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FIGHT for THE FUTURE – [2/3] Look ahead to imagine a future [FF; MSR]

  • Dann will ich euch mal nicht länger warten lassen ;)

    Teil 2 geht natürlich genau da weiter, wo Teil 1 geendet hat. :D

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    Titel: FIGHT for THE FUTURE – [2] Look ahead to imagine a future
    Rating: PG-13
    Disclaimer: Mulder, Scully & alles, was dazugehört, gehören nicht mir, sondern Chris Carter und 20th Century Fox. Hab sie nur für meine FF geliehen.
    Summary: Mulder und Scully sind zurück. Und das hat gute Gründe. Zum einen wollen sie nicht tatenlos mit ansehen, wie Außerirdische die Welt kolonisieren. Und zum anderen gibt es jemanden, den beide unbedingt wiederhaben wollen. Ihren Sohn William.

    **

    Haus der Familie Van de Kamp,
    Newark, New Jersey
    Donnerstag, 14.05.09 06:14 Uhr

    Niederman war bereits früh aufgestanden und hatte das Frühstück zubereitet.
    Normalerweise war das immer Eileens Aufgabe gewesen - zusammen mit dem Aufwecken des Jungen und dem anschließenden Ritual von Anziehen bis hin zum In-die-Schule-bringen. Doch das würde von nun an nicht mehr so sein.
    In Gedanken hatte er sich bereits eine Erklärung für William über das Verschwinden seiner Mutter zurechtgelegt.
    Er würde ihm weismachen, dass sie ihn verlassen hatte und auch kein Interesse mehr hatte, zu ihnen zurückzukommen.
    Insgeheim war es ihm auch lieber so. Nun konnte er allein die komplette Bewachung des Jungen übernehmen. Und zu allererst musste er ihn zu Holstein bringen.
    Eilig lief er die Treppe zum Kinderzimmer hinauf und klopfte leise an der Tür. Dann öffnete er sie langsam.
    „William? Guten Morgen...“
    Er betrat das Zimmer und das Erste, was er bemerkte, war, dass Buma nicht auf seinem Platz vor Williams Bett lag. Dann fiel sein Blick auf den geöffneten Schrank und die zum Teil herausgezogenen Kleidungstücke.
    Niedermans Augen weiteten sich vor Schreck und Panik als er auf das leere Bett starrte.
    Der Junge war weg!
    So schnell er konnte hastete er die Treppen runter und durchsuchte das komplette Haus. Danach lief er auch noch in den Garten. Doch trotz minutenlangem Suchen und mehrmaligem Rufen blieb William verschwunden.
    Wie in Trance ging er ins Haus zurück. Die schreckliche Wahrheit jagte ihm einen unangenehmen Schauer über den Rücken.
    Zögernd griff er zum Telefon und wählte mit zitternden Fingern.
    Es klingelte nur kurz, dann war ein leises Knacken in der Leitung zu hören.
    „Was gibt es?“ fragte Carver monoton.
    „Der Junge ist weg!“ platzte Niederman sofort heraus.
    „WAS?!“ rief Carver am anderen Ende außer sich.
    „Ich werde alles tun, um ihn wiederzufinden!“ Niedermans Stimme zitterte. „Ich habe auch schon eine Idee, wo er sein könnte“, log er. „Dann bringe ich ihn sofort zu Holstein.“
    „Das hoffe ich für Sie, Niederman! Schaffen Sie den Jungen wieder her! Sie wissen wie wichtig er ist! Wie konnte das nur passieren?!“
    „Ich…“
    „Sparen Sie sich Ihre Ausflüchte, Niederman! Kümmern Sie sich darum. SOFORT!! Ich werde zudem selbst nach ihm fanden lassen.“ Carvers Stimme wurde drohend. „Ich muss mit Sicherheit nicht erwähnen, dass es besser für Sie wäre, wenn SIE ihn finden würden, Niederman!“ Ohne ein weiteres Wort legte er auf. Und Niederman wurde noch blasser als er es eh schon war.
    15. Juli 2013 13:00:02 CEST
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  • Da der Anfang doch recht kurz war, geht es heute gleich weiter ;)
    Diesmal länger und auch mit etwas Action 8o ;)

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    Kennedy-Mietshaus,
    Washington D.C.
    09:03 Uhr

    Ein großer, breitschultriger Mann in einem dunklen Anzug und mit einem eiskalten, starren Blick betrat das Mietshaus.
    Schon im Eingangsbereich traf er auf Mr. Kennedy, der gerade das Treppenhaus kehrte.
    Der schaute etwas erschrocken auf den ihm fremden Mann, begrüßte ihn aber höflich.
    „Guten Morgen, Sir. Kann ich Ihnen helfen?“
    Der Alienkopfgeldjäger zog einen Ausweis aus seiner Tasche und klappte ihn auf.
    Deutlich waren die drei Buchstaben zu sehen, die Mr. Kennedy fast ehrfürchtig einen Schritt zurückweichen ließen.
    „Oh, das FBI“, sagte er leise und klammerte sich an den Besenstiel.
    „Kennen Sie diese Personen?“ fragte der Mann barsch, zog ein Blatt Papier aus seinem Jackett und hielt es Mr. Kennedy vor das Gesicht.

    „Ich muss jetzt los, Mulder“, lachte Scully und wand sich aus seiner Umarmung. „Ich bin doch schon zu spät.“
    Mulder hatte noch geschlafen, als sie aufgestanden war und sich für die Arbeit fertig gemacht hatte. Erst als sie den zu ihrem Kostüm gehörenden Blazer aus dem Schlafzimmer geholt hatte, war er aufgewacht - was dazu geführt hatte, dass sie nun schon mehr als eine Stunde zu spät war. Und das, wo sie doch bei ihren Mitarbeitern auf Pünktlichkeit einen so großen Wert legte.
    „Dann kommt es auf ein paar Minuten mehr oder weniger auch nicht mehr an“, erwiderte er und versuchte sie wieder ins Schlafzimmer zu ziehen.
    „Das glaubst du!“ sagte sie gespielt empört. Doch sie gab nach und folgte ihm.

    „Ja, ich kenne sie“, nickte Mr. Kennedy. Der FBI-Agent hielt immer noch das Bild von Mulder und Scully vor sein Gesicht. „Sie wohnen oben. Im Dachgeschoss.“ Mr. Kennedy deutete die Treppen hoch. „Was...“
    Mr. Kennedy wollte den Fremden gerade fragen, was die Hendersons verbrochen hätten, doch er wurde durch laute Stimmen aus dem ersten Stock unterbrochen. Zwei Frauen waren gut gelaunt und heiter lachend aus einer der Familienwohnungen gekommen.
    Der Mann im dunklen Anzug reagierte blitzschnell.
    Unter seinem Jackett zog er eine Waffe mit Schalldämpfer hervor und richtete sie auf Mr. Kennedy.
    Der war von der Handlung des angeblichen FBI-Agenten so überrascht, dass er weiter zurückwich. Doch natürlich konnte er der Kugel, die sein Gegner nur wenige Millisekunden später abfeuerte, nicht entkommen. Mit einem leisen Aufstöhnen brach er zusammen.
    Der große Mann steckte sofort die Waffe wieder zurück in das Halfter, packte den toten Mr. Kennedy unter den Schultern und zog ihn zur Seite. Eine kleine Kammer unter der Treppe stand offen. Mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit ließ der Kopfgeldjäger die Leiche darin verschwinden. Gerade noch rechtzeitig, denn die beiden Frauen kamen in diesem Moment die Treppen hinunter. Sie unterhielten sich lautstark und hatten nichts von dem Vorfall mitbekommen.
    Als sie unten angekommen waren, schreckten sie durch ein leisen Knarren, das von der Kammer unter der Treppe kam, plötzlich auf.
    „Hallo?“ rief die Jüngere der beiden. Doch dann zeigte sich Erleichterung auf ihrem Gesicht. „Ach, Sie sind es nur, Mr. Kennedy. Guten Morgen.“
    „Guten Morgen“, nickte ihnen der kleine, alte Mann zu und grinste diebisch.

    Im Schlafzimmer griff Scully nach ihrer Tasche, die neben dem Kleiderschrank stand und hängte sie sich über die Schulter, was Mulder mit einem leicht enttäuschten Blick verfolgte.
    „Du willst jetzt wirklich gehen?“ fragte er und lehnte mit verschränkten Armen am Türrahmen.
    „Ich muss...“, antwortete Scully und fuhr ihm durch seine Haare, als sie an ihm vorbei ging.
    Eilig griff sie nach ihren Schlüsseln, die auf der kleinen Kommode in der Diele lagen und ging zur Tür. Ihre Schuhe machten klackende, rhythmische Geräusche auf den Fliesen. Doch bevor sie ihre Hand auf die Klinke legte, drehte sie sich mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen um und blickte zu Mulder, der immer noch in der Schlafzimmertür stand und ihr nachgeschaut hatte.
    Langsam kam er auf sie zu und nahm sie für einen kurzen Moment noch mal in die Arme.
    „Bleib nicht so lange, okay?“, sagte er leise und schaute ihr tief in die Augen.
    „Nein, ich denke nicht, dass es heute spät werden wird.“ Sie strich ihm etwas verträumt über sein T-Shirt, das er sich erst vor wenigen Minuten wieder angezogen hatte.
    Mulder seufzte.
    „Ich werde gleich packen. Ich hoffe, wir sehen uns noch bevor ich mit John zu dem Waisenhaus fahre?“
    Scully lächelte.
    „Natürlich. Ihr wollt doch erst am Abend los.“
    „Schön.“
    Er gab ihr einen langen Abschiedskuss und wünschte ihr einen schönen Arbeitstag.
    Dann öffnete sie die Tür und verließ die Wohnung.
    Eilig lief sie die Treppe hinunter. Unten angekommen traf sie zuerst auf Mrs. Fletcher, der jungen Frau aus dem ersten Stock und deren Freundin. Die beiden standen gerade an den Briefkästen und diskutierten aufgebracht. Dabei wedelte Mrs. Fletcher wütend mit einem schmalen, unscheinbaren Brief.
    „Das ist eine bodenlose Unverschämtheit“, schimpfte sie und ihre Freundin stimmte ihr zu.
    Als sie Scully die Stufen runtereilen hörten, verstummten sie und drehten sich zu ihr um.
    „Guten Morgen“, nickte Scully den beiden Frauen freundlich lächelnd zu und lief sofort weiter.
    „Guten Morgen“, erwiderten beide höflich.
    „Späte dran?“ rief Mrs. Fletcher Scully hinterher - mit einem Augenzwinkern zu ihrer Freundin.
    Scully drehte sich im Gehen zu ihr um und nickte entschuldigend.
    „Viel zu spät!“
    Dann kam sie an Mr. Kennedy vorbei, der mit seinem Besen den Eingangsbereich feinsäuberlich kehrte.
    „Guten Morgen, Mr. Kennedy“, sagte Scully schnell.
    Er sah bemüht unbeteiligt zu ihr auf und lächelte.
    „Ebenfalls einen guten Morgen“, antwortete er. Dann kehrte er weiter und wandte ihr schon wieder den Rücken zu. „Und einen schönen Tag, Mrs. Scully.“
    Scully war bereits an der Tür und blieb wie vom Donner gerührt stehen.
    Sie bewegte sich keinen Millimeter.
    Ihre Hand, die sie gerade auf die Türklinke gelegt hatte, war erstarrt und ihre Augen wurden vor Panik immer größer.
    Sie hatte plötzlich wahnsinnige Angst.
    Denn sie wusste natürlich sofort, wer oder besser was da gerade nur wenige Meter hinter ihr stand.
    *Sie sind hier!* schoss es ihr durch den Kopf.
    Langsam drehte sie sich um und fixierte den Mann, der vorgab ihr netter und hilfsbereiter Vermieter zu sein, von dem sie aber seit dem Moment, als er sie mit Scully angesprochen hatte, wusste, dass er einer der Alienkopfgeldjäger war, der seine Gestalt ändern und die Identität jeder x-beliebigen Person annehmen konnte.
    Um Fassung bemüht ging sie langsam wieder zurück.
    Als der falsche Mr. Kennedy verwundert zu ihr aufblickte und mit dem Kehren stoppte, sagte sie schnell: „Schlüssel vergessen.“ Sie hoffte inständig, dass er ihr das abnehmen würde.
    Mindestens genauso schnell wie sie heruntergekommen war, eilte sie jetzt - an Mrs. Fletcher und ihrer Freundin vorbei - wieder die Treppen hoch.
    Oben angekommen suchte sie hastig nach ihrem Schlüssel und fand mit zitternden Händen nur schwer das Schlüsselloch. Als sie endlich die Wohnung betreten hatte, schlug sie die Tür hinter sie zu.
    „Hast du es dir doch anders überlegt?“ grinste Mulder, als er Scully sah.
    Er hatte gehört, wie sie die Tür geöffnet hatte und war ihr entgegengekommen.
    Doch als er ihre panisch aufgerissenen Augen sah, erschrak er. Sie lehnte mit dem Rücken an der Tür und atmete schnell.
    „Dana, was ist los?“ Sofort war er bei ihr. „Geht es dir nicht gut?“
    „Unten… Am Eingang… Sie sind hier“, keuchte sie nur, doch Mulder wusste sofort, was sie meinte. Ohne etwas zu erwidern griff er ihre Hand, riss sie von der Tür weg und hastete mit ihr ins Wohnzimmer.
    „Pack alle Unterlagen in den Aktenkoffer“, wies er sie an. „Wir müssen hier sofort weg.“
    Scully nickte, stellte ihre Tasche ab und eilte an den Esstisch, auf dem die Fotos und Berichte lagen. So schnell sie konnte packte sie alles in den braunen Koffer, der neben dem Tisch stand.
    Mulder ging derweil ins Schlafzimmer.
    Er hatte bereits seinen Koffer geöffnet auf dem Bett liegen - eigentlich um ihn für den Fahrt mit John zu packen. Doch jetzt warf er wahllos und ohne groß zu überlegen Kleidungsstücke von sich und Scully hinein. Er hatte keine Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was genau er mitnahm.
    Mit Mühe presste er dann den überfüllten Koffer zu.
    Scully, den Aktenkoffer in der Hand und ihre Tasche wieder über der Schulter, stand in der Diele, während Mulder aus dem Schlafzimmer kam.
    „Hast du alles?“ fragte er schnell.
    „Ja“, sagte Scully nervös.
    Besorgt sah Mulder sie an. Sie war blass. Der Schock steckte ihr noch deutlich in den Gliedern.
    „Gut.“ Er ging an ihr vorbei und öffnete vorsichtig die Tür. „Niemand da. Wir verschwinden über das kleine Treppenhaus.“
    „Aber es wird auffallen, wenn ich nicht wiederkomme“, wandte Scully ein. „Dann schöpft er Verdacht.“
    „Das ist jetzt egal“, sagte Mulder, doch Scully schüttelte den Kopf.
    „Ich denke, es wäre besser, wenn ich vorne wieder runtergehen würde.“
    „Nein!“ Mulder fixierte Scully mit seinen dunklen Augen und sie sah, dass er in diesem Punkt nicht mit sich reden ließ. „Du kommst mit mir. Ich werde dich auf keinen Fall alleine da wieder runtergehen lassen.“

    Mrs. Fletcher hatte Scully noch hinterher geschaut, bis sie im Treppenhaus verschwunden war.
    „Was war jetzt das?“ fragte ihre Freundin verdutzt.
    „Oh Susan, du kennst sie ja noch gar nicht“, lachte sie. „Sie und ihr Mann sind vor einigen Wochen in die oberste Wohnung eingezogen. Sie ist Ärztin, soweit ich weiß. Was ihr Mann macht...“ Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“
    Die beiden Frauen merkten nicht, wie Mr. Kennedy, weiterhin geschäftig kehrend, immer näher auf sie zukam und ihr Gespräch belauschte.
    „Sie hatte es aber ganz schön eilig“, bemerkte Susan. „Ist sie immer so hektisch?“
    Mrs. Fletcher lachte und schüttelte den Kopf.
    „Normalerweise geht sie schön ziemlich früh.“ Dann warf sie ihrer Freundin einen vielsagenden Blick zu. „Doch wenn ich so einen Mann hätte, wäre ich auch öfters mal zu spät. Wenn du verstehst, was ich meine...“
    „Oh...“, grinste Susan. „Verstehe. Da sollte ich demnächst die Augen offenhalten, wenn ich dich besuche, wie? Wie heißen die beiden denn?“
    „Ach, ihre Vornamen kenne ich ehrlich gesagt gar nicht.“ Sie schaute neugierig auf den Briefkasten. Dort war allerdings auch nur der Nachname vermerkt. „Ihr Nachname ist zumindest Henderson.“
    Als der falsche Mr. Kennedy das hörte, ließ er geschockt den Besen fallen und die beiden Frauen sahen ihm verwundert hinterher, wie er behände die ersten Stufen des Treppenhauses hinaufhechtete.

    „Also gut“, gab Scully nach.
    Mulder nickte. Dann ging er voran, den schmalen Gang entlang Richtung Notausgang.
    Plötzlich hörten sie laute, schnelle Schritte einige Meter entfernt die Haupttreppe hochjagen.
    Ein kurzer Blick reichte beiden aus, um sich zu verständigen.
    Sofort rannten sie los.
    Nach wenigen Schritten hatten sie zum Glück die kleine Eisentür zum Treppenhaus erreicht.
    Mulder riss sie auf, ließ Scully vorbei und verschwand dann mit ihr.

    Der falsche Mr. Kennedy war inzwischen im obersten Stock angekommen und rannte die wenigen Schritte zur Wohnungstür. Mit einem grimmigen Schnauben schaute er kurz auf das Namensschild über der Klingel. Ohne eine Sekunde zu zögern trat er die Tür ein und stürmte in die kleine Wohnung. Er brauchte nicht lange, um zu realisieren, dass niemand mehr da war. Sofort machte er kehrt und lief instinktiv zu dem kleinen Treppenhaus.

    Mulder und Scully hatten bereits das Erdgeschoss hinter sich gelassen und waren auf den letzten Stufen zur kleinen Tiefgarage des Mietshauses, als sie den lauten Knall hörten, mit dem im obersten Stockwerk die Tür aufflog.
    Mulder sah kurz nach oben, konnte aber nur eine große Gestalt sehen, die hastig näherkam.
    „Schneller Scully“, rief er und rannte hinter ihr durch die Tür in die Garage.
    Ihr Auto stand zum Glück nicht weit weg.
    Mulder betätigte von weitem bereits den elektrischen Türöffner und während Scully den Aktenkoffer und ihre Tasche auf die Rückbank warf und sich auf den Beifahrersitz setzte, verstaute Mulder den kleinen Koffer schnell im Kofferraum und hechtete dann hinter das Steuer.
    „Los, Mulder!“ rief Scully außer Atem. Sie starrte auf die kleine Eisentür zum Treppenhaus und rechnete eigentlich damit, jede Minute den falschen Mr. Kennedy zu sehen. Doch stattdessen betrat plötzlich ein großer, furchteinflößender Mann die Tiefgarage, der ihr natürlich auch nicht unbekannt war und als sie ihn sah, ihr noch einen größeren Schrecken einjagte – obwohl sie ja bereits gewusst hatte, dass sie es mit ihm zu tun hatten. Denn da nun seine Tarnung aufgeflogen war, machte der Alienkopfgeldjäger sich nicht mehr die Mühe, weiterhin transformiert herumzulaufen. Er hatte nun sein ursprüngliches und gleichzeitig weitaus bedrohlicheres Aussehen angenommen. „MULDER! Er kommt!!“
    Das Auto gab ein lautes Aufheulen von sich, gefolgt vom Quietschen der Reifen, als Mulder zurücksetzte und von der Parklücke direkt auf die Ausfahrt zuhielt.
    Der Kopfgeldjäger rannte los - direkt von der Seite auf sie zu.
    Mulder konzentrierte sich nur auf die Straße vor sich, während Scully die immer näherkommende Gestalt verfolgte. Doch dann gab Mulder noch mehr Gas, schoss den kleinen Anstieg hoch und schlidderte direkt auf die zum Glück nur leicht befahrene Straße. Mit Mühe riss er das Lenkrad rum, fädelte sich mit quietschenden Reifen und unter empörtem Hupen der anderen Autofahrer in den Verkehr ein und raste davon.
    Der Kopfgeldjäger erreichte in diesem Moment die Straße, konnte dem Wagen aber nur noch tatenlos hinterhersehen.
    Langsam holte er sein Handy aus der Hosentasche, drückte die Direktwahltaste und wartete einen Moment.
    Dann sprach er mit monotoner Stimme:
    „Sie sind entkommen, Mr. Carver.“ Nach einer kurzen Pause. „Nein, der Junge war nicht bei ihnen. Wir müssen weitersuchen.“
    16. Juli 2013 13:17:14 CEST
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  • Es geht weiiiiter... :D
    Hab noch ein wenig an dem Abschnitt rumbasteln müssen. Mit einigen Stellen war ich irgendwie nicht zufrieden.
    Doch jetzt ist es ganz okay... denke ich.
    Ich hoffe, ihr seht das ähnlich ?!

    Weiterhin viel Spaß! =)

    ****

    Super-8-Motel,
    Washington D.C.
    09:58 Uhr

    Mulder lenkte den Wagen die Auffahrt zu einem kleinen Super-8-Motel hinauf.
    Nachdem er zuerst direkt auf den Highway gefahren war, hatte er ihn auch genauso schnell wieder verlassen - um zu überprüfen, ob ihnen jemand folgte. Doch er hatte keinen verdächtigen Wagen bemerkt. Auf den Highway waren nur drei Autos mit ihnen aufgefahren und danach waren sie alleine wieder abgefahren. Erleichtert hatten sie wenige Kilometer später das Motel entdeckt und es kurz entschlossen angesteuert.
    Nun stieg Mulder aus, um für die nächsten Tage ein Zimmer zu reservieren, während Scully im Wagen blieb und auf ihn warten wollte.
    Sie war immer noch blass.
    Langsam und nachdenklich fuhr sie sich mit der Hand über den Nacken und drehte den Kopf leicht hin und her. Als könne sie durch das Lockern ihrer Muskeln auch ihre emotionale Verspannung lösen. Doch der Schock saß tief.
    Etwas ratlos runzelte sie die Stirn.
    Sie war verwundert, wie nah ihr das Aufeinandertreffen mit dem Kopfgeldjäger gegangen war. Eigentlich hatte sie gedacht, dass sie sich darauf geistig vorbereitet hätte.
    Dass sie bei ihrem Vorhaben nicht ewig unentdeckt bleiben und auch auf die düstersten Gestalten ihrer Vergangenheit treffen würden, war ihr im Grunde bewusst gewesen. Doch schon im ersten Moment, als sie erkannte hatte, dass nicht der echte Mr. Kennedy hinter ihr stand, war ihr ganz anders geworden. Ohne dass sie etwas dagegen hätte tun können.
    Und als sie nun auch noch über die möglichen Gründe nachdachte, warum er bei ihnen aufgetaucht war, wurde ihr noch schlechter und leichte Panik stieg in ihr auf. Gequält und voller Sorge schloss sie die Augen, während sie realisierte, dass das die Hauptursache für ihre Angst und ihr Unbehagen war.
    Sie atmete tief aus - wurde dann aber aus ihren Gedanken gerissen, als die Fahrertür aufging.
    Mulder rutschte auf den Fahrersitz und startete den Wagen.
    „Sie hatten noch ein Zimmer frei.“
    „Zum Glück…“, seufzte Scully.
    Mulder parkte nur wenige Meter weiter direkt vor einem niedrigen Gebäude mit mehreren nebeneinanderliegenden Türen.
    Er trug die beiden Koffer in das gemietete Zimmer. Scully betrat nach ihm den Raum.
    „Nichts Besonderes“, bemerkte er. „Doch es wird uns für die nächsten Tage reichen.“
    Das Zimmer war klein und spärlich eingerichtet. Es hatte ein Bett, zwei Nachttische, einen großen Sessel mit einer Stehlampe direkt vor dem Fenster, eine kleines Sideboard mit einem Fernseher und einen eingebauten schmalen Kleiderschrank. Dann gab es noch eine Tür, die in ein ebenso kleines aber zweckmäßig eingerichtetes Bad führte.
    „Wir haben schon in schlechteren Unterkünften übernachtet“, bemerkte Scully monoton und legte ihre Tasche aufs Bett.
    „Stimmt“, lächelte Mulder und stellte die Koffer neben dem Sessel ab.
    Scully setzte sich mit einem leisen Seufzer auf das Bett und sah zu ihm auf.
    „Warum war er gerade jetzt bei uns?“ sprach sie nun leise die Frage aus, die sie die ganze Zeit über bedrückte. „Was ist passiert?“
    Mulder kaute nachdenklich auf seiner Unterlippe.
    „Ich weiß es nicht.“
    „Ich glaube nicht, dass sie erst jetzt mitbekommen haben, dass wir in Washington sind, und nun beschlossen haben, uns beobachten zu wollen.“
    „Das denke ich auch nicht. Die wissen mit Sicherheit spätestens seit deinem Arbeitsbeginn beim FBI, dass wir hier sind.“
    „Aber warum kommen die jetzt auf die Idee, uns aufzulauern?“ fragte Scully. Die Unsicherheit in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
    „Du denkst, die wollten uns nur ausspionieren?“ Mulder setzte sich neben sie.
    „Ja, der Kopfgeldjäger, der sich als Mr. Kennedy ausgegeben hat, hätte mich einfach zur Arbeit gehen lassen. Er hatte mir ja sogar einen schönen Tag gewünscht.“ Sie sah etwas traurig von ihren Händen auf und Mulder direkt in die Augen. „Was ist, wenn mit William etwas passiert ist?“ flüsterte sie.
    Mulder sah die Angst in ihrem Gesicht. In diesem Moment verstellte sie sich nicht, versuchte nicht stark zu sein, sondern gewährte ihm einen Einblick in ihre Gefühle. Und Mulder nahm sie sofort in die Arme.
    „Das denke ich nicht“, versuchte er sie zu beruhigen. „William geht es gut. Denk doch daran, was Monica erzählt hat. Dort, wo er im Moment ist, ist er in Sicherheit.“
    „Hoffentlich hast du Recht.“ Scully klang nicht überzeugt, beließ es aber dabei.
    „So.“ Mulder sah sie liebevoll an. „Du wirst dich nun erst einmal hinlegen und etwas ausruhen.“ Vorsichtig strich er ihr mehrere Haarsträhnen aus dem müden Gesicht und schob sie ihr hinters Ohr. „Du bist immer noch ganz blass.“
    Doch Scully schüttelte den Kopf, begleitet von einem tiefen Seufzer.
    „Ich hab doch keine Zeit, Mulder. Ich muss ins Labor. Ich denke nicht, dass beim FBI eine Gefahr besteht. Das Öl… Ich wollte doch einige Tests...“
    „Nein“, widersprach Mulder eindringlich. Dann etwas leiser: „Bitte. Ruh dich heute einfach aus. Du hast schon die letzten Tage so viel gearbeitet.“
    „Aber wir verlieren nur noch mehr Zeit. Das können wir uns nicht leisten.“
    „Wir können uns aber auch nicht leisten, dass einer von uns keine Kraft mehr hat, für das, was noch vor uns liegt.“ Sein Blick war mitfühlend. Er wusste genau, wie sich Scully in diesem Moment fühlte. Doch er durfte sie in dieser Verfassung nicht gehenlassen. „Bitte… Mir zuliebe.“
    Scully überlegte kurz und sah dann mit einem schwachen Lächeln zu ihm auf.
    „Na gut…“
    Ihre Angst und das unbehagliche Gefühl blieben allerdings.
    Zudem kamen nun auch noch schonungslos die beklemmenden Gedanken und Gefühle wieder hoch, die sie nach dem Todesfall des Mannes und seiner kleinen Tochter noch hatte erfolgreich ausblenden können.
    Doch jetzt gelang es ihr nicht mehr.
    20. Juli 2013 21:32:54 CEST
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  • 958
    wow, na das war ja mal ein Auftakt! Unglaublich, du bist SO talentiert! Ich würde mir echt mal überlegen, sowas als Nebenverdienst in Betracht zu ziehen! Du schreibst wirklich sehr professionell und alles wirkt immer sehr gut recherchiert! Weiter so, ich freu mich jedes Mal, was neues von dir zu lesen! :)
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    22. Juli 2013 01:35:51 CEST
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  • Vielen Dank für das super tolle Feedback!! =) =) =)

    Ich bin nämlich schon ziemlich gespannt, ob euch dieser Teil ebenso gefallen wird wie der 1. Teil.
    Der 2. Teil ist nämlich von der Art etwas anders.
    Schneller, mit mehr "Szenenwechsel" und nicht mehr so viele Rückblenden und Erinnerungen.

    Deshalb freue ich mich über jede Rückmeldung von euch!! =)
    Danke noch mal, cliohres!
    22. Juli 2013 13:47:49 CEST
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  • Wohnsiedelung,
    Newark, New Jersey
    10:15 Uhr

    William trottete mit seinem Rucksack auf dem Rücken den Gehsteig der Newarker Wohnsiedlung entlang. Buma tapste folgsam neben ihm her. Ab und zu schaute William zu seinem Hund runter und sprach mit ihm.
    Der Junge kannte den Weg sehr gut, obwohl dieser lang war und er ihn selbst nur wenige Male zu Fuß gegangen war.
    Doch es war ein Leichtes für ihn, an sein Ziel zu gelangen, da er sich gut an einzelne Punkte erinnern konnte – was ihm öfters passierte.
    Manche Dinge sah er selbst nach Tagen noch so deutlich vor seinem inneren Auge, als hätte er sie lediglich wenige Sekunden zuvor betrachtet. Für ihn war das allerdings etwas ganz Normales - er konnte sich einfach bestimmte Dinge sehr leicht und lange merken.
    Deshalb hatte er auch keine Bedenken gehabt, dass er sich verlaufen könnte.
    Nach einer weiteren Abbiegung sah er endlich sein Ziel.
    Das Haus, in dem sein bester Freund wohnte.
    Zielstrebig lief er darauf zu, an den hohen Bäumen und den parkenden Autos vorbei.
    Er wollte ihn bitten, ihm zu helfen, seine Eltern zu finden.
    „Wir sind gleich da“, sagte William zu Buma. Der schaute zu seinem Herrchen auf und bellte zustimmend.
    William passierte gerade die Hecke, die das Grundstück seines Freundes von dessen Nachbarn abgrenzte, als er ein altbekanntes Motorengeräusch hörte, das immer näher kam.
    Panisch riss William die Augen auf und kauerte sich schnell hinter die Hecke.
    „Leise Buma“, zischelte er und griff nach dem Halsband des Hundes, um ihn festzuhalten.
    Der Wagen hielt direkt vor der Auffahrt, nur wenige Meter von ihm entfernt.
    Ganz vorsichtig lugte William zwischen den Ästen hindurch, während Buma gehorsam neben ihm auf dem Boden lag.
    Sein Gehör hatte ihn nicht getäuscht. Als er den schwarzen Wagen sah, erkannte er ihn sofort. Und als die Tür aufgestoßen wurde und sein Adoptivvater ausstieg, wich William zunächst erschrocken zurück. Doch er ging gleich darauf wieder näher ran, um zu sehen, was Jacob vorhatte.
    Jacob eilte die Auffahrt hinauf und direkt zur Haustür, wo er ungeduldig mehrere Male klingelte. Er hatte Schweißperlen auf der Stirn und sah deutlich mitgenommen aus.
    Die Tür wurde geöffnet und die Mutter seines besten Freundes trat ins Freie.
    „Jacob? Was ist los?“ fragte sie sofort besorgt.
    „Hast du William gesehen? Ist er bei dir??“
    „William?“ Sie schaute irritiert. „Nein… Warum? Ist etwas passiert?“
    „Nein… äh…ja.“ Jacob fuhr sich nervös durch die Haare. „Er ist weggelaufen.“
    „Oh nein!“ rief sie erschrocken. „Warum denn das?“
    „Das ist eine lange Geschichte“, antwortete Jacob nur kurz angebunden.
    „Hast du die Polizei gerufen? Damit sie auch nach ihm suchen!“
    „Äh…“, Jacob zögerte. „Ja…äh… Natürlich. Ich muss ihn finden!! Kannst du mir bitte Bescheid geben, wenn er sich bei dir melden sollte?“
    „Natürlich“, sagte sie sofort. „Ich werde auf alle Fälle…“
    Mehr hörte William von der Unterhaltung nicht.
    Ein Bus hatte gerade an der nur wenige Meter entfernten Haltestelle angehalten und William rannte, zusammen mit Buma, ohne zu Zögern auf ihn zu. Er hastete in den Bus und blieb außer Atem vor dem Busfahrer stehen.
    „Nur langsam, mein Junge“, lachte der alte Mann freundlich. „Ein Ticket?“
    „Ja. Wo fahren Sie denn hin?“
    „Endstation wäre die Bahnhofhaltestelle in New York.“
    „New York ist gut“, sagte William schnell, bezahlte die Fahrkarte und während der Busfahrer die Tür schloss und der Bus sich in Bewegung setzte, schob sich der Junge zusammen mit Buma in der hintersten Reihe auf den Sitz am Fenster zur Fahrbahn – sodass Jacob ihn auf keinen Fall sehen konnte, wenn der Bus an ihm vorbeifuhr.


    Super-8-Motel,
    Washington D.C.
    11:16 Uhr

    Mulder stand vor dem Motelzimmer und zog sein Handy aus der Tasche. Mit schnellen Bewegungen wählte er Johns Nummer und bereits nach wenigen Sekunden wurde abgenommen.
    „John, hier ist Mulder.“
    „Hallo. Ist etwas passiert?“
    „Kann man so sagen.“ In wenigen Sätzen berichtete Mulder, was sich in ihrer Wohnung abgespielt hatte. John hörte aufmerksam zu. Es war ihm anzumerken, dass er beunruhigt war.
    „Das sieht nicht gut aus, Mulder“, bemerkte er dann. „Ohne Grund ist er sicherlich nicht bei euch aufgetaucht.“
    „Ich kann mir aber nicht erklären, was er wollte. Er hatte anscheinend nicht vor, uns anzugreifen.“
    „Zumindest seid ihr jetzt in Sicherheit. Wie geht es Dana?“
    Mulder kniff kritisch die Augen zusammen und lief ein paar Schritte an der Motelanlage entlang.
    „Nicht so gut“, seufzte er. „Das Ganze hat sie ziemlich mitgenommen.“
    „Kann ich verstehen… Und was ist mit dir?“
    „Ging schon mal besser… Ich hoffe, wir erleben nicht noch öfters solche Überraschungen.“ Mulder machte eine kurze Pause. „Können wir die Fahrt nach Stamford auf morgen Früh verschieben?“
    „Ja, natürlich. Ob wir nun heute Abend oder morgen Früh fahren ist doch im Grunde egal.“
    „Gut… Danke. Der Treffpunkt bleibt der Gleiche.“
    „In Ordnung.“
    Sie verabschiedeten sich.
    Mulder war mittlerweile wieder vor seiner eigenen Zimmertür angekommen.
    Leise betrat er den Raum.
    Zu seiner Erleichterung stellte er fest, dass Scully immer noch schlief. Sie lag mit dem Rücken zum Fenster unter der dünnen Tagesdecke, die über das Bett ausgebreitet war, und atmete tief und gleichmäßig. Mulder legte sich vorsichtig neben sie.
    Nachdem er sie eine Weile betrachtet hatte, fielen auch ihm die Augen zu. Zunächst döste er nur, glitt dann allerdings in einen leichten, traumlosen Schlaf über.
    Es war später Nachmittag, als Scully aufwachte - was sie an dem dämmrigen Licht im Raum gut erkannte. Verwundert runzelte sie die Stirn, da sie Mulder direkt neben sich liegen sah.
    Behutsam fuhr sie ihm über die Schulter und da er nicht tief geschlafen hatte, wachte er von der leichten Berührung sofort auf.
    „Mulder…“, sagte sie leise. „Du musst los.“
    Mulder lächelte Scully liebevoll an.
    „Ich habe vorhin mit John gesprochen. Wir fahren erst morgen Früh.“
    Scully reagierte irritiert.
    „Wieso?“
    „Ich… Wir können eh nicht gleich frühs bei dem Waisenhaus auftauchen.“ Er stützte den Kopf auf seine Hand. „Außerdem wollte ich nach dem, was heute passiert ist, nicht mehr fahren.“
    Scully sah zu Seite, ihr grimmiger Blick sprach Bände.
    „Ich bin kein kleines Kind, Mulder. Du musst nicht wegen mir bleiben.“
    Er lächelte. Diese Reaktion hatte er erwartet.
    „Sei bitte nicht böse“, sagte er sanft. „Aber wenn ich ehrlich bin, bleibe ich nicht nur, damit du nicht alleine bist. Ich selbst würde mich heute lieber mit etwas anderem beschäftigen, als mir über Alienkopfgeldjäger, Hybride oder dergleichen den Kopf zu zerbrechen. Und das kann ich nicht, wenn ich mit John zu dem Waisenhaus fahren würde.“
    Scully schielte skeptisch zu ihm rüber.
    „Dana…“ Er neigte den Kopf zur Seite. „Hast du vielleicht Hunger? Nur wenige Meter von hier entfernt ist ein kleines Restaurant. Was hältst du von einem gemütlichen Abendessen? Ich zumindest habe riesigen Hunger.“
    23. Juli 2013 13:35:45 CEST
    0
  • Einfach super!!! Ich warte immer total gespannt auf den nächsten Abschnitt!!! Du schreibst echt wie ein richtiger Autor. Und Mulder und Scully sind so gut getroffen. Lange Rede kurzer Sinn, MACH WEITER SO!!!!!!!!!! :D
    24. Juli 2013 14:45:24 CEST
    0
  • Danke!! Das freut mich sehr! =) =)
    Denn Mulder und Scully möglichst authentisch darzustellen ist im Grunde das oberste Ziel - neben eine gute Story zu erzählen natürlich :P :D

    ****

    Fußgängerzone,
    New York City
    Freitag, 15.05.09 08:10 Uhr

    William lief, von den vorbeigehenden Passanten unbeachtet, eine belebte Fußgängerzone entlang.
    Die meisten Geschäfte hatten erst vor wenigen Minuten geöffnet, doch der Andrang war bereits um diese Uhrzeit sehr groß. Trotzdem war es William gelungen von seinem gesparten Geld bei einem Bäcker zwei belegte Brötchen zu kaufen. Eines der Brötchen hatte er Buma gegeben, der es schnell und gierig verschlungen hatte. William hatte das schmunzelnd mitverfolgt und sein Brötchen zwar langsamer aber mit ebenso viel Hunger aufgegessen.
    Nach einer Weile gelangte er an eine freie Bank, die sich neben einem kleinen Brunnen befand, und setzte sich. Seinen Rucksack stellte er neben sich, während Buma sich vor ihm auf den Boden legte und abwartend zu ihm aufblickte.
    „Ich weiß, was du willst“, grinste William und zog den Reißverschluss an seinem Rucksack auf. „Hier.“ In der Hand hielt er ein weißes Papier, unter dem nun eine Wurst zum Vorschein kam. Buma kommentierte das mit freudigem Bellen und William ließ sich nicht lange bitten, riss ein Stück von der Wurst ab und warf es Buma vor die Füße. Und der Hund schnappte freudig danach.
    William schmunzelte zwar, doch er schaute auch etwas ratlos, als er sich mit einem tiefen Seufzer an die Bank zurücklehnte.
    Er wusste nicht, was er als nächstes tun sollte oder wer ihm helfen konnte. Nur eines wusste er - zur Polizei konnte er nicht gehen. Schließlich hatte Jacob diese über sein Verschwinden informiert und sie würden ihn lediglich wieder zu ihm zurückbringen.
    „Hast du eine Idee, Buma?“ fragte er seinen treuen Gefährten, der eifrig den kleinen Wurstbrocken nachjagte, die sein Herrchen ihm zuwarf.
    William seufzte erneut und beobachtete die Menschen, die an ihm vorbeigingen. Während er nachdenklich auf seiner Unterlippe kaute, überlegte er fieberhaft, wo er nach seinen Eltern suchen sollte. Schließlich hatte er nichts außer den beiden Bildern…



    FBI-Hauptquartier,
    Washington D.C.
    08:20 Uhr

    Einige hundert Kilometer weiter südlich machte jemand in diesem Moment genau das gleiche Gesicht.
    Gedankenverloren drehte Mulder sich um und hielt weiterhin nach John Ausschau, der bereits fünfzehn Minuten zu spät war.
    Er stand mit einer schmalen Reisetasche, die er sich in dem kleinen Laden neben dem Motel gekauft hatte, im Schatten der Bäume des kleinen Parks nur wenige Meter vom FBI-Gebäude entfernt. Den Kragen seiner Lederjacke hatte er nach oben gestellt, um sich zum einen vor dem kühlen Wind, der gerade durch Washington blies, aber auch vor ungebetenen Blicken zu schützen. Denn er wollte kein unnötiges Risiko eingehen, gesehen zu werden.
    Scully hatte zwar gemeint, dass es beim FBI bestimmt sicher sei, doch Mulder wollte sein Glück nicht unnötig herausfordern. Außerdem wollte er Kline nicht noch einmal über den Weg laufen.
    Doch während er konzentriert seine Umgebung im Auge behielt, waren seine Gedanken ganz woanders.
    *Scully...* Er atmete tief aus. Er machte sich immer noch Sorgen um sie.
    Obwohl sie sich an diesem Morgen schon besser gefühlt und auch nicht mehr so mitgenommen gewirkt hatte, hatte er sie nur ungern alleine zurückgelassen. Natürlich hatte sie darauf bestanden und ihm versichert, dass es ihr wirklich wieder gutginge - was er allerdings nicht so ganz glaubte. Er vermutete, dass sie ihre wahren Gefühle zurückgestellt hatte, damit er – möglichst ohne Bedenken – nach Stamford fahren konnte.
    Ihm passte es überhaupt nicht, dass er sie in diese Situation gebracht hatte. Doch er musste sich auch eingestehen, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass sie so empfindlich auf die ganzen Ereignisse reagieren und sie das Ganze so dermaßen mitnehmen würde.
    Nach ihrem Zusammenbruch vor ein paar Tagen, als sie das von William erfahren hatte, war sie ihm wieder ziemlich stark vorgekommen. Und seit sie beim FBI die Stelle angenommen hatte, war sie fast wieder so wie früher. Engagiert und zielstrebig - und das fast zu arg, wenn er an ihr Arbeitspensum der letzten Tage dachte.
    Noch in Gedanken griff er nach seinem Handy. Er hatte bereits seinen Finger auf der Direktwahltaste zu Scullys Telefon, als er eine Person aus dem FBI-Gebäude herauskommen sah. Es war John, der eine kleine Tasche in der Hand trug.
    Zielstrebig überquerte er die Straße und kam auf Mulder zu, der das Telefon daraufhin wieder in die Jackentasche steckte.
    „Entschuldige, Mulder“, sagte John, als er ihn erreicht hatte. „Skinner war noch kurz bei uns. Wir haben ihm erzählt, was passiert ist. Er weiß allerdings nicht, was er davon halten soll.“
    Mulder seufzte.
    „Ich auch nicht. Scully befürchtet, dass irgendetwas mit William ist. Dass der Kopfgeldjäger deshalb bei uns war.“
    John runzelte die Stirn.
    „Das kann ich mir nicht vorstellen. Was soll denn mit ihm sein? Schließlich wird er von zwei Personen sozusagen bewacht. Ich vermute eher, dass das nur ein Kontrollbesuch war. Es war ja nur ein Zufall, dass Dana den Kopfgeldjäger erkannt hat.“
    „Mmhh…“ Mulder zuckte nur mit den Schultern. Dann sah er auf seine Uhr. „Können wir los?“
    John nickte und lief mit Mulder durch den kleinen Park.
    Auf der anderen Seite angelangt, warteten sie nur wenige Minuten. Dann kam ein Wagen und hielt direkt neben ihnen. Monica stieg aus und kam auf sie zu.
    Sie hatten vorher vereinbart, dass sie den Wagen aus der FBI-Garage holen und dann Mulder und John übergeben sollte. So hatte Mulder das FBI-Gebäude nicht betreten müssen und es war auch nicht aufgefallen, dass John mit dem Auto weggefahren war.
    „Also dann“, sagte Monica. „Seid bitte vorsichtig. Wer weiß, wen ihr am Waisenhaus antreffen werdet. Und haltet uns auf dem Laufenden.“
    „Machen wir“, sagte John und während er bereits am Wagen war und das Gepäck einlud, wandte sich Mulder an Monica.
    „Hier.“ Er drückte ihr seinen Schlüssel zum Motelzimmer und eine Broschüre des Motels, auf dem die Zimmernummer notiert war, in die Hand. „Ich hoffe zwar nicht, dass du ihn brauchen wirst, doch man weiß ja nie… Scully war heute Morgen immer noch so ruhig und nachdenklich. Sie hat fast nichts gesagt. So schweigsam und in sich gekehrt kenne ich sie gar nicht.“
    Monica schaute ernst.
    „Ich passe auf sie auf. Versprochen.“
    Mulder nickte nur und setzte sich dann zu John in den Wagen.
    25. Juli 2013 13:17:14 CEST
    0
  • 958
    uuuuuuui toll! :D Hach, was bin ich schon gespannt, wie das Ganze ausgehen wird... v.a. wie man sich dann das Aufeinandertreffen von William mit seinen Eltern vorzustellen hat... =) Weiter so!
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    25. Juli 2013 17:02:06 CEST
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  • Darfst noch eine Weile gespannt bleiben! :D
    Es dauert noch ein wenig, bis man erfährt, OB William seine Eltern findet, oder ob nicht doch vielleicht das Syndikat ihn wieder in die Finger bekommt :D ;)

    Schönes Wochenende!

    ****

    Carvers Privatvilla,
    Philadelphia, Pennsylvania
    11:02 Uhr

    Carver schlug mit der Faust auf seinen Schreibtisch.
    „Ein Junge kann doch nicht einfach so verschwinden, Niederman!“ brüllte er ins Telefon. „Sie sagten doch, Sie würden ihn so gut kennen. Haben Sie seine Freunde, die Schule, seine Lehrer befragt?“
    „Ja, natürlich“, stammelte Niederman am anderen Ende der Leitung.
    „Dann müssen Sie eben die Suche ausdehnen. Informieren Sie Jones bei der Polizei. Er soll sich erkundigen, ob irgendwelche Meldungen über einen Jungen, der ohne Eltern unterwegs ist, reingekommen sind! Vielleicht erreichen wir so etwas.“
    Voller Wut knallte er den Hörer wieder auf die Station.


    13:20 Uhr

    „Das kann doch nicht wahr sein“, stöhnte Mulder als sie mit ihrem Wagen erneut zum Stehen kamen. Es war bereits der dritte Stau, in den sie hineingerieten und es sah auch diesmal nicht so aus, als würden sie so schnell wieder an Fahrt aufnehmen. „Wenn das so weitergeht, kommen wir heute nicht mehr an.“ Er schielte auf seine Armbanduhr. Sie waren bereits mehrere Stunden unterwegs – doch sie hatten gerade Mal die Hälfte der Streckte hinter sich gebracht.
    „Zum Glück haben wir am letzten Rastplatz was zu Essen und Trinken mitgenommen“, seufzte John und griff nach hinten, wo er aus einer braunen Papiertüte eine kleines Plastikflasche Wasser herausholte.
    „Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wir wären gestern Abend gefahren“, murmelte Mulder wie zu sich selbst.
    John sah ihn an.
    „Das meinst du jetzt aber nicht wirklich. Erst vorhin hast du mir noch gesagt, dass es richtig war, dass du gestern geblieben bist.“
    „Naja…ja. War es ja auch“, seufzte Mulder und stützte gelangweilt seinen Arm an die Fensterscheibe. „Es ist einfach so unbefriedigend, hier zu sitzen und warten zu müssen.“
    „Es gibt Schlimmeres“, bemerkte John und trommelte leise auf dem Lenkrad.
    „Da hast du natürlich auch wieder Recht“, erwiderte Mulder und konnte ein Schmunzeln nicht verhindern. Einen Moment schwiegen sie. „Als ihr letztens bei uns wart…“, begann Mulder dann. „…und von eurer Arbeit an den X-Akten erzählt habt… Es hat sich angehört, als würden euch diese Fälle wirklich interessieren.“
    „Das ist auch so. Allerdings war ich damals, als ich Dana zugeteilt worden war, zugegebenermaßen zunächst etwas skeptisch. Ich wollte und konnte nicht glauben, was sie mir erzählt hat. Geschichten von Außerirdischen waren für mich eigentlich Science-Fiction. Das aus dem Mund einer hochintelligenten Ärztin und Wissenschaftlerin zu hören, war...“ Er suchte nach dem passenden Wort. „… verrückt.“
    Mulder grinste.
    „Dafür habe ich acht Jahre gebraucht.“
    „Um sie zu überzeugen?“
    „Ja. Heute denke ich aber, dass es mir lieber gewesen wäre, sie hätte mit allem rechtbehalten. Dass das alles nicht sein kann und alles, was wir in der ganzen Zeit in den X-Akten gefunden haben, nur irgendwelche seltsamen Zufälle und dann doch logisch erklärbare Phänomene gewesen wären.“ Sein Blick ging nachdenklich geradeaus, er klang betrübt. „Dann säßen wir jetzt nicht hier… Müssten nicht in einen Kampf ziehen, dessen Ausgang ungewiss ist… und könnten ein anderes Leben führen.“
    „Ein anderes Leben?“
    „Ein normales Leben.“
    John schmunzelte.
    Diese Worte hätte ich nun nicht von dir erwartet.“
    Mulder sah zu John rüber.
    „Wieso?“
    „Naja… Als wir uns kennenlernten hast du nicht gerade den Eindruck gemacht, als wärst du groß an einem ruhigen Leben interessiert. Obwohl…“ Er überlegte kurz. „Mir war eigentlich schnell klargeworden, dass dein Hauptinteresse und größte Sorge nicht den Außerirdischen galt… sondern Dana - was übrigens einer der Gründe war, weswegen sich meine anfängliche Skepsis dir gegenüber schnell gelegt hat.“
    Mulder machte ein entschuldigendes Gesicht.
    „Ich war aber auch ziemlich unfreundlich und voreingenommen dir gegenüber gewesen. Du warst in meinen Augen zunächst nur ein Eindringling. Ich war so lange weg gewesen - wusste nicht, was passiert war. Und da warst du… Ein Fremder! Und du hattest meinen Job, mein Büro…“
    „… und deine Partnerin.“
    Mulder seufzte.
    „Ja.“
    „Ich wollte dich aber nie ersetzen. Das konnte ich auch gar nicht. Das einzige, was ich machen konnte, war zu versuchen, die Fälle zu lösen, die wir übertragen bekamen und Dana bei allem zu unterstützen. Hauptsächlich bei der Suche nach dir. Aber auch bei allen Vorkommnissen, die direkt oder indirekt mit ihrer Schwangerschaft zu tun hatten.“
    „Und dafür werde ich dir ewig dankbar sein. Dass du für Sie da warst, als ich es nicht war.“
    John schaute auf die lange Autoschlange vor ihnen, die sich keinen Millimeter vorwärtsbewegte.
    „Sie hat mir aber zunächst nicht vertraut.“
    „Nicht?“ fragte Mulder überrascht, was John zu einem belustigten Lachen veranlasste.
    Natürlich nicht! Unser erstes Aufeinandertreffen endete sogar damit, dass sie mir ein Glas Wasser ins Gesicht gekippt hat.“
    Mulder war einen Moment sprachlos, doch dann grinste er breit.
    „Nicht dein Ernst.“
    „Wenn ich es dir sage.“
    Überrascht lehnte er seinen Kopf zurück an die Kopfstütze.
    „Das hätte ich ihr nun nicht zugetraut.“
    „Nun ja… Ich hatte es aber auch verdient. Ich war nicht gerade nett zu ihr gewesen“, gestand John. „Ich wurde offiziell mit der Leitung der Suchaktion nach dir betraut, habe sie ausgehorcht ohne mich vorher vorzustellen… und ich habe auch einige unschöne Dinge gesagt und gefragt.“
    „Wie zum Beispiel?“ hakte Mulder nach.
    „Ich bezweifelte, dass sie dich richtig gekannt hat. Ich sagte, dass man vor allem private Dinge von seinem Partner meistens nicht erfährt.“
    „Oh-oh…“, schmunzelte Mulder.
    „Sie hat mir natürlich sofort widersprochen und gemeint, dass sie dich besser kennen würde als sonst jemand auf der Welt.“
    „Womit sie mehr als Recht hatte.“
    Das weiß ich mittlerweile auch. Doch damals habe ich noch einen draufgesetzt und gesagt, dass es Gerüchte beim FBI geben würde, dass du nie wirkliches Vertrauen zu ihr gefasst hättest – was wiederum Frauen beim FBI behauptet hätten, denen du dich wirklich anvertraut hättest.“
    Mulder lachte.
    „Da kannst du aber froh sein, dass sie dir nur ein Glas Wasser ins Gesicht geschüttet hat.“
    John nickte schuldbewusst.
    „Ja. Eine Ohrfeige hätte vermutlich eher ihre innere Gefühlslage widergespiegelt.“
    „Allerdings.“
    „Du siehst also, dass auch unser Start alles andere als leicht war. Natürlich hat Sie mir auch ihre Schwangerschaft lange verschwiegen. Es wusste zunächst nur Skinner.“
    „Aber…“
    „Sie hatte Angst, dass man die Tatsache, dass sie ein Kind bekommen würde, gegen sie einsetzen würde“, erklärte er. „Und dass sie dann keine Möglichkeit mehr hätte, dich zu finden. Natürlich war sie überzeugt, dass auch ich das tun würde. Doch ich habe ihr versichert, dass ich auf ihrer Seite stehe. Schließlich kannten wir uns, als ich das erfuhr, schon einige Wochen und ich hatte mir mittlerweile meine eigenen Gedanken über euch, eure Arbeit und eure Partnerschaft gemacht…Und als ich dann auch noch das von der Schwangerschaft erfahren habe…Naja…“ Mulder sah ihn schräg von der Seite an und John lachte. „Entschuldige…“ Er startete den Wagen, da sich die Autoschlange wieder langsam in Bewegung setzt. „… aber es gab auch noch andere Gerüchte über euch.“
    Davon habe ich mittlerweile auch schon gehört“, seufzte Mulder. „Kline hat versucht, Scully vor dem Aufsichtsrat in ein schlechtes Licht zu rücken.“ Dann nahm er sein Handy aus der Jackentasche. „Ich werde nun noch mal versuchen, sie anzurufen. Vielleicht erreiche ich sie ja diesmal.“
    26. Juli 2013 13:16:07 CEST
    0
  • Und schon ist wieder Montag...

    ****

    Manhattan-Shopping-Mall,
    New York City
    15:30 Uhr

    William hatte noch eine ganze Weile auf der Bank gesessen und überlegt – bis ihm plötzlich etwas eingefallen war. Sofort hatte er seinen Rucksack gepackt, sich auf den Weg gemacht und war nun da angelangt, wo sein Plan ihn hingeführt hatte.
    In der riesigen Manhattan-Shopping-Mall.
    Hier war er schon öfters mit Eileen gewesen und kannte sich deshalb gut aus.
    „Komm Buma“, rief er seinem Hund zu, der mit einem leisen kurzen Bellen hinter ihm durch die große gläserne Eintrittstür hertrottete. Zielstrebig steuerte William auf die Rolltreppe zu, die ihn in den ersten Stock brachte. Dort angekommen brauchte er sich nur kurz umzusehen, um sich zu orientieren. Er erkannte sofort das Kinderbekleidungsgeschäft, in dem ihm Eileen vor einigen Wochen eine neue Hose gekauft hatte. Und daneben befand sich ein für ihn noch weitaus interessanterer Laden. Manhattans zweitgrößter Spielwarenladen.
    Doch im Moment interessierte ihn das weniger. Er würdigte das Schaufenster mit den neusten Actionfiguren nur eines kurzen Blickes und bog wenige Meter später nach rechts in einen Gang ab.
    Am Ende des Ganges angelangt, stand er vor einer Tür, die in einen kleinen Raum mit einer Glasscheibe führte, hinter der ein Mann des Sicherheitsdienstes saß und in einer Broschüre blätterte.
    William überlegte einen Moment, dann klopfte er an die Scheibe.
    Der Mann blickte von seiner Zeitschrift auf und lächelte William freundlich zu. Dann klappte er das kleine Fenster auf, das sich in der Glasscheibe befand, und lehnte sich etwas vor, um William besser sehen zu können.
    „Na, mein Junge. Wie kann ich dir helfen?“
    „Ich suche meine Eltern“, antwortete William.
    Als er das letzte Mal mit Eileen in der Mall gewesen war, hatte er den Mann vom Sicherheitsdienst gesehen und Eileen gefragt, was er in dem Shoppingcenter machen würde. Eileen hatte ihm daraufhin erklärt, dass er aufpassen würde, dass niemand etwas aus einem Geschäft klaute. Dass er den Besuchern Fragen beantworten würde und helfen würde, wenn etwas passiert war. Dann hatte sie noch mit einem amüsierten Lächeln hinzugefügt, dass er auch kleinen Kindern, die ihre Eltern verloren hatten, helfen würde, diese wiederzufinden. Eileen hatte natürlich den Fall gemeint, dass ein Kind beim Einkaufen mit seinen Eltern verloren ging. Doch William war dieser Satz, als er auf der Bank gesessen war, eingefallen und hatte ihm ausreichend Zuversicht verliehen, um sich zu diesem Mann auf den Weg zu machen - in der Hoffnung, er würde ihm helfen können.
    Der Mann stand nun auf und kam aus dem kleinen Raum.
    „Wie heißt du denn?“ fragte er.
    Er wunderte sich, dass der Junge in keinster Weise verängstigt schien. Normalerweise waren die Kinder, die ihre Eltern in den Menschenmengen, die sich durch die Gänge schoben, verloren hatten, in Tränen aufgelöst. Doch dieser Junge schien alles andere als traurig oder verschreckt zu sein. Ganz zu schweigen, dass die Kinder normalerweise von fremden Leuten bei ihm abgegeben wurden und dieser Junge kam von alleine zu ihm und klopfte einfach an die Glasscheibe.
    „Ich heiße William“, antwortete William gehorsam. „Und das ist mein Hund Buma.“
    „Aha. Und du suchst deine Eltern hast du gesagt?“
    „Ja. Ich habe auch ein Bild von ihnen.“ William wühlte in seiner Hosentasche und zog das Papier mit den Fotos von Mulder und Scully heraus, doch der Mann vom Sicherheitsdienst beachtete es gar nicht.
    „Warte hier einen Moment“, sagte er nur und ging kurz in den Raum zurück, um ein Telefon zu holen. Dann tippte er schnell eine Nummer ein und wartete. „Ja, hier Walton. Ich habe einen Jungen, der seine Eltern verloren hat.“ Er wartete einen Moment. „Nein, bei mir hat sich auch niemand gemeldet.“ Walton sah auf William hinab und lächelte ihm aufmunternd zu. Leise sprach er dann in den Hörer: „Was sind denn das für Eltern, die nicht merken, dass ihr Kind weg ist?“
    „Sie wissen aber doch gar nicht, dass ich sie suche“, warf William ein, der jedes Wort mit angehört hatte.
    „Einen Moment, Jeff.“ Der Mann wandte sich ungläubig William zu. „Was hast du gerade gesagt?“
    „Sie wissen nicht, dass ich sie suche“, wiederholte William.
    Walton schaute skeptisch, doch dann machte er große Augen.
    „Ach sooo, naja dann...“ Er drehte William den Rücken zu und William konnte nicht mehr alles verstehen, was Walton nun mit seinem Kollegen Jeff besprach. Er hörte nur die Worte *Heim*, *ausgerissen* und *Polizei*. Das reichte, um ihm klarzumachen, dass er hier keine Hilfe für seine Suche bekommen würde und dass er hier auch so schnell wie möglich weg musste. Denn Walton würde ihn wahrscheinlich nicht so einfach wieder gehenlassen.
    Mit kleinen leisen Schritten trat William den Rückzug an und als er ein paar Meter zwischen sich und den Mann vom Sicherheitsdienst gebracht hatte, drehte er sich um und rannte davon, dicht gefolgt von Buma.
    Walton hörte die schnellen Schritte und drehte sich um. Doch er sah nur noch kurz den schwarzen Rucksack mit den gelben Sternen, der dann aber sofort um die nächste Ecke verschwand.
    William rannte direkt zur Rolltreppe, hastete diese hinunter und drängelte sich dabei an einigen Frauen vorbei, die teils verwundert, teils verärgert hinter ihm her blickten. Dann war er auch schon an der Eingangstür und rannte nach draußen, wo ihn seine Flucht direkt in die nächste Fußgängerzone führte, die an die Manhattan Mall angrenzte.
    Er rannte und rannte - bis er nach einer Weile nicht mehr konnte und völlig außer Atem stehenblieb.
    „Buma?“ keuchte er und drehte sich um. Doch sein kleiner Hund war nicht zu sehen. „Buma?!“ rief er nun lauter, während sich immer mehr Menschen durch die Straße an ihm vorbei drängten. William lief wieder ein Stück zurück und rief noch Mal nach ihm. Endlich ertönte ein lautes Bellen und der Welpe huschte zwischen den Beinen zweier hastig vorbeieilender Männer im Anzug hindurch und auf William zu. Erleichtert nahm ihn der Junge in die Arme.
    „Du darfst nicht weglaufen“, sagte William immer noch außer Atem und zog ihn an einen freien Platz direkt neben den Eingang zu einem großen Möbelhaus. „Wir müssen doch zusammenbleiben!“
    Der Hund bellte kurz, leckte seinem Herrchen über das Gesicht und schmiegte sich an ihn, als wolle er um Entschuldigung bitten. Daraufhin lächelte William zwar schwach, doch schaute gleich wieder traurig auf seinen Freund, während er ihm durch sein weiches Fell strich.
    „Was machen wir jetzt?“
    William wusste nicht, was er als nächstes tun sollte. Er hatte seine ganze Hoffnung auf den Mann in dem Einkaufzentrum gesetzt.
    Nachdenklich setzte er sich auf den Boden und lehnte sich mit dem Rücken an die Wand.
    Er beobachtete die Menschen, die durch die offene Tür das Möbelhaus betraten und verließen. Und er sah immer wieder Kinder, die fröhlich lachend neben ihren Eltern herliefen.
    Buma bemerkte die Traurigkeit, die in Williams blauen Augen zu sehen war, und stupste ihn leicht mit seiner Nase an. Der streichelte ihm noch mal kurz durch das Fell und zog dann wieder das Papier aus seiner Hosentasche. Es war mittlerweile schon stark verknittert. Deshalb faltete er es ganz behutsam auseinander und betrachtete die beiden Fotos eine ganze Weile.
    Wie stark er sich doch wünschte, dass diese beiden Menschen wirklich seine Eltern seien. Und dass sie nicht bei einem Autounfall gestorben waren.
    Er legte nachdenklich den Kopf schief.
    Vielleicht würde er irgendwann auch mit ihnen zusammen fröhlich lachend aus einem Einkaufszentrum herauskommen…
    Von einem lauten Geräusch erschreckt, sah William plötzlich von dem Papier auf. Es hatte sich wie Schüsse angehört – ganz in der Nähe von ihm. Doch als er nach der Ursache des Lärms schaute, bemerkte er erleichtert, dass es sich lediglich um einen Film handelte. Ein Film, der in dem Fernseher lief, der in dem Kaufhaus im Eingangsbereich in einer großen schwarzen modernen Wohnzimmerwand stand. Nur wenige Meter von William und Buma entfernt. Und da die Eingangstür offen stand, konnte William das Geschehen einigermaßen mitverfolgen.
    Ein Verkäufer stand mit einem jungen, sehr interessierten Mann vor dem Fernseher und erklärte ihm gerade ausführlich, was das Gerät alles konnte. Dabei schaltete er mehrmals die Programme hoch und wieder runter, wechselte auf Bild-in-Bild-Modus und zeigte ihm das Menü. Doch als der Verkäufer den Preis nannte, lachte der junge Mann nur und schüttelte den Kopf. Der Fernseher war deutlich über seinen Preisvorstellungen.
    Bedauernd führte ihn der Verkäufer nun zu einem anderen, etwas kleineren Modell. Dabei vergas er den ersten Fernseher wieder auszuschalten.
    Dort lief nun ein Film, in dem gerade ein Gangster in einem dunklen Raum von der Polizei verhört wurde. William konnte nicht genau verstehen, um was es ging. Es interessierte ihn auch nicht sonderlich.
    Er wollte sich schon wieder abwenden, als die Tür zu dem Verhörzimmer geöffnet wurde und ein großer, blonder Mann in einem schicken Anzug eintrat.
    Er ging direkt auf den Polizisten zu und hielt ihm seinen Ausweis vors Gesicht. Der nickte daraufhin kurz und überließ dem Neuen bereitwillig seinen Platz gegenüber dem Verbrecher.
    William verfolgte nun gebannt die Szene.
    Denn vor allem ein Detail hatte seine ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Immer wieder schaute er von dem Fernseher auf das Bild in seiner Hand. Dann wieder auf den Fernseher und das, was der Mann im Anzug an seinem Jackett hatte. Neugierig geworden betrat William das Geschäft und ging immer näher heran, bis er direkt vor dem großen Flachbildfernseher stand. Nun war eine Großaufnahme des Mannes zu sehen und ebenso deutlich war der Ausweis zu sehen, den er an sein Jackett trug. Er war rechteckig, zeigte ein Bild des Mannes mit dessen Unterschrift und darüber standen - groß und in blau - die drei Buchstaben F-B-I. Und in diesem Moment wurde der Mann von dem Polizisten als FBI-Agent Logan angesprochen.
    Williams Blick ging wieder auf das Papier in seiner Hand, speziell auf das Foto von Mulder. Und da auf etwas, das er die ganze Zeit über nicht beachtet hatte, da er nicht gewusst hatte, was es war. Am unteren Rand des Fotos waren drei blaue Linien. Es war zwar jeweils nur ein sehr kleines Stück zu sehen, doch William erkannte nun sofort die drei Buchstaben.
    „FBI…“, flüsterte er und starrte verblüfft auf das kleine Stück von Mulders FBI-Ausweis, den man auf dem Foto sehen konnte. „Mein Dad ist ein FBI-Agent!“
    29. Juli 2013 13:26:31 CEST
    0
  • klasse :D
    bin auch wieder mit dabei und habs am stück verschlungen !!! noch mal von anfang an. yes ! oh bitte bitte mach weiter, ich kanns garnicht erwarten =)
    1. August 2013 06:07:28 CEST
    0
  • Tolle Rückmeldung! Danke :D
    Schön, dass du auch wieder bzw. immer noch dabei bist!!! =)
    Weiterhin viel Spaß!!!

    ****

    17:03 Uhr

    Mulder stand etwas abseits, während John den Wagen auftankte. Nachdem Scully wieder nicht an ihr Handy und auch nicht an ihr Telefon in ihrem Büro gegangen war, hatte er sich nun über die Zentrale des FBIs direkt mit dem Labor verbinden lassen.
    Nach wenigen Sekunden wurde abgehoben.
    „Guten Tag, mein Name ist Luke Sheffield. Sie sprechen mit dem forensischen Labor beim FBI“, meldete sich der junge Mann höflich.
    „Guten Tag“, erwidert Mulder. „Ich würde gerne mit Dr. Scully sprechen.“
    „Tut mir Leid, Sir. Dr. Scully ist leider nicht zu sprechen. Kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?“
    „Wo ist sie?“ fragte Mulder verwundert.
    „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, Sir.“
    Mulder seufzte genervt.
    „Sie sind Luke, ihr Assistent, richtig?“
    „Richtig, Sir. Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf.“
    „Oh, Entschuldigung. Fox Mulder. Ihr...“
    „Ach ja“, sagte Luke sofort. „Weiß schon. Ich habe schon einiges von Ihnen gehört.“
    „Na dann“, erwiderte Mulder. „Können Sie sie mir bitte ans Telefon holen? Ich versuche sie schon den ganzen Tag zu erreichen. Es ist wirklich dringend.“
    „Tut mir leid, Mr. Mulder. Aber sie ist bereits mittags gegangen. So gegen 1 Uhr. Sie sagte, sie müsse etwas erledigen.“
    Mulder rieb sich besorgt über das Gesicht.
    „Hat sie gesagt, wohin sie wollte oder was sie vorhatte?“
    „Nein“, sagte Luke mit Bedauern. „Allerdings hatte ich ihr schon Frühs geraten, wieder nach Hause zu gehen. Sie schien sich nicht wohl zu fühlen und wirkte irgendwie abwesend.“
    Nun war Mulders Sorge noch größer. Zum einen wusste er nicht, wo Scully war oder was sie machen wollte, und zum anderen ging es ihr anscheinend immer noch nicht besser.
    „Okay“, sagte Mulder dann. „Danke. Wenn Sie doch noch zurückkommen sollte...“
    „...werde ich ihr ausrichten, dass sie Sie anrufen soll. Kein Problem.“
    „Danke.“ Mulder legte auf.
    John hatte inzwischen das Benzin bezahlt.
    „Ist etwas passiert?“ Ihm war Mulders besorgter Blick nicht entgangen.
    „Scully…“, antwortete Mulder, während er eine neue Nummer wählte und ungeduldig wartete, dass abgenommen wurde. „Ich kann sie nicht erreichen. Im Labor ist sie seit heute Mittag nicht mehr und ihr ging es anscheinend nicht gut.“
    „Oh.“ John schaute nun ebenfalls besorgt.
    „Monica?“ rief Mulder ins Handy.
    „Mulder? Was gibt’s?“
    Mulder schilderte kurz was passiert war.
    „Mmhh… Ich habe sie heute auch noch nicht gesehen.“
    „Könntest du bitte ins Motel fahren? Vielleicht ist sie ja inzwischen dort.“
    „Natürlich.“ Mulder hörte leises Schlüsselgeklapper. Dann eilige Schritte. „Ich fahre sofort.“
    „Danke“, sagte er etwas erleichtert.

    William war sofort in das große Möbelhaus hineingerannt und Buma war ihm gefolgt. Eilig lief er nun den Rundgang durch die Ausstellungsstücke entlang - vorbei an mehreren Tischen, Stühlen und teilweise komplett eingerichteten Wohnzimmern mit Schrankwänden, Sofas und Couchtischen. Dabei schaute er sich nach jemandem um, den er geeignet hielt, seine Fragen zu beantworten.
    Als er auf einen älteren Mann traf, der gerade eine Musterpalette mit verschiedenen Stofffarben durchsah, blieb er stehen.
    „Entschuldigen Sie bitte, Sir.“
    „Ja?“ Interessiert verglich der Mann einen der Stoffe mit dem Bezug der Couch, die direkt vor ihm stand.
    „Wo ist das FBI?“ fragte William.
    „Das FBI?“
    „Ja.“
    „Na, in Washington, Kleiner.“ Der Mann lachte und schaute nun belustigt auf William hinunter. „Das weiß man doch.“
    „Ist das weit weg von hier?“ hakte William nach.
    „Naja.“ Der Mann überlegte. „So um die 400 Kilometer, schätze ich. Schon ein Stück. Da fährt man fast fünf Stunden mit dem Auto. Wozu...“
    „Danke“, grinste William zufrieden und war auch schon wieder auf dem Weg Richtung Ausgang.
    Etwas verwundert schaute der Mann ihm hinterher.
    1. August 2013 13:23:15 CEST
    0
  • 262
    oh manno mann aurora81 8o ist dass alles aufregend! toll wie du die spannung aufbaust, und auch diese tollen szenenwechsel! bitte bitte schreib schnell weiter, lass uns nicht so zappeln.
    1. August 2013 21:30:35 CEST
    0
  • Jaaaaa, ganz toll......ich bin auch noch dabei, und finde die Story einfach super. Du hast echt Talent. Bitte schnell weiter und einen laaaangen Teil bitte
    ...so that´s it
    1. August 2013 22:34:56 CEST
    0
  • Toll, dass ihr auch noch dabei seid :D !!!
    Spannend bleibt es natürlich weiterhin, obwohl ein kleines Geheimnis nun gelüftet wird. ;)
    Und das in einem langen Abschnitt, den ich über die ganze Zeit mit Abstand am meisten geändert, überarbeitet und verbessert hab.
    War wirklich schwer...

    ****

    Super-8-Motel,
    Washington D.C.
    18:00 Uhr

    Monica parkte ihren Wagen direkt auf dem ersten freien Parkplatz, der zu dem Motel gehörte, das auf Mulders Broschüre zu sehen war.
    Es dämmerte bereits und die untergehende Sonne tauchte die Landschaft in ein kräftiges Dunkelrot.
    Langsam stieg sie aus und bereits wenige Meter entfernt, sah sie Scullys Wagen stehen.
    Sie war also hier.
    Erleichtert lief Monica die kurze Entfernung zu Zimmer Nummer 9.
    Sie schaute kurz durch das mit einem schweren Vorhang versperrte Fenster und meinte einen kleinen Lichtfleck erkennen zu können.
    Dann klopfte sie. Zuerst leise, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.
    „Dana?“ Doch sie erhielt keine Antwort. Deshalb versuchte sie es etwas lauter. „Dana? Bist du da? Hier ist Monica.“ Als sie wieder keine Antwort erhielt, runzelte sie besorgt die Stirn. „Dana, wenn du da bist, mach mir bitte die Tür auf. Sonst komme ich rein. Ich habe Mulders Schlüssel.“
    Zuerst tat sich nichts, doch dann hörte Monica ein leises Knacken und Scully öffnete die Tür.
    „Warum hast du seinen Schlüssel?“ fragte sie leise.
    Monica war im ersten Moment erleichtert, doch dann sah sie Scully genauer an.
    Sie schien gerade aus der Dusche gekommen zu sein, denn ihre Haare waren noch etwas feucht.
    Doch was Monica am meisten beunruhigte, waren ihre traurigen, verzweifelten und hoffnungslosen Augen und ihre kraftlose, fast schon eingeschüchterte Haltung.
    „Dana, was ist los?“ fragte sie besorgt und ging auf sie zu.
    „Nichts“, antwortete Scully ausweichend, öffnete aber weiter die Tür, sodass Monica eintreten konnte.
    „Dana…“ Monicas eindringliche Stimme ließ keinen Zweifel, dass sie ihr nicht glaubte. Dann fiel ihr Scullys Frage wieder ein. „Mulder hat mir seinen Schlüssel gegeben, damit ich nach dir schauen kann.“
    „Wieso?“
    „Na wohl aus gutem Grund! Er versucht dich schon den ganzen Tag zu erreichen. Und vom Labor hört er nur, dass du bereits eine ganze Weile weg bist und dass es dir noch nicht besser geht.“ Monica seufzte. „Er macht sich einfach Sorgen um dich.“
    Scully schlang die Arme um sich, presste die Lippen aufeinander und nickte. Monica bemerkte sofort, dass sie mit aufsteigenden Tränen kämpfte. Vorsichtig ging sie auf Scully zu und nahm sie in die Arme. Da Scully sich nicht widersetzte, drückte sie sie an sich.
    „Dana. Willst du mir nicht erzählen, was los ist?“
    Langsam schloss Monica die Tür und führte Scully zum Bett. Zusammen setzten sich die beiden Frauen.
    Scully hatte immer noch die Arme vor sich verschränkt und schwieg. Monica blieb erst einmal nichts anderes übrig als zu raten.
    „Habt ihr euch gestritten?“ Sie glaubte es zwar nicht, doch es war das Erste, was ihr einfiel.
    Und Scully schüttelte auch matt den Kopf.
    „Nein…“
    „Ist es wegen der ganzen Aktion? Oder dem Vorfall gestern? Ist dir das zu viel?“ versuchte es Monica weiter. Doch Scully starrte nur geradeaus auf den Boden. Und jetzt konnte sie die Tränen auch nicht mehr zurückhalten. Sie schluckte heftig und wischte sich mit dem Ärmel ihres Pullovers über die Augen.
    Monica seufzte schwach.
    „Dana… Wenn du mir nicht sagst, um was es geht…“
    „Ich habe Angst, Monica."
    Monica sah Scully nun noch beunruhigter an.
    „Wieso?“ fragte sie behutsam.
    „Ich spüre es tief in mir. Je länger wir hier sind, umso schlimmer wird es. Umso größer wird mein Unbehagen. Ich habe das Gefühl, als würden wir auf ein großes Unheil zusteuern.“ Scully schüttelte schockiert über sich selbst den Kopf. „Mein Gott, was sage ich bloß? Als hätte ich Vorahnungen.“
    „Dana…“
    „Nein, Monica. Ich meine das ernst! Mulder ist wieder hier. Wieder auf der Suche nach der Wahrheit. Eine aussichtslose Hetzjagd wie es bereits früher der Fall war. Und was werden wir am Ende herausfinden? Die Wahrheit über William??“ Eine weitere Träne floss ihre Wange hinunter, während sie gerade auf den Boden starrte. „Vielleicht will ich diese Wahrheit aber gar nicht wissen!“
    Monica suchte nach den passenden Worten.
    „Das meinst du doch nicht so. Natürlich willst du wissen, was…“
    „Verstehst du denn nicht?“ unterbrach Scully Monica nun aufbrausend und Monica merkte, dass Scully auch ziemlich wütend war. Doch hauptsächlich schien sie verzweifelt zu sein. „Wie kann das sein? Was ist mit mir damals passiert?“ Sie blinzelte und noch mehr Tränen traten ihr in die Augen.
    „Hey…“ Monica rutschte näher an sie heran, damit sie ihren Arm um sie legen konnte. „Wieso machst du dir solche Gedanken? Versuche doch einfach, dich an die Tatsachen zu halten.“
    Scully reagierte verständnislos und ziemlich sauer.
    „Tatsachen?! Was für Tatsachen hättest du denn gern?“ Sie funkelte Monica wütend an. „Ich wurde entführt und an mir wurden schreckliche Experimente durchgeführt, durch die ich nicht nur Krebs bekommen habe, sondern auch unfruchtbar geworden bin. Das heißt, ich kann keine Kinder bekommen! Ein Arzt hat mir wahrscheinlich eine mit Alien-DNA manipulierte Eizelle eingepflanzt, die mich zwar Mutter werden ließ, doch von einem Kind, von dem ich nicht einmal sagen kann, ob es ein richtiger Mensch ist oder wer der Vater ist.“ Aufgebracht stand sie auf und lief durch das Zimmer.
    „Aber…“, begann Monica, doch Scully ließ sie nicht zu Wort kommen.
    „WAS?! Willst du mir jetzt wirklich sagen, dass William ein ganz normales Kind ist? Ein Kind der Liebe zwischen einem Mann und einer Frau?“ Sie schüttelte verächtlich den Kopf. „Deine romantische Ader in Ehren, Monica, doch für mich als Ärztin gelten andere Tatsachen!“ Ihre Stirn legte sich in Falten. „Ich kann dir aber noch eine Tatsache nennen“, rief sie. „Trotz allem lieben Mulder und ich dieses Kind, als wäre es wirklich unser eigenes.“ Sie schluchzte. „Und das obwohl er möglicherweise der Anführer der Invasion sein wird, die in wenigen Jahren die komplette Menschheit vernichtet! Ist das nicht irgendwie krank?!“ Einen Moment schwieg sie und Monica sah sie mitfühlend an.
    „Das ist nicht krank, Dana.“ Sie atmete tief aus. „Solche Gefühle haben Eltern nun mal für ihre Kinder. Das ist ganz normal.“
    „Wenigstens eine Sache, die bei uns normal ist“, murmelte Scully daraufhin verbittert. „Aber sind wir doch jetzt mal realistisch, Monica.“ Ihre Stimme zitterte. „Was ist,… wenn wir herausfinden sollten, dass er wirklich ein Alien-Mensch-Hybrid ist? Wenn das die Wahrheit ist, die wir finden werden! Dass er böse ist!“ Und nun sprach Scully das erste Mal ihre größte Angst aus. Die Gedanken, die sie die letzten Tage fast komplett eingenommen hatten und alles um sie herum nur nebenbei wahrnehmen ließen. „Was passiert, wenn ich ihm gegenüberstehe und das erkenne? Wenn es zum Äußersten kommen sollte? Was ist, wenn der Schlüssel zu Rettung der Menschheit und der gesamten Welt darin liegt, William zu töten? Was ist… wenn… ICH… es tun müsste? Könnte ich das?“ Sie schüttelte verzweifelt den Kopf. „Die Antwort ist: Nein! Natürlich nicht! Ich wäre im entscheidenden Moment nicht in der Lage, das zu tun.“ Nun sah sie Monica direkt an, aus ihren Augen sprach die pure Angst und Verzweiflung. „Wie auch? Für mich ist er immer noch das kleine unschuldige Baby. Ich habe ihn auf die Welt gebracht. Habe ihm die kurze Zeit, die er bei mir war, all meine Liebe geschenkt. Und damals hatte ich, ganz tief in mir, noch den Traum oder die Hoffnung, dass er vielleicht wirklich Mulders Sohn ist.“
    „Dana, mein Gott.“ Monica stand nun ebenfalls auf und wollte auf sie zugehen, doch Scully wandte sich von ihr ab. „Aber vor ein paar Tagen noch hattest du doch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass William euer Sohn sein könnte.“
    Scullys Blick wurde zornig - und ihre Stimme immer lauter.
    „Wir leben, seitdem wir damals geflohen sind, das heißt seit über sechs Jahren, zusammen und ich bin nicht wieder schwanger geworden. Wenn William auf normalem Weg entstanden ist – wenn ich doch…“ Sie lachte spöttisch. „… gesund wäre, wie du es ja angedeutet hast. Warum haben wir dann nicht mittlerweile ein weiteres Kind?“ Sie stand mit verschränkten Armen da - mit sehr uneinsichtiger Miene. „Ich habe mich selbst belogen. Ich weiß nicht mehr, was ich noch glauben soll…“, murmelte sie nun kraftlos und senkte den Blick. „Ich kann kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Ich liebe diesen Jungen und habe gleichzeitig Angst vor ihm. Vor einer Konfrontation mit ihm. Am liebsten würde ich sofort nach Newark fahren und ihn von dort wegholen. Doch gleichzeitig möchte ich einem Aufeinandertreffen mit ihm aus dem Weg gehen, da ich dann unweigerlich die Wahrheit über ihn erkennen würde.“ Sie schluchzte verzweifelt. „Ich weiß nicht mehr, was richtig ist, Monica. Ich weiß nicht, was ich tun und was ich glauben soll."
    Sofort ging Monica zu ihr und diesmal ließ Scully es zu, dass sie sie in die Arme nahm. Monica hatte erkannt, was wirklich mit Scully los war. Ihre ganzen wütenden Anklagen waren nur aus einem Grund gekommen.
    Angst.
    Panische Angst.
    Vor dem, was damals passiert ist… und vor dem, was sie nun herausfinden würden und die Folgen daraus.
    Eine Weile standen sie schweigend beisammen. Dann murmelte Scully matt:
    „Wie soll ich etwas akzeptieren, das nicht möglich ist? Ich dachte, ich würde das schaffen. Irgendwie würde es schon gehen. Schließlich hat Mulder es sogar geschafft, mich von der Existenz außerirdischen Lebens zu überzeugen. Doch da habe ich die Fakten mit eigenen Augen gesehen. Ich konnte es nicht mehr leugnen. Doch diesmal, bei William, habe ich mich geirrt. Ich kann nicht daran glauben, Monica.“ Der letzte Satz war nur noch ein leises Murmeln, das direkt in ein schwaches Schluchzen überging. „Ich kann es einfach nicht.“
    „Dana…“, sagte Monica leise. Ihr tat Scully so leid. Nur schwer konnte sie sich in sie hineinversetzen und sich ihre enorme Angst vorstellen. „Denk doch an die Ähnlichkeit, die er mit Mulder hat“, sagte sie und forderte Scully mit einer kleinen Geste auf, sich wieder zu setzen. „Ist das eigentlich nicht der größte Hinweis darauf, dass die nichts damit zu tun haben?“
    „Wie gerne würde ich das glauben!“ Scully schüttelte den Kopf. „Doch in mir gibt es einen Teil, der sich weigert, das auch nur in Erwägung zu ziehen. Der mich für verrückt erklärt, mir solche Hoffnungen zu machen. Hoffnungen, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit zerschlagen werden.“
    „Obwohl du William noch nicht gesehen hast, appellier ich nun genau an diesen Teil von dir“, sagte Monica ruhig, aber bestimmt. „An die Ärztin und Wissenschaftlerin. Und an ihren rationalen und hochintelligenten Verstand.“ Monica nahm ihre Hände und drückte sie. „Ich bin zwar nicht so bewandert im Bereich der Genetik und Vererbungslehre, doch ich weiß zumindest so viel, dass William…“ Sie sah Scully eindringlich an. „… zu viele Gemeinsamkeiten mit dir und vor allem Mulder hat, sodass es für mich keinen Zweifel gibt, dass er euer Sohn ist. Vertraue auf das, was ich gesehen habe, Dana. Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben! Oder würde Dr. Scully nicht auch Zweifel bekommen, wenn ein Junge die gleiche Haarfarbe, den gleichen Mund, Nase und Augen und selbst die gleichen Verhaltensweisen hat wie eine Person, die ihm angeblich völlig fremd ist? Die nicht mit ihm verwandt sein soll?“
    Scully zögerte einen Moment, doch dann nickte sie kaum merklich.
    „Mmhh…Vermutlich… “
    „Siehst du. Und diesem Teil von dir hast du früher übrigens mehr geglaubt als allen anderen. Selbst mehr als Mulder.“
    „Wenn es nur so einfach wäre“, sagte Scully matt und sah Monica traurig an.
    „Dana, jedes Baby ist ein Wunder. Das eine vielleicht etwas mehr, das andere vielleicht etwas weniger.“
    Nun schaute Scully sehr nachdenklich.
    „Mulder hat William auch schon mal als Wunder bezeichnet“, erinnert sie sich an das erste Mal, als er William im Arm gehalten hatte.
    „Hast du ihm eigentlich erzählt, dass du solche Angst hast?“ fragte Monica, doch Scully schüttelte langsam den Kopf.
    „Nein. Und das werde ich auch nicht.“
    „Aber wieso denn nicht?“
    „Du hast doch gesehen, was er sich für Gedanken und Sorgen um mich macht. Und das ohne dass er davon weiß. Was meinst du würde passieren, wenn er auch noch wüsste, dass ich solche Bedenken und Zweifel habe.“ Scully seufzte schwach. „Dann würde er mich gar nicht mehr alleine lassen. Außerdem möchte ich für ihn da sein. Ich will ihn stärken, nicht schwächen. Das wäre das Letzte, was er jetzt gebrauchen kann.“
    Monica nickte.
    „Da könntest du vielleicht sogar Recht haben.“ Aber sie wusste natürlich auch, dass Mulders Fürsorge auch daher rührte, da er sie damals in der Schwangerschaft nicht hatte unterstützen können und sie dann sogar mit William allein zurückgelassen hatte. Natürlich konnte sie Scully verstehen, aber im Grunde fand sie es nicht richtig, es ihm zu verschweigen. „Er sollte es aber wissen, Dana“, wandte sie deshalb ein. „Auch wenn er vielleicht wirklich im ersten Moment so reagieren sollte, kann er…“
    „Nein, Monica. Ich will unser Vorhaben nicht noch zusätzlich verkomplizieren.“
    Monica war deutlich anzusehen, dass sie anderer Meinung war. Doch natürlich würde sie Mulder nie etwas verraten, wenn Scully es nicht wollte. Deshalb rang sie sich nach einem kurzen Zögern zu einem versöhnlichen Lächeln durch.
    „Okay, Dana. Es ist deine Entscheidung.“
    „Danke.“ Scully atmete tief aus. „Und entschuldige, dass ich dich vorhin so angeschrien habe“, sagte sie kleinlaut. „Ich habe meine Gefühle im Moment einfach nicht so ganz unter Kontrolle.“
    „Ich weiß doch, dass du es nicht so gemeint hast. Aber es war doch sicherlich auch gut für dich, darüber zu reden, oder?“
    Scully nickte.
    „Ja, natürlich…Mir geht es nun auch wirklich besser.“ Nachdenklich schaute sie zur Seite. Ihr Blick fiel zufällig auf den Klappbilderrahmen, der neben dem Bett auf dem Nachttisch stand. Mulder hatte ihn dorthin gestellt, als er ein T-Shirt aus dem Koffer geholte hatte. Scully war gerührt gewesen, als sie gesehen hatte, dass er die Bilder trotz aller Eile eingepackt hatte.
    Monica war ihrem Blick gefolgt.
    „Ihr seht so glücklich auf dem Bild aus. Und diese Strandkulisse…“
    Nun musste Scully lächeln.
    „Ja… Es war traumhaft schön.“ Sie seufzte. „Es war teilweise, als gäbe es unser vorheriges Leben überhaupt nicht. Wir waren zwei Menschen auf einer Trauminsel. Ohne Hintergrund und ohne Gefahren…“ Scully nahm den Bilderrahmen in die Hand und betrachtete das Foto eingehend.
    „Habt ihr noch mehr Bilder?“ fragte Monica, doch Scully schüttelte den Kopf.
    „Nein. Nur dieses.“
    „Warum nicht?“
    Scully atmete tief aus. Doch sie gab Monica zunächst keine Antwort. Stattdessen griff sie langsam unter den Kragen ihres Pullovers und zog ihre goldene Kette hervor. Zielsicher tastete sie nach dem Ring und drehte ihn zwischen ihren Fingern.
    „Wir haben euch doch erzählt, dass es uns manchmal gelungen ist, alles Schlimme und Schreckliche wenigstens für einen Moment zu vergessen. Naja… DAS war der schönste dieser Momente.“ Ein leichtes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.
    Monica sah von dem Bild, das Mulder in einem weißen Hemd und Scully in einer weißen Bluse zeigte, auf den Ring und dann in Scullys endlich wieder etwas fröhlichere Augen. Natürlich hatte sie ihren liebevollen, verträumten Blick sofort gesehen und ebenso sofort verstanden, was sie gerade angedeutet hatte… und sie kam aus dem Staunen nicht mehr raus.
    „Dana!“ rief sie überrascht. „Ihr seid… verheiratet?!“
    Scully lachte aufgrund Monicas erstaunter Reaktion, doch dann nickte sie.
    „Ja.“
    Monica lachte und nahm Scully ein weiteres Mal an diesem Abend in die Arme.
    Ihre Gedanken gingen zu dem Moment im Labor zurück, als ihr der Ring an Scullys Kette aufgefallen war. Sie hatte sich zwar Gedanken über den Ring gemacht, doch das hatte sie sich aus irgendeinem Grund doch nicht vorstellen können.

    ****
    :D -- Wer hatte nach dem Ring gefragt??
    3. August 2013 14:03:33 CEST
    0
  • 958
    aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhh!!! *vor Freude quietsch* :)
    Auf DAS warte ich bereits seit 1997 vergebens!!! Toll, superschön! Genau nach meinem Geschmack!
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    3. August 2013 14:37:20 CEST
    0
  • 262
    magic moment! danke!!!
    4. August 2013 20:22:38 CEST
    0
  • Bin halt allem voran und in erster Linie... SHIPPER!!!! :D :D :D :D
    ;)

    ****

    Waisenhaus Heavenhorst,
    Stamford, New York
    20:12 Uhr

    Dr. Holstein parkte den Wagen. Der Parkplatz vor dem Waisenhaus war nur spärlich beleuchtet.
    Er stieg aus, nahm seinen Koffer und betrat das große, helle Gebäude nicht durch den Haupteingang, sondern durch einen Seiteneingang, der ihn über ein kleines Treppenhaus direkt nach unten in den vom Rest abgeschiedenen Labortrakt brachte.
    Er lief an großen Glasfenstern vorbei, die den Blick in mehrere Räume mit unterschiedlichsten Ausstattungen ermöglichten, direkt zu einer Tür, die er schwungvoll aufstieß.
    „Wie sieht es aus, Dukes? Wie ging es dem Jungen? Hat sich sein Zustand verändert?“ Er stellte den Koffer neben einen großen Tisch ab, wo ein junger Mann, in einen weißen Laborkittel gekleidet und mit einer Schutzbrille ausgestattet, gerade damit beschäftigt war, mit einer Pipette eine dunkelrote Flüssigkeit von einem größeren Behälter auf kleinere Gläser zu verteilen.
    „Wie meinen Sie das, Dr. Holstein?“ fragte Dukes überrascht. „Er war doch gar nicht hier.“
    Holstein, der gerade seinen weißen Laborkittel überzog, hielt geschockt inne.
    „Was heißt, er war nicht hier?“
    „Niederman hat angerufen, dass er mit dem Jungen nicht kommen kann. Ich bin davon ausgegangen, dass Sie das wüssten.“
    Holstein wich jegliche Farbe aus dem Gesicht.
    „Wieso konnte er nicht kommen?“
    „Das wollte Niederman mir nicht sagen.“
    Ohne weiter nachzufragen verließ Holstein den Raum und eilte in sein kleines Büro, das er sich im Labortrakt eingerichtet hatte. Ein kleiner Raum mit einem ebenso kleinen Fenster, in dem er alle wichtigen Unterlagen aufbewahrte. Hektisch griff er nach dem Telefonhörer und warf dabei mehrere Papiere auf den Boden.
    „Carver! Hier Holstein. Was ist passiert? Was ist mit dem Jungen?“
    „Es gibt ein großes Problem“, erklärte Carver hörbar genervt. „Niederman hat versagt. Der Junge ist weggelaufen.“
    „Aber... aber ihm ging es gut, oder? Mit ihm war alles in Ordnung?“
    „Ja...“ Carver war skeptisch. Ihm war der nervöse Beiklang in Holsteins Stimme nicht entgangen. „Warum fragen Sie? Haben die aktuellen Tests Grund zur Sorge gegeben?“
    „Nein…Ganz im Gegenteil!“ Holstein starrte geradeaus. Nach einer kurzen Pause sagte er: „Doch es gibt etwas, das Sie wissen sollten.“
    „Und das wäre?“ fragte Carver schroff. Er spürte, dass ihm eine weitere Hiobsbotschaft bevorstand.
    „Ich…“ Holstein zögerte. „Ich habe den abschließenden Test durchgeführt. Ich habe den Jungen bei seiner letzten Untersuchung mit dem Virus infiziert!“
    5. August 2013 13:02:59 CEST
    0
  • Skylight Motel,
    Stamford, New York
    23:40 Uhr

    Mulder saß auf dem schmalen unbequemen Bett in dem kleinen Motel, in dem er und John abgestiegen waren.
    Müde legte er die Unterlagen beiseite und schaltete den Fernseher an. Doch mehr als drei Kanäle, auf denen nur Sendungen und Filme kamen, die Mulder nicht interessierten, hatte das Motel nicht zu bieten. Trotzdem ließ er den Fernseher laufen – er drehte allerdings die Lautstärke so weit hinunter, dass er nichts mehr verstehen konnte. Mit leisen Geräuschen im Hintergrund würde er sich zumindest nicht mehr ganz so alleine fühlen.
    Er hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass Scully ihm gleich nach einem Tag so fehlen würde. Dass er in seinem Motelzimmer sitzen und sich einsam fühlen würde.
    Doch es war so.
    Zuerst hatte er zwar gedacht, dass es deshalb wäre, weil er sie bisher immer noch nicht erreicht hatte und nicht wusste, was mit ihr los war. Doch wenn er ganz ehrlich zu sich war, war der Grund ein anderer.
    Er war es einfach nicht mehr gewohnt, alleine zu sein.
    Seitdem sie damals aus Washington geflohen waren, war er so gut wie keine Nacht ohne sie gewesen.
    Nachdenklich lehnte er sich an die Wand zurück.
    Damals… früher… hatte er sein Leben aufregend und spannend empfunden. Trotz all der herben Rückschläge, die er hatte einstecken müssen, hat es doch immer etwas gegeben, das ihn angetrieben hat… das ihn dazu gebracht hat, weiterzumachen. Er hatte damals geglaubt, es sei seine Bestimmung, sein Schicksal, für immer auf der Jagd und auch auf der Flucht zu sein. Und dieses Leben hätte er für nichts auf der Welt eintauschen wollen.
    Doch irgendwann war das anders geworden.
    Er hatte sich verändert und seine Prioritäten hatten sich deutlich verschoben. Er wollte nun nicht mehr gegen alle in den Krieg ziehen, um die Wahrheit aufzudecken. Das wäre früher sein Hauptbeweggrund gewesen. Doch heute zog er in den Kampf, um für die zwei Menschen eine sichere Zukunft zu schaffen, die er am meisten liebte.
    Die das Wichtigste auf der Welt für ihn waren.
    Alles andere war ihm egal.
    Er gähnte und schaute auf die Gestalten, die sich im Fernseher gerade mit ihren Degen duellierten. Er überlegte, ob er nun nicht besser schlafen sollte, als plötzlich sein Handy klingelte.
    Sofort war er wieder hellwach und griff nach dem Telefon, das direkt neben ihm lag.
    Er war so schnell, dass er nicht einmal mehr sah, wer überhaupt anrief.
    „Mulder“, meldete er sich.
    „Mulder, ich bin’s“, erklang die Stimme, die er schon den ganzen Tag über vermisst hatte.
    „Scully!“ rief er freudig und erleichtert. „Schön, dass du dich meldest.“ Er schaltete den Fernseher aus. „Wie geht es dir? Was war los?“
    „Mir geht es gut“, beruhigte Scully ihn. „Monica war vorhin bei mir und hat gesagt, dass du dir solche Sorgen machst.“
    „Ja, natürlich mache ich mir Sorgen, wenn du nicht an dein Handy gehst und auch nicht im Labor zu erreichen bist. Und dann sagt auch noch dein Assistent, dass es dir nicht gut ging.“
    „Ja…“ Scully zögerte einen Moment. „Ich habe mir den Mittag freigenommen. Einfach mal etwas ausspannen“, sagte sie locker, doch Mulder sah das anders.
    „Dana… Du solltest das nicht runterspielen. Wenn du Bedenken hast, dann…“
    „Nein, Mulder“, unterbrach sie ihn sofort. „Mir geht es doch wieder gut. Das war wahrscheinlich nur die Aufregung.“
    „Mmhh…“ Mulder machte ein ungläubiges Gesicht.
    „Lass uns von etwas anderem reden“, versuchte sie das Thema zu wechseln. „Wo bist du gerade? Habt ihr etwas herausgefunden?“
    Mulder seufzte, da er die Angelegenheit eigentlich nicht so einfach hatte abhaken wollen, doch er wollte auch in der kurzen Zeit, in der sie miteinander sprachen, keinen Streit anfangen.
    „Wir sind kaum vorangekommen und erst ziemlich spät hier in Stamford angekommen. Deshalb haben wir beschlossen, erst morgen zum Waisenhaus zu fahren. Wir sind in einem kleinen Motel abgestiegen.“
    „Oh…Okay…“
    Mulder legte sich nun entspannt auf sein Bett.
    „Wieso schläfst du eigentlich noch nicht?“ fragte er ruhig. „Es ist doch schon ziemlich spät.“
    Er schaute auf seine Uhr. Es war kurz vor Mitternacht.
    „Du fehlst mir“, gestand sie leise. „Es ist irgendwie so…“
    „… ungewohnt, alleine zu sein?“ vollendete er ihren Satz mitfühlend.
    Scully schmunzelte schwach.
    „Gut, dass es da jemandem genauso ergeht wie mir…“
    Mulder überlegte kurz.
    „Ich hätte nie gedacht, dass mir das so viel ausmachen würde, alleine unterwegs zu sein“, gestand er dann.
    „Du bist aber doch nicht alleine.“
    „John ist aber kein Ersatz für dich“, grinste er.
    „Stell dir einfach vor, du wärst dienstlich unterwegs mit deinem Partner. Ein wichtiger Fall? Gefährliche Ermittlungen?“
    „Aber dann wäre ich doch mit dir unterwegs… Du warst mein Partner. Schon vergessen?“
    „Natürlich nicht“, erwiderte Scully. „Ich meinte doch nur…wegen dem Alleinsein.“
    „Mmhh…“, Mulder schmunzelte. „Also du meinst, da wir ja abends oder nachts auch immer alleine waren? Bei unseren Ermittlungen?“
    „Äh…ja“, kam es zögernd von Scully und Mulder lachte.
    „Das hilft mir aber jetzt nicht viel.“
    „Gut, ich gebe es zu“, räumte Scully ein. „Das war wirklich nicht der beste Rat.“
    „Richtig.“ Mulder drehte sich auf die Seite und schaute zu dem mit einem dicken Vorhang verhängten Fenster. „Denn wenn ich jetzt heimlich in das Zimmer meines Partners schleichen würde, würde ich nicht die richtige Person antreffen. Ich glaube John hätte etwas dagegen.“
    „Vermutlich“, lachte Scully. „Und so heimlich waren wir übrigens damals gar nicht. War schon komisch, dass das niemandem aufgefallen ist.“
    „Diskretion, mein Schatz“, grinste Mulder. „Vermutlich ist das eines von den ersten Dingen, die man auf der Hotelfachschule lernt. Und sie konnten auch noch für zwei Zimmer abkassieren.“
    „Richtig. Wir waren sicherlich willkommene Gäste. Aber auch sicherlich nicht die Ersten, die…“ Scully zögerte und Mulder lächelte belustigt.
    „… die - zum Schein - zwei Zimmer gebucht und - in Wirklichkeit - nur eines benutzt haben? Bestimmt nicht.“
    „Mmhh…“, stimmte Scully ihm zu. Doch dann nahm ihre Stimme einen traurigen Ton an. „Oft haben wir das aber gemacht.“
    Mulder atmete tief aus.
    „Ja…Drei, nein vier Mal?“
    Fünf Mal…“, korrigierte Scully ihn. „…mit Oregon.“
    Nachdenklich starrte Mulder geradeaus. Für einen Moment sprachen sie kein Wort.
    Die Erinnerungen an damals hatten beide plötzlich wieder vor Augen und Mulder hörte, wie Scully schwer ausatmete.
    „Ich weiß… Es fällt dir schwer, über alte Dinge zu sprechen“, sagte er leise.
    „Ja… Aber nur, da damals alles so schrecklich war“, gab sie vorsichtig zu. „Es war alles so…“ Sie suchte nach Worten. „Wenn ich daran denke, wie Skinner vor mir gestanden und mir erzählt hat, dass du… verschwunden warst. Es war so schlimm, das zu hören. Wie er sagte, dass sie dich mitgenommen hätten…“ Sie machte eine kurze Pause. „Und das kurz nachdem mir die Ärzte mitgeteilt hatten, dass ich schwanger sei.“ Ihre Stimme zitterte. „Ich hätte es dir so gerne gesagt“, flüsterte sie.
    „Scully“, seufzte er. Er spürte ihren Schmerz sogar durchs Telefon. „Nicht…“
    „Ich wusste nicht, was mit dir und auch nicht, was mit mir passiert war“, sagte sie verzweifelt. „Es war alles so durcheinander. Ich hatte so viele Fragen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Wo ich nach dir suchen sollte. Oder an wen ich mich wenden oder wem ich vertrauen konnte! Und dann war da das Baby, Mulder!“ Sie atmete erneut tief aus. Und nachdem sie einen Moment geschwiegen hatte, bemerkte sie müde, wie zu sich selbst: „Ein Baby, das es eigentlich nicht geben konnte…“
    Mulder runzelte irritiert die Stirn. Er hatte den Umschwung in ihrer Stimme deutlich gehört. Und langsam kam ihm ein Verdacht. Denn er erinnerte sich an ihre ängstliche Frage, nachdem sie vor dem Kopfgeldjäger geflohen waren.
    Was, wenn mit William etwas passiert ist?
    Und seit diesem Vorfall verhielt sie sich so anders.
    „Dana! Geht es darum? Um William? Machst du dir wegen ihm solche Sorgen?“ Seine Worte wurden immer eindringlicher. „Ihm geht es gut! Und wir werden herausfinden, was die von ihm wollen. Das verspreche ich dir! Wir werden die Wahrheit über ihn herausfinden!“
    Scully schluckte.
    „Aber ich…weiß nicht, ob…“ Doch dann verstummt sie.
    Mulder setzte sich im Bett auf.
    „Dana, bitte sag mir, was dich bedrückt. Ich kenne dich sehr gut. Das weißt du. Und ich merke, dass du mir etwas verschweigst. Etwas, das dich sehr belastet.“ Er seufzte. „Das kann ich sogar übers Telefon hören. Da brauch ich dich nicht einmal anzusehen.“
    „Du kennst mich einfach zu gut, Mulder.“
    „Sprich bitte mit mir!“
    „Ich…“ Sie zögerte. „Ich kann darüber nicht am Telefon reden.“
    „Dann tun wir das aber sofort, wenn ich wieder zurück bin“, erwiderte er ernst. „Okay?“
    „Mmhhh…“
    „Dana…“
    „Okay“, gab sie hörbar ungern nach und Mulder atmete etwas erleichtert auf. Mehr konnte er im Moment nicht tun. Schließlich war er einige hundert Kilometer von ihr entfernt. Ihm blieb nichts anderes übrig, als das in diesem Moment so hinzunehmen.
    „Wir sollten nun schlafen. Es ist schon spät“, sagte sie dann.
    „In Ordnung“, seufzte er. „Dann bis morgen.“
    „Schlaf gut. Ich liebe dich.“
    Mulder lächelte schwach.
    „Ich dich auch.“
    Doch nachdem er aufgelegt hatte, beschlich ihn ein seltsames Gefühl. Als hätte die Unterhaltung doch nicht so schnell beendet werden dürfen.
    6. August 2013 13:10:56 CEST
    0
  • OMG....das ist ja soooooo toll, die zwei endlich verheiratetder , genial, alles was cc nicht geschafft hat lieferst du uns. Mega, danke!!!! Ich könnte Stunden lang so weiter lesen. Bitte mach sehr schnell weiter! ich kanns kaum erwarten wie es nun weiter geht

    .....ich muss echt sagen, das ich dachte, dass scully monica erzählen wird das sie schwanger ist.....das wäre doch mal was ;-)
    ...so that´s it
    6. August 2013 19:41:56 CEST
    0
  • 958
    ahahaha! :D :D
    Da hatten wohl zwei denselben Gedanken. ;)

    Ich dachte auch jeden Moment, dass "ich bin schwanger" kommt!

    Bin schon total gespannt wies weitergeht. Würde mir ja wünschen, dass so ein ähnliches "Männergespräch" zwischen ihm und Doggett stattfinden würde. Würde mich interessieren, was Mulder so über die Hochzeit denkt bzw. v.a., wie es zu diesem Entschluss kam!

    Haaaach... wenn du mal im IWTB Unterforum guckst, wirst du sehen, dass ich vor ein paar Jahren mal nen Thread eröffnet habe zum Thema "wieso haben M&S in der Zwischenzeit nicht geheiratet?" ;) Hast also damit bei mir voll ins schwarze getroffen! :P
    [center][IMG]http://i393.photobucket.com/albums/pp11/cliohres/3333aaaaa.jpg[/IMG][/center]
    6. August 2013 23:53:35 CEST
    0
  • :tongue:
    Soll ich euch verraten, dass die erste Version dieses Gesprächs zwischen Monica und Scully genau DAS zum Thema hatte? :D :D
    Hatte dann aber leider keine zündende Idee wie ich die Schwangerschaft gut in den Rest der Story einarbeiten könnte. Es hat einfach nicht richtig reingepasst. Schweren Herzens hab ich das dann wieder verworfen.

    Wir wünschen uns im Grunde eben doch alle das Gleiche. :D
    Und wie ich anfangs geschrieben habe. Ich habe alles reingepackt, was ich mir so wünsche... ;)

    Und ein paar Infos zur Hochzeit kommen auch noch... allerdings erst etwas später. ;)
    7. August 2013 07:31:28 CEST
    0
  • Hey!!

    Ich habe deine Geschichte auch gelesen und hatte das Gefühl das du grad den 3.Film von Akte X schreibt??!!!

    ALso schnell weiter machen und bitte hör nicht auf zu schreiben^^
    7. August 2013 11:46:09 CEST
    0
  • Und wenn du mit allen drei Teilen fertig bist, dann musst du es cc schicken......dann braucht er sich keinen Kopf mehr machen denn das wäre ein kinohit als Film. Also alle Daumen hoch!!!! Und bitte schnell weiter
    ...so that´s it
    7. August 2013 17:02:45 CEST
    0