrie Scully und rannte los. Sie sah nur dass John und Monica ihr folgten, doch die Männer setzten ihnen ebenso schnell nach.
    Plötzlich erfüllte ein ohrenbetäubender Knall die Luft – dicht gefolgt von einem lauten Schrei.

    Mulder wirbelte herum. Seine Hand lag schützend auf Williams Haaren, der den Kopf auf seine Schulter gelegt hatte.
    Der Knall war eindeutig ein Schuss gewesen, allerdings ungewöhnlich laut. Der Schrei war wieder verstummt und es herrschte nun eine fast gespenstische Ruhe.
    William hob seinen Kopf und schaute wie Mulder durch das Tor in den Park hinein. Doch da der Weg auf den letzten Metern eine starke Kurve machte, konnte Mulder niemanden sehen.
    „Mum?“ flüsterte William.
    Mulder sah ihn an und bemerkte die vielen Tränen, die an seinen Wangen hinabliefen.
    „Keine Angst.“ Vorsichtig wischte er ihm über die Augen. „Alles ist gut. Sie kommt gleich.“
    Doch in diesem Moment ertönte ein zweiter lauter Schuss und William zuckte zusammen. Voller Angst presste er die Hände auf seine Ohren und begann nun bitterlich zu weinen. Mulder erkannte sofort, dass der Junge unter Schock stand. Außerdem wusste er, dass er nicht warten durfte, wenn er William in Sicherheit bringen wollte. Und er wusste auch, dass Scully ihm das Gleiche sagen würde. Dass er nicht auf sie warten sollte.
    Deshalb holte er den Wagenschlüssel aus seiner Tasche, öffnete die Tür und setzte William auf die Beifahrerseite.
    Als Mulder ihn losließ, wachte William aus seinem Schockzustand auf - was es allerdings nicht besser machte, denn er realisierte sofort, was Mulder vorhatte… und dass Scully nicht da war.
    „MUM!“ weinte er laut und versuchte wieder auszusteigen. „Wo ist sie?! Wir müssen sie suchen!“
    „William“, sagte Mulder eindringlich. „Wir müssen hier weg. Deiner Mum geht es gut.“
    „NEIN!“ William wand sich auf dem Sitz und versuchte, aus dem Wagen zu entkommen.
    „William, bitte.“
    „NEEEIIINN!!“ William schrie mit all der Kraft, die er in diesem Moment durch seine Angst und Verzweiflung aufbringen konnte und Mulder konnte ihn kaum auf dem Sitz halten. Die Tränen rannen dem Jungen nur so über das Gesicht und er hatte die Augen trotzig und völlig panisch zugekniffen. „MUUUUUMMMMM!!!!“
    „WILLIAM!!“ Mulder packte ihn bei den Schultern und hielt ihn fest. Erschrocken riss der Junge seine blauen Augen auf und starrte seinen Vater an. „Beruhige dich.“ Mulder begegnete seinem verängstigten Blick mit ernster Entschlossenheit. Doch die blauen Augen, die ihn in diesem Moment so an Scully erinnerten, ließen ihn tief durchatmen und ein schwaches Lächeln auf seinen Lippen entstehen.
    Einen Moment sahen sich Vater und Sohn schweigend an. Dann begann William wieder zu weinen und legte seine Arme um Mulders Hals.
    „Daddy…“, schluchzte er.
    Mulder drückte ihn tröstend an sich. Doch er wusste, dass sie eigentlich keine Zeit mehr hatten. Sie mussten unbedingt weg von hier. Wenn die Männer es irgendwie an Monica, John und Scully vorbeigeschafft hatten, wären sie in den nächsten Sekunden bei ihnen. Und dann wäre alles vorbei.
    „William, hör mir zu.“ Nun klang Mulder wieder ernst. „Wir müssen hier weg. Die Männer jagen uns!“
    „Sind das wieder die bösen Männer, von denen Monica erzählt hat?“ kam es von William zögernd und Mulder hielt kurz die Luft an.
    Was hatte sie ihm alles erzählt?
    „Äh… ja. Deshalb müssen wir uns in Sicherheit bringen. Aber keine Angst. Ich werde dich beschützen.“
    Da William sich nun anscheinend wieder beruhigt hatte, schloss Mulder die Beifahrertür und lief um den Wagen. Bevor er sich hinter das Steuer setzte, warf er einen kurzen Blick in den Park, doch weder von Scully, Monica oder John, noch von den beiden Männern war etwas zu sehen. Schnell schloss er die Tür.
    „Es ist alles meine Schuld. Sie sind nur hinter mir her, oder?“
    Mulder wollte gerade den Schlüssel umdrehen, als er durch Williams Worte zusammenfuhr.
    „Wie kommst du denn auf solch eine absurde Idee?“ fragte er schockiert.
    Doch Williams verzweifelter Blick blieb.
    „Monica hat das gesagt. Sie jagen mich, da sie mich für etwas Besonderes halten.“
    „William…“ Mulder sah nun seinen Sohn sehr eindringlich an. „Du bist in der Tat etwas Besonderes.“ Dann lächelte er. „Du bist ein wunderbarer Junge. Und deine Mum und ich lieben dich über alles, okay?“ William nickte. „Diese Männer… sind wirklich sehr böse. Aber es ist nicht deine Schuld, dass das alles passiert, verstehst du?“
    „Mmhh…“ William schaute nachdenklich und traurig geradeaus, sagte aber nichts.
    Mulder musste es im Moment dabei belassen, denn ihnen lief die Zeit davon.
    Schnell startete er den Wagen und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
    5. September 2013 14:00:50 CEST
    0
  • 958
    OMG OMG OMG!!! 8o
    Du verstehst das echt, für Nervenkitzel pur zu sorgen! Freu mich schon so sehr auf die Fortsetzung und hoffe, dass Scully, Monica und John nichts passiert ist! :(
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    5. September 2013 18:16:53 CEST
    0
  • Danke, cliohres!!
    Freut mich, dass ich weiterhin für Spannung sorgen kann :D

    ****

    Super-8-Motel,
    Washington D.C.
    13:34 Uhr

    Während der gesamten Fahrt war William nur stumm auf seinem Sitz gesessen.
    Aber auch Mulder hatte nichts gesagt.
    Die Angst um Scully hatte sich wie eine eiskalte Hand um sein Herz gelegt und seinen Hals zugeschnürt. Er hatte zwar versucht, sich einzureden, dass alles in Ordnung war. Dass Scully und auch Monica und John nichts passiert war. Doch tief in seinem Inneren verspürte er sehr große Angst.
    Wie betäubt war er den Weg zum Motel gefahren.
    „Ich muss nur schnell etwas holen“, sagte Mulder angespannt, als er die Auffahrt des Super-8-Motels hinauffuhr.
    „Bleiben wir nicht hier?“ fragte William verwundert, doch Mulder schüttelte den Kopf.
    „Nein.“
    „Warum nicht?“
    „Ich weiß nicht, ob wir hier sicher sind. Die Männer haben uns im Park auch gefunden. Obwohl wir eigentlich dachten, dass und niemand gefolgt wäre.“
    „Mmhh…“
    Mulder lenkte den Wagen auf den Parkplatz direkt vor ihrem Zimmer.
    „Ich bin gleich zurück. Du bleibst bitte hier und wartest auf mich, okay?“
    William kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe, während er verstohlen zu Mulder aufsah. Doch dann nickte er gehorsam.
    „Gut“, lächelte Mulder und fuhr ihm durch die Haare.
    Er wollte gerade die Fahrertür öffnen, um auszusteigen, als er stutzte und irritiert durch die Windschutzscheibe nach draußen schaute. Und auch William folgte seinem Blick und runzelte misstrauisch die Stirn.
    „Wer ist das?“
    Mulder zögerte.
    Er war unsicher, was er vom Auftauchen des Mannes halten sollte. Und vor allem fragte Mulder sich, woher er von ihrem Unterschlupf wusste. Aber eigentlich hatte er keinen Grund, diesem Mann nicht zu trauen, denn er hatte ihm einiges zu verdanken.
    „Du brauchst vor ihm keine Angst zu haben, William“, sagte Mulder ruhig. „Er ist vom FBI. Ich werde ihn fragen, warum er hier ist.“
    „Wer ist das?“ wiederholte William seine Frage.
    Mulder seufzte.
    „Direktor Kersh.“
    Mit gemischten Gefühlen stieg er aus dem Auto.
    „Guten Tag, Sir“, begrüßte Mulder den Direktor höflich und reichte ihm die Hand. Doch Kersh behielt seine Hände in den Taschen seines Mantels und sah Mulder nur kühl durch seine Brille an.
    „Fox Mulder… Es ist lange her.“
    Mulder ließ irritiert seine Hand sinken.
    „Ja…“
    Kersh erwiderte nichts, sondern musterte Mulder nur eingehend – was dieser mit Unbehagen registrierte. Irgendetwas sagte ihm, dass Kershs Besuch mit Vorsicht zu genießen war.
    Nach einigen Minuten des Schweigens schaute Kersh zum Wagen.
    „Ich sehe, Sie sind nicht alleine.“
    Nun wurde Mulder erstrecht skeptisch.
    „Was wollen Sie?“ fragte er deshalb ziemlich schroff.
    Kersh sah nun wieder Mulder an und seine dunklen Augen fixierten ihn auf unangenehme Weise.
    „Was ist nur aus Ihnen geworden, Mulder?“
    Mulder runzelte die Stirn.
    „Ich verstehe nicht…“
    „Was ist aus Ihrem Kampfgeist geworden? Ihrem Drang, dem Verborgenen auf den Grund zu gehen. Ihrem Lebensinhalt, die Wahrheit zu finden und diese aufzudecken! Sie haben mich enttäuscht. Nach allem, was ich für Sie getan und riskiert habe, hatte ich mehr von Ihnen erwartet!“
    Mulder hob abwehrend die Hände.
    „Sir, natürlich bin ich Ihnen dankbar, dass Sie damals geholfen haben, mich aus der Todeszelle zu befreien. Und ich weiß auch von Ihrem Zuspruch bei dem Fall der verschwundenen FBI-Agentin vor einem Jahr. Doch damals blieb uns keine Wahl. Scully und ich mussten uns erst einmal verstecken. Ich wurde schließlich gesucht. Wegen etwas, das ich nicht getan habe.“ Nun wurde seine Stimme ernster. „Und das wissen Sie.“
    „Mulder, ich habe Ihnen damals zur Flucht verholfen, da ich hoffte… nein… da ich davon AUSGEGANGEN bin, dass Sie zurückkommen werden!“ erwiderte Kersh sichtlich aufgebracht. „Vielleicht nicht gleich, aber mit Sicherheit nach kürzester Zeit! Ihr Leben bestand aus der Suche nach der Wahrheit! Doch als Sie geflohen waren, kamen Sie nicht wieder. Sie haben Ihre Ziele einfach aufgegeben. Ihre Bestimmung verleugnet! Und nicht einmal Ihre durch mich initiierte Rehabilitierung hat daran etwas geändert.“ Drohend machte er einen Schritt auf Mulder zu. „Vermutlich haben Sie Ihren Sinneswandel der Frau an Ihrer Seite zu verdanken. Sie hätten einfach die Finger von ihr lassen sollen.“ Er schüttelte enttäuscht den Kopf.
    Nun wurde Mulder wütend.
    „Sprechen Sie nicht so von Scully! Und was meinen Sie überhaupt damit, dass Sie meine Rehabilitierung initiiert hätten?“
    „Haben Sie etwa ernsthaft gedacht, eine junge, aufsteigende Agentin erinnert sich nach so vielen Jahren an Ihre Arbeit?“ Da Mulder nur verständnislos schaute, lachte Kersh. „Ich bitte Sie! Sie waren hauptsächlich ein Ärgernis für das FBI. Ihre Eskapaden waren Vielen ein Dorn im Auge. Deshalb musste ich besonders vorsichtig vorgehen. Agent Dakota Whitney damals auf Sie und Ihr Spezialgebiet aufmerksam zu machen und sie dafür zu interessieren, war allerdings leichter gewesen, als ich anfangs gedacht hatte. Doch nicht einmal DAS hat Sie wachgerüttelt. Ich musste wirklich alle Register ziehen.“
    Mulder war entsetzt. Denn in diesem Moment wurde ihm etwas klar.
    „SIE haben mir den anonymen Hinweis geschickt! Den Zeitungsartikel und den Schließfachschlüssel. Und Sie haben auch den Koffer im Bahnhof deponiert. Aber nicht, um uns zu helfen!“
    „Ich wollte, dass Sie endlich aufwachen und den für Sie bestimmten Weg wiederfinden.“
    „Und ich bin hier“, antwortete Mulder zornig. „Sagen Sie mir nun endlich, was Sie wollen.“
    „Sie haben etwas, was Sie nicht haben dürften“, sagte Kersh knapp und seiner und auch Mulders Blick ging Richtung Wagen – auf William, der sichtlich beunruhigt Mulder und Kersh beobachtete.
    „Das Gespräch ist beendet.“ Mulder wollte an Kersh vorbei ins Zimmer, doch der stoppte ihn. Ungläubig schaute Mulder auf die in schwarzes Leder gehüllte Hand, die auf seiner Brust lag.
    „Ich glaube, wir haben uns nicht richtig verstanden, Mulder. Ich habe Sie nicht hergebracht, damit Sie meine Pläne durchkreuzen. Nicht nur, dass Sie Ihre Bestimmung nicht erfüllen, Sie gefährden nun auch noch mein Vorhaben, indem Sie diesen Jungen beschützen.“
    Mulder schlug Kershs Hand weg.
    „Sie haben mich nur benutzt!“ rief er. „Sie waren nie auf unserer Seite!“
    Kersh lachte kurz.
    „Ich wüsste nicht, wer überhaupt jemals auf Ihrer Seite war, Mulder. Naja…“ Er machte eine abschätzige Handbewegung. „Außer vielleicht Ihre Partnerin.“
    „Aber warum dann der ganze Aufwand? Warum die ganze Mühe, uns herzuholen?“
    „Sie sollten Unruhe stiften. So wie früher. Obwohl Sie sich so lange zurückgezogen hatten, ist Ihr Ruf in gewissen Kreisen immer noch vorhanden. Und man hat vor Ihnen noch deutlich Respekt. Ihr Auftauchen hatte zwar den gewünschten Effekt. Die Gruppenmitglieder sind unruhig geworden und waren abgelenkt, aber...“
    Mulder realisierte was Kersh zwischen den Zeilen gerade verraten hatte und sprach ihm dazwischen.
    „Sie sind Mitglied des neuen Konsortiums!“
    „Richtig“, gab Kersh offen zu.
    „Aber warum brauchen Sie ein Ablenkungsmanöver?“
    „Bisher bestand keine Gefahr. Einige entscheidende Tests und Untersuchungen an dem Jungen waren bisher negativ. Alle warten, dass sich endlich die prophezeite Macht des Jungen zeigt.“
    „Was gibt Ihnen das Recht einen kleinen Jungen derart zu quälen?“ rief Mulder wütend.
    „Stellen Sie sich nicht so an“, antwortete Kersh patzig. „Als Erster der Alpha-Generation muss er das…“
    „WAS?!“ Nun machte Mulder einen Schritt auf Kersh zu. „Was meinen Sie mit Erster der Alpha-Generation?“
    Kersh schaute ihn böse an.
    „Der Plan, Mulder. Neobiota! Die vier Alpha-Kinder sind die Schlüsselfiguren. Der Startschuss für die Invasion. Wenn der abschließende Test positiv ist, startet der Prozess und im Jahr 2012 die Kolonisierung mit der Freisetzung des Virus. Das Datum dürfte Ihnen ja bereits bekannt sein.“
    „Die Bienen…“
    „Richtig. Ich sehe, Sie haben meinen Hinweis richtig interpretiert. Die Bienen infizieren die Menschen. Die geschaffenen Generationen an Alien-Mensch-Hybriden überleben das Massensterben, haben bereits ihren vorbestimmten Platz eingenommen und treffen dann die letzten Vorkehrungen, sodass die Kolonisten ungehindert die Welt besiedeln können.“
    Mulder fuhr sich ratlos durch die Haare.
    „Aber was wollen Sie nun von mir? Was von William?“
    „Der Test waren, wie gesagt, bisher nicht ganz so erfolgreich. Doch nun ist alles anders. Und uns läuft die Zeit davon. Die Kolonisten sind unterwegs, um die Alphakinder wie vereinbart abzuholen.“
    „Was?!“
    „Er ist der Erste. Ein menschlicher Körper, menschliche Gefühle…gepaart mit den Fähigkeiten der Aliens. Völlige Immunität gegen das Virus, telepathische Fähigkeiten… Und als noch nie vorher dagewesene Weiterentwicklung: Geboren von einem Menschen. Der spätere Anführer der neuen Erdbevölkerung, angeleitet durch die Kolonisten. Und der abschließende Test wurde nun durchgeführt und war positiv. Er ist der perfekte Alien-Mensch-Hybrid.“
    WHAM! Die letzten Worte waren für Mulder wie ein Schlag ins Gesicht. Fassungslos und zutiefst erschrocken wich er unmerklich einen Schritt zurück. Bilder kamen hoch. Tiefe Erinnerungen aus der Vergangenheit. Er und Scully hatten sich die ganze Zeit den alten schmerzhaften Dingen stellen müssen. Mehr als er vorher vermutet hatte. Doch dass dieses ihn nun auch noch einholen würde, hatte er nicht gedacht. Er sah sie vor sich, als wäre es gestern gewesen. Eine verzweifelte Frau, die ihn anflehte, sie zu töten. Eine Frau, die grausame Test und Experimente über sich hatte ergehen lassen müssen. Bis sie zu dem geworden war, was das damalige Syndikat als ihre Rettung vor der Invasion angesehen hatte. Der perfekte Alien-Mensch-Hybrid.
    Mulders entsetzter Blick ging zum Auto - auf William, der alles aufmerksam beobachtete, obwohl er zum Glück kein Wort verstehen konnte. Am liebsten wäre Mulder sofort zu ihm in den Wagen gesprungen und davongefahren. Einfach weg. Um ihn vor alldem zu beschützen und zu retten.
    Doch was, wenn Kersh Recht hatte?
    Wenn seine Hilfe, egal was er auch tun würde, zu spät kam?
    Wenn er niemals die Möglichkeit gehabt hätte, etwas zu ändern, da es von Anfang an so vorgegeben war?
    William bemerkte Mulders unsicheren Gesichtsausdruck. Er lehnte sich daraufhin im Sitz nach vorne und streckte die Hand nach ihm aus. Er berührte fast die Scheibe. Mulder sah die besorgt dreinschauenden Augen des kleinen Jungen und konnte nicht anders, als kurz aufmunternd und beruhigend zu lächeln.
    Natürlich würde er William - egal was Kersh erzählen mochte - niemals hergeben. Doch er durfte sich seine Unsicherheit und Zweifel, die durch die kurze Bemerkung von Kersh wieder angefacht worden waren, nicht anmerken lassen. Außerdem… Scully war überzeugt, dass William ihr gemeinsamer Sohn war. Konnte er dann daran überhaupt zweifeln?
    Um sich diesen Gedanken nicht länger quälen zu lassen, griff Mulder etwas anderes auf, das ihn ebenfalls tief getroffen hatte.
    „Was ist dieser abschließende Test?“ stieß er scharf hervor.
    „Immunität gegen das Virus und gegen die einzige Waffe, die die Kolonisten vernichten kann. Magnetit.“
    „Sie haben William… dem VIRUS ausgesetzt?!“ Aus seinen Augen sprach das pure Entsetzen.
    „Ja“, erwiderte Kersh knapp. „Und wie Sie selbst sehen…“ Er blickte in den Wagen. „Das Virus hat keinen Einfluss auf ihn. Der letzte Beweis, dass die über Jahre dauernden Entwicklungen und Experimente erfolgreich waren.“
    „Ich habe Ihre sogenannten Experimente gesehen“, rief Mulder nun außer sich. „Ihr wahnsinniges Züchten von manipulierten Kreaturen in gläsernen Kapseln. Doch William ist keine dieser Kreaturen!“ Kersh blieb von Mulders Wut völlig unbeeindruckt.
    „Zwar nicht herangewachsen in einer - wie Sie es nennen - Kapsel. Doch ebenso geschaffen, wie alle anderen auch. Natürlich mit anderen genetischen Schwerpunkten.“
    Mulder schwieg einen Moment und starrte Kersh feindselig an.
    „Ich werde jetzt gehen.“
    „Nein.“
    „Wieso erzählen Sie mir das alles?“ rief Mulder. Er merkte, wie die Wut in ihm immer größer wurde und er sich kaum mehr beherrschen konnte. „WAS…WOLLEN…SIE?!“
    „Sie sollen verstehen“, erwiderte Kersh gelassen, was Mulders Zorn nur noch mehr steigerte. „Wir dürfen nicht alles erfüllen, was die Kolonisten verlangen. Es muss einen anderen Weg geben. Eine Möglichkeit, das alles noch aufzuhalten. Dazu muss aber der entscheidende Faktor entfernt werden. Um etwas Zeit zu gewinnen. Lassen Sie mich einfach meinen Plan weiterführen. Sie haben Ihr Soll erfüllt, Mulder. Ab jetzt überlassen Sie es bitte mir, das weitere Schicksal der Menschheit zu bewahren. Tun Sie, was Sie die letzten Jahre getan haben. Spielen Sie den braven Hausmann. Vergnügen Sie sich mit Scully. Ich brauche Sie nicht mehr.“
    Mulder war aufgrund der niederschmetternden Worte von Kersh einen Moment wie vor den Kopf gestoßen. Und während sein Gehirn die Informationen verarbeitete, kristallisierte sich nach und nach eine schreckliche Erkenntnis heraus.
    „Sie wollen William töten“, keuchte er fassungslos.
    „Ich würde es eher zerstören nennen“, erwiderte Kersh kühl. „Aber es ist die einzige Möglichkeit, den Start der Invasion hinauszuzögern. Er ist die Schlüsselfigur. Der ausschlaggebende Faktor.“
    „Wagen Sie es ja nicht, meinem Sohn auch nur ein Haar zu krümmen“, drohte Mulder.
    „Ihr Sohn…“, lachte Kersh höhnisch. „Dieser Junge ist nicht Ihr Sohn.“
    7. September 2013 13:29:59 CEST
    0
  • „Sie lügen!“
    „Ich weiß, was man Sie hat glauben lassen, Mulder. Was man Ihnen vorgegaukelt hat. Diese angeblich missglückte künstliche Befruchtung. Das war eine Lüge. Um etwas Ungewissheit zu schüren. Bei allen vier Frauen hat die künstliche Befruchtung natürlich funktioniert und man hat die anderen drei Frauen in dem Glauben gelassen, dass deren Ehemänner die Väter seien. Denn von denen wäre keine Gefahr ausgegangen. Ehrlich gesagt, waren die Mitglieder sich anfangs uneins. Scully als Mutter zu nehmen war schon allein ein großes Risiko. Und dann auch noch für den Ersten. Doch die meisten waren dafür. Überzeugten doch eher die Vorteile als die Nachteile. Schließlich konnte man sie als FBI-Agentin bestens beobachten. Sie war allen bekannt. Außerdem war sie von sich aus zu Dr. Parenti gegangen, brachte ihre eigenen, bereits von uns untersuchten und katalogisierten Eizellen wieder zurück. Sie, Mulder, zählten zwar zu den negativen Aspekten, doch die Männer dachten sich für diesen Fall eine etwas andere Vorgehensweise aus. Das Syndikat hatte damals – zu Recht - befürchtet, dass Sie bei Ihren Recherchen irgendwann auf Scullys Arzt, Dr. Parenti, stoßen würden und womöglich etwas herausfinden könnten. Deshalb waren sie der Meinung, es wäre hilfreich, wenn Scully Zweifel hätte. Wenn Sie nicht wüsste, woher das Kind kam. Die Männer wussten von Ihrem Verhältnis mit ihr, Mulder. Dass Sie nicht einfach nur ein guter Freund waren, der sich als Vater zur Verfügung gestellt hatte. Das hat man sich zu Nutze gemacht. Deshalb hat man ihr gesagt, dass die künstliche Befruchtung nicht geklappt hätte. Zudem wurde das Kind auf diese Weise auch geschützt. Mit dem kleinsten Funken Hoffnung, dass es ihr gemeinsames Kind sein könnte… wie könnte eine Mutter dieses Kind nicht lieben und behüten? Und Sie wollte man dadurch auch besser im Griff haben. Sie sollten zumindest denken, dass Sie der Vater sein könnten und sich dadurch noch mehr ihrer Partnerin zuwenden. Die Arbeit sollte für Sie in den Hintergrund rücken. Doch nun denke ich, ist es an der Zeit, dass Sie der Wahrheit ins Gesicht sehen. Die Wahrheit, die sie immer gesucht haben. Sie sind nicht der Vater! William ist ein Produkt verschiedenster Experimente und Manipulationen. Das einzige, was den Jungen mit Scully verbindet, ist ein geringer Anteil, der von ihren Genen übriggeblieben ist und die Tatsache, dass sie das Kind ausgetragen und auf die Welt gebracht hat. Sie, Mulder, haben bei der Sache keinerlei Anteil gehabt.“ Er grinste herablassend. „Auch wenn Sie sich sicherlich Mühe gegeben haben.“
    Nun konnte Mulder sich nicht mehr zurückhalten. Er packte Kersh grob am Kragen.
    „SIE ELENDER BASTARD!“ Aus seinen Augen sprach der pure Hass. „Ich habe von Anfang an gewusst, dass man Ihnen nicht trauen kann. Ich glaube Ihnen kein Wort!!“
    „Tun Sie jetzt nicht so schockiert, Mulder. Es ist…“
    „Schauen Sie sich William an!“ Er riss Kersh an den Schultern rum – Richtung Wagen, wo William erschrocken zusammenzuckte. „SCHAUEN SIE SICH WILLIAM AN!!“ Mulder schrie die Worte nur so heraus und klammerte sich in diesem Moment an den letzten Anhaltspunkt, an das letzte Fünkchen Hoffnung, das er nach diesem Gespräch noch besaß. Leise, schneidend sagte er: „Und nun sagen Sie mir… Warum sieht er aus wie ich, wenn er nicht mein Sohn ist?“
    Kersh riss sich wütend von Mulder los.
    „Eine Laune der Natur, viel Einbildung und noch mehr Wunschdenken. Wenn man etwas unbedingt sehen möchte, dann sieht man es irgendwann auch. Außerdem…“ Nun hatte er wieder sein höhnisches Grinsen aufgesetzt. „… muss ich Sie daran erinnern, dass Dana Scully unfruchtbar ist? Ich denke nicht, dass ich Ihnen erklären muss, was das bedeutet, oder?“
    Mulder presste voller Zorn seine Zähne aufeinander. So stark, dass seine Kieferknochen seitlich an den Wangen hervortraten. Doch er erwiderte darauf nichts.
    „Also“, lächelte Kersh siegessicher, während er unter seinem Mantel eine Waffe hervorzog und diese auf Mulder richtete. „Geben Sie mir jetzt den Jungen, damit ich den Start aufhalten kann. Erweisen Sie der Menschheit wenigstens diesen einen Dienst.“
    Mulder starrte Kersh voller Hass und Verachtung an. Langsam schüttelte er den Kopf.
    „Niemals!“
    Und so schnell, dass Kersh nicht rechtzeitig reagieren konnte, griff Mulder nach der Waffe. Doch er schaffte es nicht, sie ihm ganz aus der Hand zu schlagen. Kersh kam lediglich ins Straucheln, fing sich aber schnell wieder und nutze den Moment, um Mulder mit der Waffe ins Gesicht zu schlagen. Mulder spürte wie die Haut über seinem Auge aufplatzte und sofort warmes Blut an seiner Wange hinunterlief. Doch das störte ihn nicht im Geringsten. Sein einziger Gedanke galt William und dass er Kersh aufhalten musste. Schnell wischte er sich über das Auge, dann packte er Kersh, der mit einer so schnellen Reaktion nicht gerechnet hatte und schlug ihm mit all der Kraft, die ihm die Wut auf diesen Mann verlieh, mitten ins Gesicht. Es ertönte ein lautes Knacken, als Kershs Nase brach. Zudem hatte er nicht mehr die Kraft, sich auf den Beinen zu halten. Er taumelte und stützte sich an der Wand ab.
    „Sie Idiot!“ rief Kersh mit erstickter Stimme. „Wenn ich den Jungen nicht bekomme, werden die anderen ihn holen. Sie werden ihn finden und den Kolonisten übergeben.“ Dann hustete er und spuckte Blut auf den Boden. Mühsam stand er wieder auf. „Dann ist alles zu spät!“
    Doch Mulder ließ sie nicht beirren. Während Kersh leicht benommen versuchte, ihn wieder mit seiner Waffe anzuvisieren, holte Mulder erneut aus und schlug Kersh nieder. Und diesmal stand er nicht wieder auf. Bewusstlos lag er am Boden. Schnell entriss Mulder ihm die Waffe, sicherte sie, steckte sie ein und rannte zum Auto.
    7. September 2013 13:32:09 CEST
    0
  • 958
    oh mein Gott, ich bin immer wieder fasziniert, wie talentiert du bist! 8o Das ist echt soo.... toll! Was anderes fällt mir nicht dazu ein. Ich habe ja nun wirklich schon viele FFs gelesen, aber keine davon war auch nur annähernd so professionell geschrieben wie deine! Also ich habe ja keine Ahnung, wie das rechtlich laufen würde, aber ich bin mir sicher, dass da ein Verlag sicher dran interessiert wäre! Und wenn nicht, würde ich es mir einfach so als Buch binden lassen, das wäre auch eine klasse Geschenkidee!

    Vielen Dank für diesen wie immer superspannenden Abschnitt, hat mir das Wochenende versüßt! :)
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    7. September 2013 15:36:30 CEST
    0
  • Deine Story lässt nicht nach an Spannung und wie ich sagen muss geschickter Verknüpfung zu den Ereignissen in der Serie. Einfach nur klasse gemacht! Ich freue mich immer, wenn ich wieder einen neuen Abschnitt lesen kann.
    Es wäre super, wenn man deine Geschichte auf Englisch übersetzen würde und sie über gossamer, ephemeral und fanfiction.net auch den internationalen Philes zugute lassen kommen könnte. Was denkst du?
    LG
    7. September 2013 21:52:25 CEST
    0
  • 262
    OMG!!! Mehr kann ich nicht sagen in so früher morgen Stunde. Mal nebenbei gefragt aurora 81 welche szene mit dem boot meinst du denn? Will mir gerade nicht einfallen.
    11. September 2013 06:41:02 CEST
    0
  • Ich meine die Szene NACH dem langen Abspann beim 2. Film. Am Ende sprechen doch Mulder und Scully davon, dass sie weggehen könnten, um der Dunkelheit zu entkommen. Und dann sieht man sie in einem kleinen Holzboot sitzen (mit Badehose und Bikini :D), dazu schönstes blaues Wasser und Palmen im Hintergrund. Ist zwar nur ein kurzer Kameraschwenk, aber offensichtlich haben sie wirklich Urlaub gemacht. Und da eben meine Idee, was sie u.a. in diesem Urlaub gemacht haben könnten ;)
    11. September 2013 12:44:34 CEST
    0
  • 262
    ?? Mir bleibt Grad die spucke weg, da ich echt an mir Zweifel. Die Szene ist mir noch nie aufgefallen, muss ich morgen gleich checken, also du meinst in dieser Foto Strecke, aber sind dass nicht Set Aufnahmen, also eher G&D bezogen.
    11. September 2013 22:43:16 CEST
    0
  • 958
    @vivibifi: Das war keine Fotostrecke, sondern gaaaaaaaanz am Ende der Abspann des Filmes (man hätte meinen können, da kommt nix mehr). Also quasi nachdem schon alle Namen der beteiligten Crewmitglieder im Abspann gelistet wurden. Auf Youtube wurde das Video herausgenommen, aber hier mal zwei Screenshots davon:

    http://aftercredits.com/wp-content/uploads/2011/11/TheXFilesIWantToBelieveSS1.jpg

    http://cdn3.whatculture.com/wp-content/uploads/2013/07/xfiles.png

    :)

    Vielleicht hilft das deinem Gedächtnis auf die Sprünge ;)
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    11. September 2013 22:54:26 CEST
    0
  • Das kommt NACH diesen ganzen Fotos! Im Hintergrund der Fotos sieht man ja diverse Strukturen. Aber ziemlich am Schluss kommen Palmen, dann blaues Wasser und dann eben das Boot. :D

    Da war wohl jemand schneller als ich :D
    11. September 2013 22:58:27 CEST
    0
  • 262
    Danke euch beiden. Habe den Film schon so oft gesehen aber nie bis zum letzten. Muss ich nachholen unbedingt. Das 2. Bild ist ja voll romantisch
    12. September 2013 07:44:39 CEST
    0
  • Das ist wirklich ein schöner kleiner Bonus zum Schluss :D Wird aber verständlicherweise leicht übersehen. Selbst im Kino haben sie damals mitten im Abspann abgeschalten. Zum Glück hatte ich es in einem anderen Kino bereits gesehen - aber auch da waren es nur wenige, die bis zum Schluss im Saal geblieben sind und gewartet haben... :P

    ****

    Monica war mit William in der Küche, um ihm etwas zu trinken zu besorgen, während Mulder im Wohnzimmer auf der Couch saß und von Scully verarztet wurde.
    Er war ziemlich beeindruckt von der gepflegten Einrichtung seines ehemaligen Vorgesetzten. Es war alles sehr zeitgenössisch und verfolgte einen klaren Stil. Elegant und geschmackvoll. Die schwarze Ledercouch passte perfekt zu dem beigefarbenen Teppich. Das ganze Wohnzimmer und auch schon der Flur waren mit weißen Fliesen ausgelegt und soweit Mulder das hatte sehen können, reichten die Fliesen bis in die Küche. Alle Räume waren sehr großzügig und offen. Es gab fast keine Türen - nur große weiß verputzte Durchgänge und Wände, die mit passenden Bildern dekoriert waren. Der große LCD-Fernseher an der Wand gegenüber der Couch und die große Stereoanlage waren Mulder ebenso aufgefallen wie die Tür, die vom Wohnzimmer auf die Terrasse und in den Garten führte. Er hatte das zwar so nicht vermutet, doch das alles passte zu Skinner.
    Dieser und John saßen ihm nun gegenüber und berichteten ausführlich, was passiert war.
    „Nachdem wir am Parkplatz angekommen waren und gemerkt hatten, dass du weg warst, wollten wir eigentlich gleich zu Assistant-Direktor Skinner fahren. So hatten wir es ja vereinbart. Doch wir haben es uns anders überlegt und sind über einige Umwege noch kurz beim FBI vorbei“, erzählte John.
    „Beim FBI?“ fragte Mulder und verzog leicht das Gesicht, als Scully mit einem Wattepad die Wunde desinfizierte.
    „Gleich vorbei“, sagte sie sanft und tupfte vorsichtig über Mulders Stirn.
    „Ja, wir mussten noch etwas Munition besorgen.“ Da Mulder verständnislos schaute, erklärte John weiter. „Nachdem Monica gestern Abend zu mir gekommen ist, haben wir uns noch Gedanken darüber gemacht, wie wir uns gegen die Alien-Mensch-Hybride zur Wehr setzen können. Mit unseren normalen Waffen können wir gegen sie ja nichts ausrichten. Und da wir vermuteten, dass wir in Zukunft des Öfteren auf sie treffen würden…“
    Skinner griff hinter sich und hielt eine ungewöhnliche Waffe in der Hand.
    Mulder beugte sich interessiert vor - ohne darauf zu achten, dass Scully ihm gerade ein Pflaster über die Wunde kleben wollte.
    „Mulder…“, sagte sie tadelnd. Er sah sie daraufhin an und lächelte entschuldigend. „Halt nur kurz still.“ Gehorsam rührte er sich daraufhin keinen Millimeter und Scully strich das Pflaster vorsichtig glatt.
    „Danke, mein Schatz“, sagte er und wandte sich gleich wieder der ungewöhnlichen Waffe zu. Scully hatte ihn zwar kurz verwundert angeschaut, da er sie in Gegenwart von John und Skinner so genannt hatte, doch zu ihrer Überraschung schien es außer ihr niemandem besonders aufgefallen zu sein.
    „Was ist das?“ Mulder hatte Skinner die Waffe aus der Hand genommen und begutachtete sie eingehend. Die Form war die einer ganz normalen Schusswaffe, doch der Lauf war etwas größer und länger. Auch gab es keine Öffnung am Griff für ein Magazin, sondern auf der Oberseite einen Spalt, in dem man etwas einlegen konnte.
    „Monica ist durch Danas waghalsige Aktion darauf gekommen“, erklärte John. „Sie hatte Kline die Spritze mit dem Ferrofluid in den Hals gestochen. Also hatten wir die Idee, es mit einer Art Betäubungsgewehr zu versuchen.“
    „Ist das ein handelsübliches Gewehr?“ fragte Mulder irritiert nach.
    John zögerte.
    „Naja… ehrlich gesagt… nein.“
    Mulder blickte mit hochgezogenen Augenbrauen auf.
    „So etwas bekommt man nicht zu kaufen“, räumte John ein. „Sagen wir einfach… jemand war uns noch einen Gefallen schuldig.“ Er schmunzelte vieldeutig. „Wenn man es mit den X-Akten zu tun hat, trifft man eben auch auf manch skurrilen Typen. Aber wer weiß das besser als du.“
    „Und als Munition benutzen wir mit Ferrofluid gefüllte Pfeile. Die größten, die in diese im Grunde handliche Waffe passen“, sagte Scully und reichte Mulder einen Betäubungspfeil. Er war lang, hatte einen Durchmesser von ungefähr zwei Zentimetern, rote Federn und war mit einer schwarzen Flüssigkeit gefüllt. „Die Menge an Ferrofluid, die er fassen kann, ist enorm, wenn man bedenkt wie empfindlich die Alienzellen offensichtlich darauf reagieren. Die Spritze, die ich gegen Kline eingesetzt habe, war kleiner und beinhaltete vielleicht ein Zehntel dieser Menge. Und wenn er auf das Zielobjekt trifft, hakt er sich in der Haut fest und gibt die Flüssigkeit ab.“
    „Das waren die lauten Schüsse im Park“, sagte Mulder verblüfft und John nickte.
    „Ja, wir wollten euch eigentlich von unserer Idee erzählen, nachdem wir die Daten auf der CD durchgesehen hatten. Allerdings blieb uns dann nur noch der direkte Test übrig.“
    Scully schaute Mulder an.
    „Ich habe erst gar nicht verstanden, was sie vorhatten. Ich habe nur gesehen, wie beide plötzlich diese Waffen in den Händen hielten.“
    „Und es hat funktioniert“, vermutete Mulder.
    „Äh ja…“ John lachte gequält. „Sonst säße ich jetzt wahrscheinlich nicht hier.“ Er schaute auf Scully. „Und Dana auch nicht…“
    Mulder warf Scully einen kurzen, aber sichtlich angespannten Blick zu, dann atmete er tief durch und strich sich nachdenklich durch die Haare.
    „Jetzt Sie, Mulder“, sagte Skinner und lehnte sich an seine Couch zurück. „Wo waren Sie? Was ist passiert? Nach den Erzählungen von Agent Doggett, Agent Reyes und Dana konnten Sie als erster entkommen. Und als die drei vor meiner Tür standen, waren alle der Meinung, dass Sie und William bereits hier sein müssten.“
    „Ich habe mir wahnsinnige Sorgen um euch gemacht“, sagte Scully leise. „Vor allem, nachdem du auch auf deinem Handy nicht zu erreichen warst.“
    „Ich habe es weggeworfen, kurz nachdem ich losgefahren war. Ich wusste ja nicht, woher die beiden Männer wussten, wo wir waren. Sicher ist sicher…“
    „Aber wo wart ihr?“ fragte Scully. „Und wer war der Mann, der dich geschlagen hat?“ Sie runzelte besorgt die Stirn. „Wen hat William mit dem bösen Mann gemeint?“
    Mulder schwieg einen Moment und schaute nachdenklich geradeaus.
    „Kersh“, sagte er dann knapp. „Er hat mich vor unserem Motelzimmer abgepasst. Ich wollte nur schnell die Unterlagen holen und dann herkommen.“
    „Kersh?“ Scully, John und Skinner waren alle gleichermaßen entsetzt.
    „Was wollte er?“ fragte Skinner irritiert.
    Mulder rieb seine Hände aneinander. Er schielte unsicher zu Scully – er konnte ihr kaum in die Augen schauen.
    „William“, sagte er dann leise und er hörte, wie Scully nach Luft schnappte.
    „Was um alles in der Welt will jetzt Kersh von dem Jungen?“ fragte John.
    „Kersh gehört zum Syndikat“, erklärte Mulder.
    Skinner lehnte sich aufgebracht nach vorne.
    „Kersh spioniert für die beim FBI?!“
    „Nein. Kersh ist nicht nur ein Laufbursche… Er ist einer von ihnen.“
    „Oh mein Gott“, seufzte Skinner und schüttelte den Kopf. „Und ich dachte, er stünde auf unserer Seite. Aber eines verstehe ich nicht. Er hat doch bei Ihrer Flucht geholfen. Und er hat sich auch für Ihre Hilfe bei dem Fall der vermissten…“
    „Es war alles nur eine List“, unterbrach Mulder Skinner. „Er war nie auf unserer Seite. Er hat mich nur benutzt. Er hat einen Plan verfolgt. Und dazu zählte, dass wir zurückkommen und etwas Unruhe stiften. Damit er freien Weg für sein Vorhaben hat.“
    „Und was hat er vor?“ fragte Scully – ihre Stimme klang beunruhigt - als ahnte sie, dass es etwas Schreckliches war.
    „Er will William.“ Mulder schluckte. „Er will ihn… umbringen.“
    Für einen Moment herrschte beängstigtes und geschocktes Schweigen. Zu schlimm war das, was Mulder gerade berichtet hatte. Zu aller Überraschung fand Scully als erste wieder Worte, doch das schwache Zittern in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
    „Aber warum? Wenn Kersh doch zum Syndikat gehört…“
    Mulder sah Scully einen Moment mitfühlend an. Und dann begann er langsam zu erzählen - über die vier Alpha-Kinder, deren Bedeutung für den Start der Invasion und schlussendlich Kershs Plan, die Invasion hinauszuzögern, indem er William tötete.
    „Die Alpha-Generation…“ John rieb sich nachdenklich über die Stirn. „Also hatten wir mit unserer Vermutung Recht.“
    Mulder nickte.
    „Ja.“
    Wieder herrschte nachdenkliche Stille - doch nach einer Weile unterbrach erneut Scully das Schweigen.
    „Hat Kersh… noch mehr… über William erzählt?“
    Mulder blickte ihr direkt in ihre ängstlichen Augen.
    Er wusste sofort, was sie meinte.
    Doch wie konnte er ihr von dem erzählen, was Kersh ihm noch gesagt hatte?
    Mulder versuchte ein beruhigendes Lächeln.
    „Nein“, sagte er dann. „Mehr hat er nicht gesagt.“
    Scully musterte ihn intensiv, dann runzelte sie die Stirn.
    „Mulder… Das stimmt nicht.“
    „Scully… Kersh wollte William. Und den Grund habe ich euch gerade genannt. Mehr war nicht.“
    Scully schüttelte den Kopf.
    „Nein. Ich sehe es dir an. Du verschweigst etwas.“
    Mulder seufzte.
    „Ich…“
    „Mummy! Daddy!“ Unter lautem Rufen kam William ins Wohnzimmer gerannt. Mulder verstummte sofort und auch Scully hakte nicht weiter nach. Stattdessen drehten sich beide zu William um.
    „Nicht so schnell“, lachte Scully.
    William rannte um die Couch und zwängte sich zwischen Mulder und Scully.
    „Hey…“ Mulder strich ihm durch die Haare. „Alles in Ordnung?“ Er lächelte als William gähnte. „Müde?“
    William nickte, lehnte sich an Mulder und schloss die Augen – und gähnte ein weiteres Mal.
    Mulder legte seinen Arm um ihn und strich ihm sanft über den Rücken.
    „Wenn er möchte, kann er gerne im Gästezimmer schlafen“, schlug Skinner vor. „Es ist gleich hier vorne. Nur den Gang entlang.“
    „Das ist eine gute Idee“, sagte Scully dankbar.
    „Na dann.“ Mulder griff William vorsichtig unter die Arme und hob ihn hoch. Es war erstaunlich, doch er schlief bereits tief und fest.
    Skinner ging voran und führte Mulder und Scully in sein Gästezimmer.
    Scully schlug die Decke zurück und Mulder legte William vorsichtig ins Bett. Er wachte auch nicht auf, als sie ihm die Schuhe auszog und Mulder ihn noch mal durch die Haare strich, während Scully ihn zudeckte.
    Dann standen beiden für einen Moment beisammen und schauten auf den schlafenden Jungen hinab.
    „Wohin wird das noch alles führen?“ sagte Scully leise, verschränkte ihre Arme vor der Brust und lehnte sich an Mulder, der einen Arm um ihre Schultern legte.
    „Ich weiß es nicht… Doch irgendwie werden wir es schaffen.“
    „Mmhh… Irgendwie…“
    Sie warteten noch kurz, dann wandte Scully sich ab.
    „Komm. Lassen wir ihn schlafen.“
    12. September 2013 13:57:52 CEST
    0
  • „Wir müssen die Kinder finden“, sagte Mulder und stellte sein Wasserglas auf den Tisch zurück. Sie saßen alle bereits seit über zwei Stunden im Wohnzimmer und diskutierten ihre weitere Vorgehensweise. „Kersh hat versucht, William zu töten. Doch da er ihn nicht bekommen hat, versucht er es jetzt vielleicht bei den anderen Kindern.“
    „Hast du Kersh nicht weiter nach der Alpha-Generation gefragt?“ wollte John wissen. „In was unterscheidet sie sich von der Beta-Generation, die wir im Video gesehen haben?“
    Scully runzelte die Stirn.
    „Was ist das für eine Frage? Hast du nicht gesehen, wie diese Wesen entstehen? William ist nicht so eine Kreatur. Ich habe ihn auf die Welt gebracht!“
    John schwieg - es war ihm allerdings anzusehen, dass ihm ein Kommentar auf der Zunge lag. Unruhig rutschte er auf der Couch hin und her. Dann wechselte er einen kurzen, aber eindeutigen Blick mit Monica, die neben ihm saß.
    „Wir sollten uns an die Fakten halten“, sagte Skinner ernst. „Mulder, was hat Kersh noch gesagt? Sprach er davon dass die Invasion bereits begonnen hat?“
    „Nein. Er sagte, die Kolonisten kommen erst, um die Alpha-Kinder mitzunehmen. Dann, 2012, kommen sie wieder und die Invasion beginnt mit der Freisetzung des Virus. Wir haben also noch ein kleines Zeitfenster, um die Kinder zu finden. Egal wer sie in die Finger bekommt - ob Kersh oder der Rest des Syndikats. Wir müssen sie vor beiden beschützen. Außerdem wäre das etwas, das das Syndikat vor ein gehöriges Problem stellen würde. Was sollen sie tun, wenn die Kolonisten da sind und sie die Kinder nicht mehr haben?“
    Skinner atmete tief durch.
    „Okay. Und wo suchen wir die Kinder?“
    „Im Waisenhaus“, sagte Mulder. „Kersh sagte, es gäbe vier Alpha-Kinder und Abigail Connor hat von vier Kindern gesprochen, die an diesem angeblichen Verhaltensexperiment teilnehmen.“
    „Kennt ihr die Namen?“ fragte Monica, doch John und Mulder schüttelten den Kopf. „Ich habe nur ein Mädchen gesehen, das Marie hieß. Mehr weiß ich nicht.“
    „Also müssen wir noch mal dorthin“, stellte Monica fest und Mulder nickte.
    „Ich würde vorschlagen, dass John und ich gleich morgen Früh losfahren.“
    Skinner stimmte dem zu.
    „In Ordnung, Mulder. Ich möchte aber noch mal auf etwas anderes zurückkommen. Bevor vorhin William ins Wohnzimmer gestürmt kam und uns unterbrochen hat, hat Dana etwas gesagt. Und ich bin der Meinung, dass das nicht unwichtig war. Schließlich…“ Er lächelte schwach. „… kennt Dana Sie sehr gut. Wenn Kersh noch mehr gesagt hat, dann sollten Sie uns das erzählen.“
    Mulder schaute nach unten und kaute grübelnd auf seiner Unterlippe.
    „Mulder…“ Scully legte ihre Hand auf seinen Arm. „Skinner hat Recht. Alles könnte wichtig sein. Auch wenn es im Moment vielleicht nicht so aussieht.“
    „Was Kersh noch gesagt hat, tut nichts zur Sache!“ rief Mulder entschieden. „Er hat uns die ganze Zeit belogen. Man kann dem, was er sagt, keinen Glauben schenken. Er ist ein verdammter Lügner!“
    Scully war sehr erschrocken. Mulders heftige Reaktion hatte sie überrascht, aber auch ihre Vermutung bestärkt, dass er etwas Schreckliches mit sich herumschleppte.
    „Mulder bitte…“, versuchte Scully es erneut. „Wir können doch…“
    „Nein“, sagte er schroff.
    Skinner lehnte sich nachdenklich zurück und auch John und Monica schwiegen. Sie überließen es Scully, Mulder zum Reden zu bringen, denn alle dachten das Gleiche. Wenn Scully ihn nicht überzeugen konnte, würde es von ihnen auch keiner schaffen.
    Behutsam griff sie nach seiner Hand – verschränkte ihre Finger fest mit seinen.
    „Wenn Kersh gelogen hat, dann kannst du es uns doch erstrecht sagen. Auch wenn es nicht die Wahrheit war… Vielleicht können wir trotzdem etwas für unser Vorhaben gewinnen. Die anderen Informationen waren ja auch hilfreich.“
    Mulder schaute traurig von Scullys Hand direkt in ihre Augen. Für einen Moment lächelte sie zwar noch aufmunternd, doch je länger sie Mulder ansah, umso mehr verschwand das Lächeln aus ihrem Gesicht und machte immer mehr einem Blick Platz, der große Furcht beinhaltete. Als könne Sie alles alleine in seinen Augen lesen.
    „Scully…“, begann Mulder. „Er hat einiges über William gesagt, das ich einfach nicht glauben will. Ich wollte dir das ersparen… Da ich weiß, dass du dir so viele Sorgen machst. Da du solche Angst hast, vor dem, was wir über William herausfinden könnten.“
    Scully schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Dann sah sie Mulder wieder an – diesmal ziemlich ernst.
    „Du hast mir versprochen, dass du mir immer alles erzählen wirst. Alles, was dich bedrückt. Und ich habe dir auch aus diesem Grund erst nichts von meiner Angst erzählt. Damit du eben nicht wichtige Informationen wegen mir zurückhältst. Um mich zu schützen. Du bist hier nicht alleine, Mulder. John, Monica und Assistant-Direktor Skinner sind wegen uns da hineingezogen worden. Jetzt nimm bitte keine Rücksicht auf mich und erzähl, was du weißt!“
    Scully sprach die Worte sehr entschieden, doch keiner hatte Zweifel, dass es tief in ihrem Inneren ganz anders aussah. Gerade hatte Scullys Vernunft und logischer Verstand gesprochen. Vor allem Monica wusste das. Sie brauchte nicht lange zurückdenken – an den Abend, an dem sie Scully voller Verzweiflung im Motelzimmer vorgefunden hatte. Voller Angst vor dem, was sie über die Herkunft von William herausfinden würden. Und genau das verlangte sie nun zu erfahren.
    Aber Mulder schwieg und Scully spürte nun doch langsam Wut in sich aufsteigen.
    „Mulder! Wir brauchen diese Informationen!“
    „Dana… Ich…“
    Als Mulder ihren Vornamen benutzte - wie um sie zu besänftigen- wurde ihre Wut noch größer. In diesem Moment siegte Zorn über Angst und Scully begann, alle Register zu ziehen.
    „Jetzt komm mir nicht so, Mulder!“ rief sie vorwurfsvoll. „Früher hättest du mir das gesagt. Als wir noch ein Team beim FBI waren! Damals hast du mich nicht wie ein rohes Ei behandelt. Du hast mich als gleichwertig angesehen. Als deine PARTNERIN!“ Sie funkelte ihn wütend an. „Und jetzt? Was bin ich jetzt? Nur noch deine brave Ehefrau?“
    Sie hatte es kaum ausgesprochen, als ihr wieder bewusst wurde, dass sie nicht alleine waren. Einen kurzen Moment schaute sie von Mulder, der tief erschrocken und von ihren Worten sichtlich mitgenommen war, auf die drei anderen, die sie alle, bis auf Monica, die es ja bereits wusste, total überrumpelt anstarrten. Doch Scully interessierte das im Moment nicht. Sie hatte zwar immer noch Angst und ärgerte sich, dass sie ihr kleines Geheimnis gerade so plump verraten hatte, doch viel mehr war sie enttäuscht und wütend, dass Mulder ihr immer noch nicht gesagt hatte, was er wusste. Und ihr war mittlerweile mehr als klar, dass es wichtig war. Dass es etwas über William war. Und egal, was es war. Sie musste es wissen.
    Einen Moment betrachtete sie Mulder abwartend. Doch als er weiterhin schwieg, entschloss sich Scully zum letzten Schritt. Ohne noch weiter etwas zu sagen, griff sie nach hinten unter ihre Haare, öffnete die Kette und ließ den schmalen goldenen Ring in ihre Handfläche fallen.
    „So nicht, Mulder.“ Sie drückte ihm den Ring in die Hand. Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen schmerzhaften Moment, dann stand Scully auf, lief direkt zur Terrassentür, öffnete diese und verließ kommentarlos den Raum.
    Keiner sagte ein Wort.
    Monica, John und Skinner wechselten lediglich betretene Blicke, während Mulder niedergeschlagen geradeaus schaute und abwesend den Ring zwischen den Fingern drehte.
    Nach endlos erscheinenden Sekunden gab sich Monica einen Ruck und brach das beklemmende Schweigen.
    „Dana hat es nicht so gemeint…“
    Mulder atmete tief aus.
    „Doch, Monica. Sie hat es so gemeint.“ Nun sah er sie an. „Und sie hat Recht. Meine Angst um sie verhindert immer öfters, dass ich sie so wie früher sehe. Aber das ist falsch.“
    „Ja, Dana ist eine sehr starke Frau“, schaltete sich nun auch John ein. „Aber sag mal…“ Er kniff belustigt die Augen zusammen. „Wann? Wo? Und warum habt ihr uns denn nichts erzählt?!“ Dann lachte er. „Mr. und Mrs. Mulder.“
    Jetzt lachte auch Mulder und alle waren dankbar für die Auflockerung der angespannten Atmosphäre.
    „Scully wollte es nicht. Sie war der Meinung, dass wir damit warten sollten, bis alles vorbei ist.“ Er steckte den Ring in seine Hosentasche. „Wir haben euch doch von unserem Urlaub auf Hawaii erzählt… Naja… dort werden die tollsten Zeremonien am Strand angeboten. Und da dachte ich… warum eigentlich nicht? Ich hab sie einfach gefragt.“ Er schmunzelte. „Sie heißt aber noch Scully.“
    „Noch?“ Monica zog belustigt ihre Augenbrauen nach oben und Mulder lächelte daraufhin verschwörerisch.
    „Ja. Noch…“
    14. September 2013 13:48:40 CEST
    0
  • 958
    Oh mein Gott, wie geil!!! Wie toll du das wieder hinbekommen hast mit dem Streit, der den anderen ja doch was sehr Schönes offenbart hat! :D Du hasts halt einfach drauf, aurora!
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    14. September 2013 18:23:35 CEST
    0
  • OMG ist das geil und spannend........mach bitte schnell weiter. Lass uns nicht zu lange warten. Die Story ist der Hammer, besser hätte es CC nie machen können. Ich bin dafür das diese Story verfilmt werden soll !!!!
    ...so that´s it
    15. September 2013 15:13:02 CEST
    0
  • ooooh.... weiter weiter weiter.... biiiitteeee *hechel* :D
    15. September 2013 20:13:54 CEST
    0
  • Tausend dank euch Dreien!! :D
    Dann mach ich mal ganz schnell weiter - und wünsche euch viel Spaß bei diesem Abschnitt!!! ;) =)

    ****

    Scully lief mit verschränkten Armen über die Wiese in Skinners Garten.
    Die kühle Nachtluft hatte sie komplett eingehüllt und sie fröstelte leicht.
    Langsam beruhigte sie sich wieder. War sie noch vor wenigen Minuten stocksauer und total enttäuscht aus dem Wohnzimmer geflüchtet, waren diese Gefühle schnell wieder verschwunden gewesen und hatten nun einem unbehaglichen und schuldbewussten Empfinden Platz gemacht.
    Sie fühlte sich ziemlich schlecht, weil sie Mulder so angegriffen hatte.
    Er hatte es ja nur gut gemeint.
    Obwohl sie wusste, dass sie im Grunde mit ihren Anschuldigungen rechtgehabt hatte, wusste sie doch, dass er das nur tat, weil sie ihm so wichtig war und weil er sie liebte.
    Und hatte sie ihm nicht selbst die ganze Zeit verheimlicht, was ihre Ängste anging?
    Um ihn zu schützen?
    Damit er sich nicht noch mehr Sorgen und Gedanken um sie machte.
    Im Grunde war es doch das Gleiche.
    Sie seufzte und machte ein gequältes Gesicht. Mulders trauriger und erschrockener Blick, als sie ihm den Ring in die Hand gedrückte hatte. DAS hätte sie nicht machen dürfen. Denn natürlich hatte sie das nicht so gemeint. Das letzte, was sie wollte, war Mulder zu verlieren.
    Nachdenklich schaute sie auf den Boden, doch sehen konnte sie in der Dunkelheit so gut wie nichts. Sie war um das Haus herumgelaufen und hatte den Lichtschein aus dem Wohnzimmer, der ein Stück den Garten erhellt hatte, hinter sich gelassen.
    Sie rieb sich wärmend über die Arme.
    Ein schwaches Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, während ihre Gedanken an einen Abend in ihrem Urlaub zurückgingen…

    Die Sonne war bereits seit einigen Stunden untergegangen.
    Das Meer war dunkel, fast schwarz. Doch man konnte die Felsen weit draußen, an denen sich die kleinen Wellen brachen, im Licht des Mondscheins erkennen.
    Der Mond selbst spiegelte sich im Wasser – hinterließ einen seidigen hellen Schimmer auf der sich leicht bewegenden Wasseroberfläche.
    Scully stand am Strand, nahe dem Wasser, und beobachtete intensiv dieses faszinierende Naturschauspiel.
    Sie war gefangen von der Ruhe und Friedlichkeit des Moments – von dem Anblick dieser herrlichen nächtlichen Szenerie.
    Bedächtig schloss sie die Augen.
    Roch die salzigen Nuancen des Meeres, die in der Luft lagen – vermischt mit dem mineralisch - kalkigen Geruch des Sandes. Ein leichter warmer Wind wehte einzelne Haarsträhnen in ihr Gesicht.
    Plötzlich huschte ein liebevolles Lächeln über ihre Lippen und sie öffnete ihre Augen.
    Sie hörte Schritte – hörte, wie Mulder langsam auf sie zukam. Der Sand knirschte leicht unter seinen Schuhen. Er stellte sich neben sie und sie spürte seine Hand auf ihrem Rücken.
    Eine Weile standen sie schweigend beisammen und genossen die Nähe des anderen.
    „Es ist so wunderschön hier“, unterbrach Scully dann leise die angenehme Stille.
    „Mmhh…“
    Scully blinzelte und schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Dann schaute sie zu Mulder auf. Sein Blick war auf das weite Meer gerichtet. Er schien in Gedanken zu sein – wie bereits den ganzen Tag.
    „Stimmt irgendetwas nicht?“
    Mulder sah sie daraufhin an.
    „Du bist so schweigsam. Als würde dich etwas sehr beschäftigen.“ Ihre Stirn legte sich besorgt in Falten. „Wolltest du nicht ein wenig vergessen, was…“
    Sie verstummte, als sie Mulders leichtes Schmunzeln wahrnahm. Seine braunen Augen fixierten die ihren auf wundersame Weise.
    „Ich würde dir gerne etwas sagen, Scully“, gestand er leise.
    Scully lächelte ermutigend – aber auch etwas überrascht.
    „Okay…“
    Vorsichtig nahm er ihre Hände.
    „Du hast es gerade angedeutet. Ich versuche, nicht daran zu denken. Nicht darüber zu grübeln, was uns noch bevorstehen könnte. Doch das gelingt mir leider nicht immer.“
    Scully neigte ihren Kopf zur Seite. Ihr Blick war voller Mitgefühl aufgrund seiner ehrlichen Worte.
    „Ich weiß nicht, was uns in der Zukunft erwarten wird. Und auch nicht, wo unser Weg uns hinführen wird. Doch ich möchte, dass du Eines weißt.“ Er sah ihr tief in die blauen, im Mondschein leuchtenden Augen. „DU… gehörst zu meiner Zukunft… Ich liebe dich… und ich kann mir ein Leben ohne dich nicht vorstellen.“
    Scully lächelte zutiefst gerührt. Sie wollte ihm etwas erwidern, doch Mulder sprach weiter.
    „Du kennst mich besser als sonst jemand auf der Welt. Deshalb weißt du, dass ich manche Dinge eigentlich
    nicht machen würde.“
    Aufgrund seiner letzten Worte schaute Scully nun doch etwas irritiert.
    „Jaaa…?“
    Mulder drückte ihre Hände fester. Er war sichtlich nervös.
    „Wenn ich aber plötzlich… so etwas…
    doch machen würde…“ Er wartete und Scully fuhr wie selbstverständlich fort.
    „Dann würde ich dich zuerst einmal auf Kopfverletzungen untersuchen.“ Sie grinste leicht. „Wenn ich nichts finden würde, müsste ich andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Hypnose, Trance…“ Neckend zog sie eine Augenbraue nach oben. „Voodoo,… ein Geist, der sich deines Körpers bemächtigt hat,… halluzinogene Stoffe, denen du versehentlich ausgesetzt warst…“
    Mulder musste lachen.
    Und Scully beendete daraufhin ihre Aufzählung und stimmte ebenfalls in das Lachen mit ein.
    Doch schnell verstummten sie wieder und sahen sich einen Moment schweigend, beinahe abwartend an. Mulder hielt immer noch ihre Hände, während seine Miene wieder ernster wurde.
    „Oder?“
    Und auch bei Scully verschwand der amüsierte Blick langsam.
    „Oder…“, begann sie sanft. „… ich würde davon ausgehen, dass du deine Meinung bezüglich dieser Sache geändert hast.“ Ihr Blick war eindringlich und bestimmt, während sie ruhig weitersprach. „Und dass du… nach reichlicher Überlegung… zu der Überzeugung gekommen bist, dass es… obwohl du vielleicht früher anders darüber gedacht hast…
    jetzt richtig ist.“
    Ein zufriedenes Lächeln huschte über Mulders Lippen und Scully erkannte darin sofort, dass er genau gewusst hatte, dass sie ihn richtig einschätzen und verstehen würde. Doch dann kniff er leicht die Augen zusammen und grinste spitzbübisch.
    „Ich musste nicht überlegen.“
    Scully runzelte daraufhin die Stirn.
    „Und um was…“
    Doch sie verstummte schlagartig.
    Ihre Augen wurden immer größer und ihr blieb fast das Herz stehen, als Mulder sich – im hellen Mondschein, begleitet von sanftem Meeresrauschen und mit einem liebevollen Funkeln in den Augen - vor ihr in den mittlerweile kühlen Sand kniete.


    Im ersten Moment war sie natürlich vollkommen perplex und überrumpelt gewesen, als Mulder sie gefragt hatte, ob sie seine Frau werden wolle. Doch sie hatte keine Sekunde überlegen müssen, um die Antwort auf seine Frage zu wissen.
    Und als er ihr dann noch voller Begeisterung von den verschiedenen Arrangements erzählt hatte, die es auf der Trauminsel gab, war sie noch überraschter gewesen - darüber dass er sich bereits so gründlich informiert hatte.
    In diesem Moment war sie die glücklichste Frau auf der Welt gewesen und hatte sich nicht vorstellen können, dass dieses starke Gefühl jemals wieder aufhören könnte.
    Natürlich hatte sie sich, seitdem sie mit Mulder zusammen war, immer wieder mal einen kleinen Gedanken in diese Richtung gestattet, doch ihn nie ernsthaft zu Ende geführt. Denn sie hätte nie gedacht, dass er das auch wollen könnte. Schon allein eine Beziehung mit ihm zu führen, hätte sie sich zu Beginn ihrer Zusammenarbeit kaum vorstellen können. Zu sehr war er von seiner Arbeit eingenommen und darauf fixiert gewesen. Für ihn hatte nichts anderes gezählt. Keine Freunde, kein Privatleben und schon gar nicht eine Freundin oder gar eine Ehefrau. Doch er hatte sich sehr verändert - vor allem in den letzten beiden Jahren ihrer Zusammenarbeit beim FBI - und realisiert, dass es auch etwas anderes geben kann, für das es sich zu leben lohnt. Die Arbeit war immer mehr in den Hintergrund gerückt und die Verbundenheit und Zuneigung zwischen ihnen immer stärker geworden, bis sie irgendwann ganz gesiegt hatte.
    Scully lächelte.
    Dass es nun Mulder war, der immer wieder von Familienleben sprach, nicht richtig verstanden hatte, warum sie niemanden von ihrer Heirat erzählen wollte, und sich sogar wünschte, dass sie seinen Namen annahm, hätte sie sich nie erträumen lassen.
    Aber vielleicht kam das gerade daher, weil er nie ein richtiges Familienleben gehabt hatte - und sich nun umso mehr danach sehnte.
    Je länger sie diesen Gedanken nachhing, umso schäbiger kam sie sich vor und umso größer wurden ihre Schuldgefühle. Sie musste unbedingt sofort zurück und sich bei ihm entschuldigen. Obwohl sie wusste, dass Mulder ihr dann alles über William erzählen würde, war der Gedanke, ihn so verletzt zu haben, für sie einfach unerträglich.
    Sie blieb noch kurz stehen und schaute geradeaus in die schwarze Nacht. Vor sich konnte sie einen Baum erahnen. Und sie vermutete, dass dahinter der Holzzaun entlanglief, der Skinners Grundstück eingrenzte und den sie bei ihrer Ankunft bemerkt hatte. Sie drehte sich um, um direkt zum Wohnzimmer zurückzugehen, doch nach wenigen Schritten blieb sie abrupt stehen.
    Nur wenige Meter hinter sich hatte sie ein Geräusch gehört. Und sofort verspürte sie das unbehagliche Gefühl, dass sie nicht alleine war. Dass jemand hinter ihr stand und sie beobachtete.
    „Mulder?“ Sie schaute langsam zurück, doch es war zu dunkel, um etwas zu erkennen. Angst schlich sich unter ihre Haut und sie fröstelte noch mehr. „Hallo?“ rief sie in die Nacht, während sie vorsichtig Schritt für Schritt rückwärts Richtung Terrassentür ging. „Ist hier jemand?“
    Erst herrschte eine beklemmende Stille, doch dann hörte sie wieder ein Geräusch. Diesmal noch etwas lauter und viel näher als zuvor. Sie fuhr herum, aber es war zu spät. Noch bevor sie schreien konnte, legte sich eine starke Hand auf ihren Mund, sodass sie kaum mehr Luft bekam. Die andere Hand packte sie erst grob am Oberarm, dann legte sich ein Arm um ihren Hals.
    16. September 2013 13:05:13 CEST
    0