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  Chris Carter im Digital-Movie Interview
 

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Datum: 22.01.2005 | Kategorie: Interviews
Redakteur: elacqua
 
Chris Carter im Digital-Movie Interview
Stuttgart - Da Millennium im Februar 2005 auf DVD erscheint, hat die Internetseite digital-movie.de ein Interview mit Akte X und Millennium Schöpfer Chris Carter getätigt.

Christian Bartsch: Als "Millennium" auf Sendung ging, strahlte Fox bereits die vierte Staffel von "Akte X" aus. Wann entstand die Idee zu "Millennium"?
Chris Carter: Ich entwickelte die Serie quasi als Ergebnis von "Akte X". Es gab da einen Film, den ich sah, als wir die zweite oder dritte Staffel, ich glaube es war die dritte Staffel, von "Akte X" produzierten. Der Film hieß "Sieben". Ich mag den Film recht gern... Es gab eine Episode in der zweiten Staffel von "Akte X", die bereits stark das beinhaltete, was "Millennium" später ausmachen sollte. Es ging um ein echtes Monster, ein menschliches Monster, eine Person die nicht übersinnlich, sondern aus Fleisch und Blut war. Ich fragte mich, ob man daraus wohl eine Reihe von guten Geschichten machen könne, mit einer Figur, die ich zu schreiben sehr interessant fand.

Christian Bartsch: War der Erfolg von "Akte X" für das Studio der Grund, weitere Formate wie eben "Millenium" auszuprobieren?
Chris Carter: Natürlich. Wenn man etwas hat, das ein Erfolg wird, dann geht das Studio davon aus, dass du alles erfolgreich machen kannst.

Christian Bartsch: Hat "Akte X" ein neues Genre definiert, auf dem dann weitere Serien wie "Millennium" aufbauen konnten?
Chris Carter: Nicht direkt. Eigentlich hat die Serie ein Genre aufgegriffen und neu belebt, das in Vergessenheit geraten war. Wir haben so gesehen das Horror-Science-Fiction-Scary-Movie Genre für das Fernsehen neu erfunden. Als "Akte X" startete, gab es nichts Vergleichbares, früher jedoch schon! Als ich noch ein Kind war, mochte ich Serien wie "The Twilight Zone", "Outer Limits" oder "Night Stalker". Ich nahm also, was ich als Kind mochte und entwickelte es als Erwachsener neu.

Christian Bartsch: "Akte X" hatte liebenswerte, leicht verschrobene Charaktere, die allerdings von ihren Fähigkeiten her mit normalen Kräften ausgestattet sind. In "Millennium" dagegen ist der Hauptdarsteller Frank Black sehr sensibel und hat fast schon eine seherische Gabe, sich in die Köpfe von Verbrechern hineinzuversetzen. Wie haben Sie dafür recherchiert?
Chris Carter: Ich habe zunächst eine ganze Reihe von Büchern über Serienmörder und ihre Verfolgung gelesen. Auch darüber, wie man sich in sie hineinversetzen kann und muss, um sie zu verstehen und letztlich auch fangen zu können. Ich habe mir Frank allerdings nie als wirklich übersinnlich begabte Person vorgestellt. Ich denke eher, dass er sich einfach sehr gut in Dinge hineinversetzen kann.

Christian Bartsch: Was genau haben Sie während ihrer Recherchen gelesen?
Chris Carter: Es gibt diverse Bücher von FBI Mitarbeitern, die, wie die Protagonistin Clarice Starling in "Das Schweigen der Lämmer", in der Abteilung für Verhaltensforschung tätig sind. Einer von ihnen ist John Douglas und ich fand seine und ein paar andere Bücher sehr interessant.

Christian Bartsch: War Lance Henriksen eigentlich ihre erste Wahl bei der Besetzung von Frank Black?
Chris Carter: Nicht nur das! Ich habe die Figur für ihn geschrieben, obwohl ich zu dem Zeitpunkt gar nicht wusste, ob er die Figur wirklich spielen würde. Ich habe gehofft, dass ich ihn damit ködern und ins Projekt holen könne, wenn ich etwas richtig Gutes schreiben würde.

Christian Bartsch: Können Sie uns mehr darüber verraten, wie und warum die Rolle des Lt. Bob Fletcher aus der Serie herausgeschrieben wurde? Angeblich sollen Darsteller Lance Henriksen und Bill Smitrovich am Set nicht besonders gut miteinander ausgekommen sein...
Chris Carter: Nun, es gibt Darsteller wie Lance und Bill, die beide eine starke Persönlichkeit haben. Beide wollen sich vom anderen nicht die Schau stehlen lassen. Bill war stark genug, kein "Second Billing" zu akzeptieren oder anders gesagt hätte er auch gut der Star seiner eigenen Serie sein können. Wir hatten einfach einen Überfluss an Talent. Letztlich mussten wir uns an Lance halten, immerhin war er der Hauptdarsteller unserer Serie.

Christian Bartsch: Während Sie bei der ersten und dritten Staffel alle Fäden in der Hand hielten, haben Sie die zweite Staffel an Glen Morgan und James Wong abgegeben. Wie war die Kommunikation mit den beiden und in wie weit hatten sie freie Hand?
Chris Carter: Ich war in die zweite Staffel tatsächlich gar nicht involviert. Sie haben meinen Part als Produzent übernommen, nachdem sie bereits bei den X Akten so hervorragende Arbeit geleistet hatten. Ich war zur gleichen Zeit sehr intensiv damit beschäftigt, den "Akte X" Film zu machen. Glen und James hatten bereits an der ersten Staffel von "Millennium" mitgearbeitet, allerdings war ihr Einfluss hier noch wesentlich geringer. Sie haben die Serie dann mit ihren eigenen Idee weitergeführt. Viele von diesen Ideen waren, sagen wir mal "anders", ich will damit nicht sagen, dass sie besser oder schlechter waren, aber sie wichen eben mehr vom ursprünglichen Konzept der Serie ab. Es war ihre Regie, nicht meine und als ich letztlich wieder zur Serie für die dritte Staffel zurückkam, habe ich versucht, wieder mehr in die Richtung zu gehen, die wir bereits bei der ersten Staffel eingeschlagen hatten.

Christian Bartsch: Warum wurde die Serie letztlich bereits nach der dritten Staffel abgesetzt?
Chris Carter: Nun, das klingt vielleicht merkwürdig, aber ich glaube sie taten es, weil ich "Harsh Realm" entwickelt hatte, und sie darin sehr großes Hitpotential für das Network sahen. Auf diese Weise hat also eine meiner Serien eine andere von mir aus dem Programm geworfen.

Christian Bartsch: "Millennium" wurde ja nicht von allen Zuschauern wohlwollend aufgenommen, vielen war der Stoff zu hart und die Geschichten insgesamt etwas zu unbequem. Denken Sie, dass die Serie erfolgreicher gewesen wäre, wenn man sie hier und da mehr dem Geschmack der breiten Masse angepasst hätte?
Chris Carter: Ich denke ja, aber dann hätte es vom Ansatz her eben mehr in die Richtung des Mainstream gehen müssen. Wenn sich die Leute Sendungen wie "CSI" anschauen, die hier übrigens momentan sehr beliebt ist, und dann "Millennium" auf DVD - dann werden sie sagen "Hey, das ist doch wie CSI!". Nur waren wir einfach eher da.

Christian Bartsch: Denken Sie, dass "Millennium" vielleicht mehr Erfolg gehabt hätte, wenn mehr Humor enthalten gewesen wäre, so wie bei "CSI"?
Chris Carter: Ich bin mir nicht sicher. "CSI" ist nicht das, was ich unter einer humorvollen Sendung verstehe, von daher...

Christian Bartsch: In der siebten Staffel von "Akte X" treffen Fox und Dana auf Frank Black. Hat man solche Dinge im Hinterkopf, wenn man eine Serie konzipiert?
Chris Carter: Nein, aber es gibt natürlich einige Dinge, die dafür sprechen. Man kann mit den Sendungen sogenannte Cross-Promotion machen, aber ich bin auch nicht der Erste, der so etwas gemacht hat. Der Grund dafür, dass es diese "Millennium" Episode in den X Akten gibt, ist, dass wir einen Abschluss haben wollten. Und dann haben wir das in der Serie gemacht, die immer noch gesendet wurde.

Christian Bartsch: Gibt es eigentlich Pläne, eine der Serien fortzusetzen? Wird es eventuell einen weiteren "Akte X" oder gar einen "Millennium" Kinofilm geben ?
Chris Carter: Ja, der zweite "Akte X" Film wird möglicherweise Realität, bei Millennium hängt viel vom Erfolg der DVD-Sets ab. Nur wenn die Abverkäufe gut genug sind, wird man davon ausgehen können, dass es ein Publikum für einen solche Film gibt.

Christian Bartsch: Wenn wir davon ausgehen, dass ein weiterer Kinofilm von "Akte X" kommen wird - was machen denn Fox und Dana in ihrer fiktiven Welt? Laufen sie immer noch davon? Werden die Außerirdischen ihre geplante Invasion durchführen ?
Chris Carter: Nun, ich habe mir schon eine Geschichte ausgedacht. Aber ich fürchte, die halte ich erst einmal geheim. Tut mir Leid. [lacht]

Christian Bartsch: Also wird das Drehbuch auch wieder auf dunkelrotem Spezialpapier gedruckt, damit man es nicht fotokopieren kann?
Chris Carter: Ja, genau!

Christian Bartsch: Haben Sie eigentlich eine Lieblingsepisode, die sie immer wieder anschauen könnten ?
Chris Carter: Oh ja, da gibt es einige. Aber ich habe erfahren, dass das Museum für Radio und Fernsehen in New York City an Halloween Klassiker gezeigt hat. Einer dieser Klassiker war eine "Akte X" Episode von mir mit dem Titel "Post-Modern Prometheus" ("Der große Mutato", 5. Staffel, 5. Episode, Anm. d. Red.). Ich weiß nicht, ob Sie sich noch daran erinnern können, aber die Folge war komplett in schwarz/weiß gedreht - die einzige der ganzen Serie übrigens. Sie hat eine ganz persönliche Note, von daher mag ich sie noch ein wenig mehr, als andere.

Christian Bartsch: Gibt es auch andere TV Serien, die sie begeistern?
Chris Carter: Ja, ich liebe "Six Feet Under", das ist einer meiner Favoriten und eine der besten Shows, die je für das Fernsehen gemacht wurden.

Christian Bartsch: Gibt es schon Neuigkeiten zu "Fridays At Nine" (Chris Carters geplante Autobiographie, Anm. d. Red.) - oder eventuell gar einen Veröffentlichungstermin?
Chris Carter: [lacht] Nein, nicht wirklich - das war nur ein Witz von mir. Ich denke nicht, dass ich dieses Buch jemals schreiben werde, aber das wäre der Titel, wenn ich es täte...

Quelle: digital-movie.de



 

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